Gesundheitsrisiko Blaulicht

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Gesundheitsrisiko Blaulicht

Das Thema Blue Light ist „in“: Spezielle Brillengläser sollen die Augen vor Schäden durch blaues Licht bewahren. Kosmetische Produkte versprechen Schutz vor Digital Aging. Alles nur ein Verkaufs-Gag? Unser Autor klärt auf.

Licht hat einen wesentlichen Einfluss auf unseren Körper. Am Tag sorgt es für Wachheit und Aktivität und ist Basis für den Tag-Nacht-Rhythmus. Dabei hemmt insbesondere der Anteil von Blaulicht die Melatonin-Produktion in der Zirbeldrüse, was dafür sorgt, dass man bei einem hohen Anteil an Blaulicht besonders wach ist. So konnte in einer Studie z. B. gezeigt werden, dass Konzentration und Aufmerksamkeit am Arbeitsplatz durch einen hohen Blaulichtanteil gefördert werden. Licht mit einem hohen Blauanteil hat also eine sehr positive Wirkung auf die menschliche Leistungsfähigkeit.

Wirkungen aufs Auge

Blaues Licht hat jedoch auch negative Effekte auf den Körper. Zuerst erforscht wurde dies in Bezug auf das Augenlicht. Verschiedene Studien zeigen, dass eine dauerhafte Exposition sichtbaren blauen Lichtes eine schädigende Wirkung auf die Netzhaut hat. Im natürlichen Sonnenlicht ist der Blau-Anteil mittags höher als abends. Heutzutage verbringen wir jedoch einen Grossteil unserer Zeit in Innenräumen, die künstlich ausgeleuchtet sind. Der heutige Trend zur „kalten“, energiesparenden LED-Beleuchtung trägt zusätzlich zu einer Überflutung mit Blaulicht bei.

    Einfluss auf die Haut

    Neben den bekannten Auswirkungen von Blue Light auf die Netzhaut der Augen und den Schlafrhythmus sind die Forschungsergebnisse im Bereich der Haut noch jung. Dennoch warnen Experten heute schon vor dem übermässigen Gebrauch von Mobilgeräten. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass das blaue Licht die Bildung von freien Radikalen in der Haut fördert. Freie Radikale sind instabile Sauerstoffmoleküle, denen in ihrer Struktur ein Elektron fehlt. Um wieder in eine stabile Konfiguration zurück zu finden, „rauben“ sie dieses Elektron und schädigen dadurch die Hautzellen. Das blaue Licht dringt dabei noch tiefer in die Haut ein als UV-Strahlen. Der natürliche Schutz der Haut wird geschwächt. Trockene, fahle Haut, Fältchen und Pigmentflecken können die Folge sein.

    Digital Aging

    Die Bestrahlung der Haut mit blauem Licht setzt zudem Matrix-Metalloproteinasen (MMP) frei. Diese Eiweiss spaltenden Enzyme sorgen dafür, dass dermale Hautfasern zerstört werden und fördern so die vorzeitige Hautalterung. Diese Auswirkungen des Blue Light werden unter dem Begriff „Digital Aging“ zusammengefasst.
    Nach aktuellem Kenntnisstand ist es also zumindest wahrscheinlich, dass künstliches Licht, z. B. von Bildschirmen, unserer Haut schadet. Mit diesem Thema hat sich in der Zwischenzeit auch die kosmetische Wirkstoff-Forschung befasst: Es gibt erste Produkte am Markt mit Blue Light-Filtern gegen die digitale Hautalterung. So wie das Forschungsgebiet Blue Light noch ein junges ist, sind auch diese kosmetischen Wirkstoffe und Produkte neu auf dem Markt und werden nur von wenigen Herstellern angeboten.

    Abschirmen und schützen

    Die Wirkkonzepte der kosmetischen Rohstoffe verfolgen dabei hauptsächlich zwei Wege:
    Reduktion des einstrahlenden Blauen Lichtes Reduktion der schädlichen Auswirkungen freier Radikale. Mit klassischen Lichtschutzfiltern lässt sich die Einstrahlung von blauem Licht praktisch nicht reduzieren, weil diese ein anderes Spektrum des Lichtes – den UVA- und UVB-Bereich – abdecken. Ein japanischer Hersteller empfiehlt das Seltene Erden-Element Cerium in seiner Oxid-Form. Als feines Pulver dispergiert soll es nicht nur vor UVA-Strahlen, sondern auch vor Blue Light wirksam schützen. Dabei soll es sich leicht und unsichtbar auf der Haut verteilen lassen.

    Potente Helfer aus der Natur

    Die meisten Hersteller kosmetischer Wirkstoffe konzentrieren sich darauf, gegen die Auswirkungen des blauen Lichtes auf der Haut vorzugehen. Da die Schädigung der Hautzellen insbesondere durch die freien Radikale erfolgt, sieht das Wirkkonzept vor, diese aggressiven Moleküle unschädlich zu machen. Dem Wunsch der Verbraucher und dem Zeitgeist folgend, sind die meisten Wirkstoffe natürlichen Ursprungs. Dazu gehören z.B. die Extrakte aus Preiselbeeren. Sie sind reich an Polyphenolen und können somit gegen freie Radikale wirken. Vom Hersteller werden diese Auszüge als sogenannte Stammzell-Extrakte angeboten, wodurch sie bis zu elf Mal wirksamer sein sollen als Extrakte aus natürlichen Beeren.
    Ein ähnliches Konzept verfolgen Kakao-Extrakte. Ebenso werden spezielle Extrakte von Algen sowie von Zistrosen angeboten. Hier wurden Studien insbesondere in Bezug auf die Wirksamkeit gegen die MMP veröffentlicht.
    Auch der natürliche Wirkstoff Ectoin, der aus Mikroorganismen gewonnen wird, die in extremen Umgebungen leben, gilt als effektiv gegen besondere Umweltfaktoren wie eben auch blaues Licht. Ectoin mindert den oxidativen Stress der Haut durch freie Radikale.
    Ein weiterer interessanter Wirkstoff entstammt dem Lupinen-Samen. Das daraus gewonnene Öl zeigte in Studien aufgrund seiner aussergewöhnlichen antioxidativen Eigenschaften regulierende Wirkungen auf die Lipid-Peroxidation, die Protein-Oxidation sowie auf die DNA-Degenerierung. Insgesamt konnte gezeigt werden, dass durch Protease-Aktivität und MMP-Wirkung verursachter vorzeitiger Hautalterung vorgebeugt werden konnte.

     

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