Scalp Micropigmentation

Für die Kabine |

Anders als in den USA und Großbritannien ist Scalp Micropigmentation (SMP) hierzulande wenig bekannt – bisher zumindest. Es handelt sich dabei um ein Permanent Make-up, das einen vollen Haarwuchs nachbildet. SMP-Artist Kay Elpers von Prettify erklärt, wie es funktioniert.

KOSMETIK international Verlag: Wie läuft eine Scalp Micropigmentation ab?

Kay Elpers: Das Thema ist grundsätzlich sehr erklärungsbedürftig, weshalb wir auf unserer Website eine ausführliche Sektion mit „Fragen und Antworten“ anbieten. Generell lege ich sehr viel Wert auf ein persönliches Beratungsgespräch, da ich in diesem die Beschaffenheit der Kopfhaut untersuchen und in Augenschein nehmen kann. In vielen Fällen führe ich dabei gleich einen sogenannten „Patch-Test“ durch und setze dem Interessenten einige „Dots“ auf die Kopfhaut, um zu sehen, ob er evtl. überempfindlich auf die Pigmente reagiert und wie sich diese bei ihm setzen und abheilen bis zum ersten Behandlungstag. Das ist aber nicht immer möglich, da die Kunden mittlerweile oftmals von weit her zu mir kommen. In diesen Fällen halte ich das Gespräch vorab meist per Video-Call ab. Je nach Arbeitsaufwand, Hauttyp und Haarfarbe sind zwei bis vier Sessions im Abstand von 14 Tagen notwendig, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Bei Klienten mit hellerem Haar kann es schon mal sein, dass zwei Sitzungen ausreichen.

Welche Rolle spielt das Vorzeichnen?

Eine große. Bei meinen männlichen Kunden wird, bevor es mit der ersten Sitzung losgeht, natürlich erstmal die neue Haarlinie abgestimmt und angezeichnet. Seitenprofile werden ebenfalls neu definiert und die Pigmente für die Basis, die sogenannte „Template-Session“, bestimmt. Hierbei gilt es, beispielsweise sehr genau auf den jeweiligen Hautunterton des Kunden zu achten, um dementsprechend die richtige Wahl der Pigmente zu treffen.

Wie geht es nach der Sitzung weiter?

Nach jeder Sitzung, die zwischen 2,5 bis 3,5 Stunden dauert, bekommt jeder Kunde ausführliche Pflegehinweise sowie Nachsorgeprodukte mit auf den Heimweg. Besonders nach der frischen Pigmentierung sind viele Dinge zu beachten und erfordern die „Mitarbeit“ des Kunden, um am Ende auch das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Dazu gehört etwa, sich die ersten Tage den Kopf nicht waschen zu dürfen oder sieben Tage keinen Sport zu treiben.

Welche Ausbildung haben Sie dafür absolviert?

Ich selbst absolvierte meine erste Basis-Schulung nach einer beruflichen Umbruchsphase bei Scalp Swiss. Ich bekam einen ersten Schwung des Grundwissens für Scalp Micropigmentation vermittelt und das erste Hands-On-Training lief sehr gut. Ich war mit dieser Basis-Schulung aber noch nicht hundertprozentig zufrieden, weshalb ich kurz darauf eine weitere, etwas umfassendere Schulung in der weltweit bekannten Brandwood Clinic in Birmingham genoss. Auch sonst halte ich mich mit Webinaren stets auf dem Laufenden, was unterschiedliche neue Techniken, Farbtheorie oder auch Dermatologie anbelangt und besuche internati­onale Conventions. Erst kürzlich nahm ich in Las Vegas an der dreitägigen, nun jährlich stattfindenden „International Scalp Show“ teil.

Worauf sollte eine Kosmetikerin, die eine Ausbildung zum SMP-Artist machen möchte, achten?

SMP-Artist ist genau wie PMU-Artist kein Beruf, der von der Handelskammer abgenommen oder gar anerkannt wird und für den man eine dreijährige Ausbildung absolvieren muss. Das ist auch der Grund, warum nicht nur in diesem Segment des Permanent Make-ups leider viele schwarze Schafe unterwegs sind, die von heute auf morgen loslegen, nachdem sie, salopp gesagt, einen Online-Kurs absolviert haben. Deshalb kann ich allen nur ans Herz legen, genaue Nachforschungen anzustellen, bei wem sie eine Ausbildung machen wollen und wer die jeweiligen Trainer selbst ausgebildet hat. Und vor allem sollte man sich die bisherigen Arbeiten dieser Trainer auf Instagram oder auf ihrer Website anschauen. Nur wer gute Arbeit abliefert, kann einem auch beibringen, wie es funktioniert. Ein Hands-On-Training am Model ist meines Erachtens unerlässlich.

Das Thema Ausbildung liegt auch mir persönlich sehr am Herzen. Deshalb haben meine Kollegin und ich uns dazu entschlossen, nach acht Jahren an der alten Wirkungsstätte, im August an anderer Stelle weiterzumachen. Dort werden wir dann sowohl Schulungen für Microblading als auch für Scalp Micropigmentation anbieten. Meine SMP-Schulungen werden definitiv etwas ausführlicher und fundamentaler und auch die Betreuung nach der Schulung wird intensiver gestaltet. Ich denke, dass die ersten Termine hierfür ab spätestens November feststehen.

Wer sind Ihre Kunden?

