Algen - Die Wunderwaffen der Kosmetik

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Algen - Die Wunderwaffen der Kosmetik

Das Meer macht schön: Forschung und Wissenschaft setzen immer mehr auf marine Wirkstoffe. Ganz vorne mit dabei sind Algen, die äußerst vielseitig eingesetzt werden können und aus der Kosmetik nicht mehr wegzudenken sind.

Was die Mythologie andeutet und die Naturheilkunde empfiehlt, was die ersten Badetouristen um 1900 suchten und die Thalassotherapie in Kuren verspricht, das bestätigt die moderne Wissenschaft: Meerwasser, Meeresschlick, Meersalz und ganz besonders Meeresalgen halten Körper, Haut, Geist und Seele gesund und schön.
Biokompatibilität nennt sich das, wenn unsere Haut genau wie die Wasserpflanzen ständig gegen Stress wie aggressive UV-Strahlen, Wind, Temperaturschwankungen und Austrocknung durch Wind und Sonne kämpfen muss. Algen haben in Jahrmillionen erfolgreiche Widerstandskräfte entwickelt – und diese marinen Wirkstoffe lassen sich in Kosmetika an unsere Haut vermitteln: Mineralien, Antioxidanzien, Vitamine, essenzielle Fettsäuren und Spurenelemente wie Folsäure, Eisen, Mangan und Magnesium sowie Eiweiß schützen Kollagen- und Elastinfasern, die für Geschmeidigkeit und Festigkeit der Haut verantwortlich sind.

Wie aber gelangen diese Wirkstoffe aus den Algen in Kosmetika? Zunächst werden sie im Meer von Hand, per Schiff oder Traktor mit sogenannten „scoubidous“, einer Art gigantischer Drehschraube, geerntet. Dann wird der glitschige Tang weiterverarbeitet: Entweder zermahlt man die getrockneten Algen zu feinem Puder oder man gewinnt Extrakte der in Algen wie Nori, Chondrus, Palmaria oder Ulva enthaltenen wasserlöslichen Wirkstoffe durch Osmose. Eine weitere Möglichkeit ist das Pulverisationsverfahren, wobei die Algenpartikel in einem Gasstrom aneinanderreiben, sodass ihre Zellwände zerplatzen. Auch alkoholische Auszüge aus getrockneten Algen lassen sich verarbeiten, als schonender gelten allerdings Mazeration - wobei den zerkleinerten Algen mithilfe eines Lösungsmittels die Wirkstoffe entzogen werden – oder Lyophylisation: Dafür kühlt man die frischen Algen auf Temperaturen von -20°C bis -45°C und entzieht ihnen dann das Wasser.

Algen in der Medizin
Die so gewonnenen Algenwirkstoffe werden zu Cremes, Gels oder Ölen weiterverarbeitet, wobei jede Kosmetikmarke ihre eigenen Schwerpunkte setzt. Immer geht es jedoch darum, das durch Alter, Umweltverschmutzung und Stress gestörte Gleichgewicht des Körpers wiederherzustellen, indem die Haut durch die physiologische Ähnlichkeit von menschlichem Plasma und Meerwasser die Substanzen aufnimmt, die dem Organismus fehlen. So werden die Zellen erneuert und aktiviert, das Gewebe gestrafft, Körper und Seele verjüngt.

Auch neue Medikamente, beispielsweise in der Krebstherapie oder zur Behandlung viraler Infektionen, erhofft sich die Wissenschaft aus dem Meer. Intensiv geforscht wird in diesem Bereich erst seit Kurzem und bislang mit knappen Geldmitteln. Leider ist die Entwicklung vom marinen Wirkstoff bis zum zugelassenen Medikament sehr langwierig und teuer, sodass Ozeane für biomedizinische Studien noch ein Schattendasein führen.

Was können Algen bewirken? Einige Anwendungsbeispiele:
Algen haben feuchtigkeitsspendende, antioxidative, lichtschützende und antibakterielle Wirkung. Jede Algenart – ob Makro- oder Mikroalge – hat ihre eigenen Eigenschaften und ist auf eine bestimmte Gesichtspartie, einen Hauttyp oder ein bestimmtes Bedürfnis abgestimmt: die Epidermis nähren, die Haut schützen, sie beruhigen, die Hautalterung verlangsamen. Kosmetisch interessant sind vor allem die Gattungen Laminaria, Fucus, Chondrus (Lichen), Palmaria (Dulce), Ulva (Aosa), Litothamnium und Spirulina: Die gigantische Laminaria Digitata enthält Jod in besonders konzentrierter Form, ist remineralisierend, spendet Feuchtigkeit, schützt und regeneriert. Die Rotalge Irisches Moos bildet dank ihrer Schleimstoffe einen natürlichen Schutz auf der Haut, hat feuchtigkeitsspendende und weichmachende Wirkung. Pelvetia, eine Alge der Fucus-Familie, versorgt die Haut mit Feuchtigkeit, fördert die Durchblutung und soll sogar ähnlich verjüngend wirken wie das Wunderhormon DHEA. Insgesamt sind Algen der Gattung Fucus reich an Vitamin C und E und gelten als echte „Putzteufel“, die den ganzen Organismus von Grund auf reinigen. Ganz konkret finden Fucus-Algen in hautstraffenden, entschlackenden Algenbädern und -wickeln Verwendung. Die auch als Meeressalat bekannte grüne Alge Ulva lactuca ist reich an Magnesium und feuchtigkeitsspendend.

Autorin: Beate Kuhn-Delestre

Lesen Sie den vollständigen Artikel ab 1. Juni in der neuen Ausgabe des KOSMETIK international Magazins.

 

Fotos: stock.adobe.com/Andrew

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