Tierische Regeneration

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Tierische Regeneration

Die Meeresschnecke Elysia marginata verfügt über beeindruckende regenerative Fähigkeiten. Sie kann ihren Kopf vom Körper trennen und diesen dann neu bilden.

Es gibt Tierarten, die sich selbst erneuern und somit quasi eine Verjüngungskur in Eigenregie durchführen können. Wäre das nicht verlockend, wenn man daraus Erkenntnisse gewinnen könnte, um den menschlichen Alterungsprozess zu beeinflussen? Forscher des Projektes "Go Jelly", das unter der Leitung des GEOMAR-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel durchgeführt wird, haben einen solchen Mechanismus bereits bei bei einer invasiven Rippenqualle beobachtet. Die Wissenschaftler hatten diese halbiert und konnten danach feststellen, dass sich die Qualle selbst repariert. Innerhalb von Sekunden schloss die Meduse ihre Wunden und binnen einer Woche hatte sie sich komplett regeneriert.

Ein Weichtier, das seinen Körper abwirft

Nun aber konnte die Biologin Sayaka Mitoh von der staatlichen Frauenuniversität Nara in Japan gemeinsam mit ihrem Kollegen Yoichi Yusa dokumentieren, dass die Schlundsackschnecke Elysia marginata ihren Körper von ihrem Kopf abtrennen kann. Und nicht nur das: Der Körper wächst nach. Im Labor hatten die beiden Wissenschaftler die Weichtiere aufgezogen und eines Morgens konnten sie diese Trennung beobachten. Der Kopf der Meeresschnecke bewegte sich dabei nicht nur eigenständig weiter, er begann auch zu fressen. Nach einem Tag stellten die Wissenschaftler fest, dass sich die Wunde am Kopf verschlossen hatte. Innerhalb von sieben Tagen begann die Regeneration des Herzens und nach rund 20 Tagen sei der Körper vollständig nachgewachsen, so Mitoh und Yusa in einem Beitrag im Fachmagazin Current Biology.

Wachstum durch Fotosynthese

Doch worauf ist dieser Regenerationsmechanismus zurückzuführen? Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Meeresschnecke durch Fotosynthese ernährt. Auf ihrem Speiseplan stehen Algen, die sogenannte Chloroplasten enthalten – abgrenzbare Zellbereiche (Organellen), die eine spezielle Funktion aufweisen. Die Elysia-Schnecke lagert die Chloroplasten der Algen in ihre eigenen Zellen ein und kann eben dadurch Fotosynthese betreiben. Diese biochemische Reaktion ermöglicht das Leben auf unserem Planeten. Hierbei wandeln sowohl Pflanzen als auch bestimmte Bakterien Licht, Wasser und Kohlendioxid in Glucose und Sauerstoff um.

Funktioniert nur bei jungen Elysia-Schnecken

Zugegeben, dieser Mechanismus klingt verheißungsvoll. Wie schön wäre es, wenn man seinen Körper derart unproblematisch loswerden könnte, um sich einfach einen neuen wachsen zu lassen. Die Sache hat leider nur einen Haken: Dieser Mechanismus war lediglich bei jungen Schnecken zu beobachten. Ältere Weichtiere warfen ihren Körper zwar ab, einen neuen konnten sie jedoch nicht ausbilden.
Wer weiß schon, ob Wissenschaftler von diesen Erkenntnissen irgendwann etwas für den Menschen ableiten können. Solange bleibt uns nur das Staunen über die bunte Welt der Tiere, die uns mit ihren beeindruckenden Fähigkeiten überrascht.

 

Fotos: stock.adobe.com/Kolevski.V