Zu 90 % sind meine Kunden männlich und zwischen 20 und 70 Jahre alt. Viele junge Männer erfahren Haarverlust schon in ihren frühen 20ern, was für viele einen herben Einschnitt in puncto Lebensqualität bedeutet. Ich habe schon Jungs zum Beratungsgespräch sehr gebückt durch meine Tür kommen sehen. Wenn man sie dann beobachtet, wie sie mit breitem Kreuz und erhobenen Hauptes vier bis sechs Wochen später nach der letzten Behandlung das Studio wieder verlassen, ist das die größte Belohnung für meine Arbeit. Schön ist auch, wenn Kunden mich stets auf dem Laufenden halten, wie SMP ihr Leben verändert hat und es weiterhin tut. In Zukunft möchte ich auch mehr Frauen mit Haarverlust Mut machen, sich mir oder einem anderen erfahrenen SMP-Artist anzuvertrauen. Denn dies ist nicht nur ein Prob­lem unter Männern.

In welchen Fällen raten Sie von Scalp Micropigmentation ab?

Es gibt einerseits die klassischen Kontraindikationen wie Autoimmun- oder Hautkrankheiten, die eine derartige Behandlung unmöglich machen, weil der Körper die gesetzten Pigmente schneller wieder abstößt oder teilweise auch gar nicht in der Dermis behält. Die Kopfhaut wie der Körper an sich sollten in einem sehr guten Zustand sein.

Oftmals kommen Kunden zu mir, die gedanklich noch nicht ganz so ­weit sind, sich damit abzufinden, dass der Zug abgefahren ist und es nicht mehr wirklich viel bestehende Substanz auf dem Kopf gibt, um etwas zu kaschieren. Aus ästhetischer Sicht ist SMP eine herausragende Möglichkeit, in bestimmten Fällen auch den Haarboden zu verdichten. Gerade nach Haartransplantationen oder auch bei Frauen mit diffusem oder gar kreisrundem Haarausfall kann so der Blick auf die zu kahle helle Kopfhaut kaschiert werden. Gehen die Wünsche des Klienten jedoch in eine Richtung, in der ich die Ästhetik und Natürlichkeit verloren gehen sehe, rate ich definitiv davon ab. Gerade beim Shaved-Look sollte das bestehende Haar extrem kurz rasiert werden, damit der Effekt vollkommen zur Geltung kommt.

Wie lange hält die Scalp Micropigmentation?

Pauschal lässt sich das gar nicht beantworten. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle wie beispielsweise der eigene Stoffwechsel oder die Hautbeschaffenheit. Auch die Pflege ist ein sehr großer Faktor. Wenn sich die Kunden nach abgeschlossener Behandlung nicht täglich mit mindestens Sonnenschutzfaktor 30 eincremen, verblasst die SMP aufgrund der UV-Einstrahlung wesentlich schneller.

Generell kann man davon ausgehen, dass man drei bis vier Jahre daran Freude an der Scalp Micropigmentation hat, bis sie verblasst und die Kunden zu einer einmaligen sog. „Touch-Up Session“ zu mir kommen. Den einen oder anderen habe ich nach dieser Zeit auch schon wieder nach Hause geschickt, weil noch kein Touch-Up nötig war. Bei manchen merkt man auf jeden Fall, dass es süchtig macht.

Was ist der Vorteil gegenüber einer FUT-Haartransplantation?

Haartransplantationen haben meines Empfindens immer eine 50/50-Erfolgschance. Egal ob nach der FUT-Methode (die sog. Streifenentnahme, wie sie überwiegend früher vorgenommen wurde) oder FUE-Methode, bei der heute nur noch tausende Grafts mittels jeweiliger Einzelentnahme aus dem Hinterkopf auf den Oberkopf oder in die Haarlinie extrahiert und verpflanzt werden – es hängt auch viel davon ab, wie gut konditioniert mein eigenes Donor-, also Spenderhaar ist und von meiner Kopfhaut angenommen wird. Hinzu kommt, dass es ein operativer Eingriff ist, der teilweise mit erheblichen Schmerzen verbunden ist. Die Abheilungsphase beträgt mehrere Monate und sichtbare Ergebnisse sind oftmals nicht vor einem Jahr zu erzielen.
Scalp Micropigmentation ist dabei eine sichere Sache. Nach 5 Wochen stehen meine Kundinnen und Kunden vor dem Spiegel und können sich nicht mehr daran erinnern, wie es, oder besser sie vor 6 Wochen ausgesehen haben. Selbst nach der ersten Sitzung sieht man bereits, wo die Reise hingeht. Die Haarlinie ist neu definiert und nachgebildet. Zwei Wochen später, nach der zweiten Session, passiert Magie auf dem Kopf und die sogenannte „Density Session“ bringt die gewünschte Fülle auf den Kopf.

Nach jeder Sitzung ist die Kopfhaut für einige Stunden gerötet und gut durchblutet. Das nimmt aber nach einigen Stunden rasch wieder ab. Nichtsdestotrotz ist man auch dann absolut gesellschaftsfähig und außer der eben genannten Einschränkungen weitestgehend einsatzfähig.

 

SMP-Artist Kay Elpers bei einer Scalp Micropigmentation
Unser Interviewpartner Kay Elpers
Ein Kunde von Kay Elpers vor der Scalp Micropigmentation
Der Kunde vor der Scalp Micropigmentation
Die neue Haarlinie wird vorgezeichnet
Die neue Haarlinie wird vorgezeichnet.
Nach der Scalp Micropigmentation wirkt das Haar dichter
Nach der Scalp Micropigmentation: Das Haar wirkt dichter, zudem hat SMP-Artist Kay Elpers die Haarlinie angepasst.
Von | Fotos: Kay Elpers, Marcel Knopp