Pflegende Kostbarkeiten

Für die Kabine |

Pflegende Kostbarkeiten

Pflanzliche Öle aus Afrika wie Jojoba und Baobab sind beliebte Inhaltsstoffe für Kosmetikprodukte. Doch es finden sich dort noch weitere Öle, die mitunter ein interessantes Fettsäurenprofil aufweisen und u. a. in lokalen Kooperativen hergestellt werden. Hier ist eine kleine Auswahl für Sie.

In Marokko wachsen Bäume, die gerne von Ziegen erklommen werden – ein ebenso witziges wie beliebtes Fotomotiv, wie Sie sich sicher vorstellen können. Auf ihren waghalsigen Klettertouren ernähren sich die Nutztiere von den Blättern an den Ästen und knabbern das Äußere der Früchte ab. Die sehr harten Kerne jedoch verschmähen die Ziegen, den Einheimischen hingegen dienen diese als wertvolle Ölquelle. Doch was sind das für vielseitige Gewächse, die den Menschen nicht nur Pflanzenöl und Futtermittel, sondern auch Bauholz liefern? Es handelt sich um Argan-Bäume, die in dem seit dem Jahr 1988 bestehenden UNESCO-Biosphärenreservat Arganeraie im Südwesten Marokkos beheimatet sind. Die Produktion von Arganöl ist Frauensache, traditionell verarbeiten Berberfrauen die Kerne der Argan-Früchte in Handarbeit, um das goldgelbe Öl zu gewinnen und direkt vor Ort abzufüllen. Verwendet wird es als Speiseöl sowie zur Haut- und Haarpflege.

Nicht nur in Naturkosmetik

In der Naturkosmetik ist das "flüssige Gold Marokkos" schon länger bekannt, doch aufgrund seiner pflegenden und wohltuenden Eigenschaften erfreut es sich auch in der klassischen Kosmetik und im Spa wachsender Beliebtheit. Das mittelspreitende Arganöl eignet sich dabei besonders zur Pflege von reifer, trockener und strapazierter Haut. Die Naturkosmetik-Expertin Heike Käser weist zudem darauf hin, dass sich es aufgrund des hohen Linolsäure-Gehalts auch für fettige, unreine und Mischhaut empfiehlt. Das Naturprodukt ist reich an Vitamin E, Öl- und Linolsäuren sowie Phytosterinen.

Öl und Wein vom Marula-Baum

Sie haben es wirklich in sich, die leuchtend gelben Früchte des Marula-Baumes, der im Süden Afrikas wächst. Wenn sie reif sind, machen sich die Wildtiere nur zu gerne darüber her. Allerdings beginnen die reifen Früchte auch zu gären und verhelfen so den tierischen Leckermäulern zu einem ordentlichen Schwips. Die Einheimischen sammeln die Früchte und verarbeiten sie zu einer Art Wein – und zu einem Öl, das sich sehr gut als Kosmetikrohstoff eignet. Hierfür werden zunächst die Steinkerne getrocknet, danach geöffnet und der enthaltene Samen entnommen. Daraus wird dann das ebenfalls mittelspreitende Marulaöl gewonnen, das Feuchtigkeit spendet und rückfettend wirkt. Es gilt als stabiles, lang haltbares Erzeugnis und enthält besonders viel Ölsäure.

Aus wilden Melonen

Eine Wildform der Wassermelone liefert eine weitere pflegende Kostbarkeit – die Kalahari- oder Tsamma-Melone. Sie gedeiht im südlichen Afrika und dient in der Wüste als Nahrungs- und Wasserquelle. Aus ihren Kernen wird das Kalahari-Melonenöl gepresst, das die Einheimischen für die Hautpflege verwenden.  Das leicht einziehende Öl wird sehr geschätzt und deshalb auch als "Gold Namibias" bezeichnet. Es hydratisiert und schützt die Haut, zudem unterstützt Marulaöl diese bei der Regeneration. Geeignet ist es dabei auch zur Pflege von fettiger Haut. Es wird z. B. mit Baobaböl zu einem straffenden Massageöl vermischt. Zu den wertvollen Inhaltsstoffen des Marulaöls zählen Vitamin A, C und das Carotinoid Lycopin, die allesamt antioxidativ wirken. Enthalten sind aber auch verschiedene B-Vitamine und essenzielle Fettsäuren, insbesondere die Linolsäure.
Unter den Kürbisgewächsen gibt es aber noch eine andere Ölquelle, die ausschließlich in Namibia wächst. Die dornige !Nara-Pflanze gedeiht auf dem kargen Wüstenboden, versorgt sich durch meterlange Pfahlwurzeln und bildet etwa ein Kilo schwere Früchte aus. Im Gegensatz zur einjährigen Kalahari-Melone kann die !Nara bis zu hundert Jahre alt werden. Ihre Wildsammlung ist recht mühselig, Wüstenbewohner nutzen sie als Durstlöscher und Lebensmittel. Eine Frucht enthält mehr als 200 Kerne, aus denen ein hautberuhigendes Öl gewonnen wird, das die Wundheilung begünstigt und (leichten) Sonnenbrand lindern kann.  Es weist einen hohen Anteil an ungesättigten Omega-6-Fettsäuren auf.

 

 

Fotos: stock.adobe.com/vladimirzuev

Ebenfalls für Sie interessant