Normal – oder nicht?

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Normal – oder nicht?

Der Konzern Unilever verbannt weltweit den Begriff "normal" für Kosmetik- und Körperpflegeprodukte. Er strebe dadurch eine inklusivere Definition von Schönheit an.

"We say no to 'normal' and yes to Positive Beauty" – durch dieses Motto unterstreicht der weltweit operierende Unilever-Konzern sein Bestreben, sich für ein neues Beauty-Zeitalter einsetzen zu wollen, das inklusiv, gerecht und nachhaltig sei. Dabei solle nicht nur weniger Schaden angerichtet, sondern mehr Gutes getan werden – "sowohl für die Menschen als auch für unseren Planeten". Dazu gehöre auch, dass der Konzern fortan auf die Bezeichung "normal" auf seinen Kosmetik- und Körperpflegeprodukten verzichten wolle.

Umfrage als Basis für die Entscheidung

Die Entscheidung gründet sich auf die Ergebnisse einer Positive-Beauty-Umfrage, die Unilever unter 10 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den USA, Brasilien, Großbritannien, Nigeria, Südafrika, Saudi-Arabien, Indien, Indonesien und China durchführen ließ. Hier hätten sieben von zehn Personen angegeben, dass das Wort „normal“ auf Kosmetikverpackungen eine negative Wirkung auf Menschen habe. In der Altersgruppe der 18- bis 35-jährigen steige diese Zahl auf acht von zehn. 56 Prozent der Befragten hätten zudem angegeben, dass die Kosmetik- und Körperpflegeindustrie Menschen das Gefühl vermitteln könne, ausgeschlossen zu sein. Und 74 Prozent der Teilnehmer wünschten sich, dass sich die Kosmetik- und Körperpflegeindustrie darauf konzentrieren solle, dass Menschen sich besser fühlen und nicht nur besser aussehen. Die Mehrheit der Befragten sei zudem der Ansicht, dass die Branche noch einen weiten Weg vor sich habe, bis unterschiedliche Körpertypen, unterschiedliche Altersgruppen, unterschiedliche Ethnien und Menschen aus der LGBTQIA+-Community besser repräsentiert seien.

Definiert einen Hautzustand

Doch wie sieht es mit dem Begriff "normal" in der professionellen Hautpflege und auch in der Dermatologie aus? Hier wird dieser nicht als Kategorie von Schönheit verstanden, sondern als fachliche Definition eines Hautzustandes. Der als „normale Haut“ bezeichnete Hauttyp ist feinporig, straff und leicht rosig. Die normale Haut spannt nicht, weist keinen fettigen Glanz auf und ist frei von Trockenheitsfältchen. Reinigung und Pflege sind hier unkompliziert, im Grunde genügen Wasser und gegebenenfalls eine leichte Feuchtigkeitscreme im Sommer bzw. eine reichhaltigere Hautpflege im Winter. Angesichts dieser durchaus auch im medizinisch-wissenschaftlich Kontext gebräuchlichen Terminologie, die ohne Ansehen der Person verwendet wird, stellt sich die Frage, ob dieser Begriff tatsächlich ausgrenzend gemeint wird oder doch eher einer sachlichen Einschätzung dient.

Selbstverständnis der Kosmetikerinnen

Und noch einen weiteren Aspekt der Umfrage gilt es aufzugreifen – den Wunsch danach, dass sich die Kosmetik- und Körperpflegeindustrie darauf konzentrieren solle, dass sich die Menschen besser fühlen und nicht nur besser aussehen. Genau das ist aber der Anspruch der Kosmetikerinnen, die ihren Kunden und Kundinnen durch ihren Service etwas Gutes tun möchten. Dazu zählt neben einer individuellen, kompetenten Beratung auch die hauttypgerechten Pflege und das Behandlungserlebnis in der Kabine. Kosmetikerinnen berichten davon, dass ihre Kunden nach der Behandlung entspannt und positiv gestimmt in ihren Alltag zurückkehren. Diese freuten sich über ihre strahlende, gepflegte und regenerierte Haut oder über ein gut abgestimmtes Make-up. Sich gut fühlen und gut aussehen schließt sich somit nicht aus – und Wohlbefinden ist letztlich ein Gefühl, das jeder für sich individuell definiert und spürt.

Fotos: stoeck.adobe.com/novoselov