Unbedenklicher Händeschutz

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Unbedenklicher Händeschutz

Das Tragen von Schutzhandschuhen gehört nicht nur während der Corona-Krise zu den hygienischen Maßnahmen im Kosmetikinstitut. Bevorzugt werden dabei Einmalhandschuhe aus sehr dünnem und anschmiegsamen Material übergestreift, etwa aus Nitril oder Naturlatex. Doch wie steht es um das Allergiepotenzial dieser Materialien?

Der Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München hat unlängst die Latex-Allergie als neuen Schwerpunkt aufgenommen, um über diese Erkrankung aufzuklären. Eine Latex-Allergie tritt zumeist im beruflichen Umfeld auf. Zu den Betroffenen zählen u. a. medizinisches oder gastronomisches Personal, Pfleger, Friseure oder Kosmetikerinnen – sie alle nutzen Einmalhandschuhe regelmäßig. Ist der Handschutz aus Naturlatex gefertigt, dann besteht bei diesen Berufsgruppen ein höheres Risiko, eine entsprechende Allergie zu entwickeln. Unterschieden werden dabei zwei Arten von Latex-Allergien. Bei dem Soforttyp gelangen die Latex-Allergene über die Atemwege in den Körper, beim Spättyp hingegen geschieht das über die Haut. Beim Soforttyp kommt es dann zu einer umgehenden, beim Spättyp zu einer verzögerten Reaktion des Immunsystems. Diese Immunabwehr wird durch Antikörper ausgelöst, die beim Erstkontakt gegen das jeweilige Allergen gebildet wurden. Zu den Symptomen einer Latex-Allergie gehören je nach Ausprägung Hautrötungen, Urtikaria, Atemnot und Lippenschwellungen bis hin zu einem anaphylaktischen Schock, der lebensbedrohlich sein kann.

Verschiedene Auslöser

 

Die Latex-Allergie kann durch unterschiedliche Substanzen verursacht werden. Laut den wissenschaftlichen Beratern des Allergieinformationsdienstes wurden bereits 15 Allergene im Latex identifiziert. Dazu gehören z. B. Proteine, die in dem milchigen Saft enthalten sind, der aus dem Kautschuk-Baum (Hevea brasiliensis) gewonnen wird. Dieser wird dann mittels Vulkanisation zu elastischem Gummi verarbeitet. Bei diesem chemischen Prozess werden Hilfsstoffe wie Thiurame als Beschleuniger eingesetzt, die ebenfalls Hautreaktionen hervorrufen können. Allergiker sollten daher auf latex- bzw. thiuramfreie Alternativen zurückgreifen.
Erhältlich sind Schutzhandschuhe aus Vinyl und Nitril. Vinyl gilt allerdings als mechanisch nur wenig beständig, zudem enthalten Handschuhe aus diesem Kunststoff Weichmacher, die als potenziell gesundheitsschädlich eingestuft werden. Verbreitet sind hingegen dünne Einmalhandschuhe aus dem Synthesekautschuk Nitril (NBR). Dieser ist elastisch, reißfest und bietet einen ähnlichen Tragekomfort wie Naturlatex. Zudem weist Nitril ein sehr gutes Tastempfinden auf und schützt die Haut vor Reinigungs- und Desinfektionsmitteln.
Wer bei der Wahl von Schutzhandschuhen auf „Nummer sicher“ gehen will, der kann sich an der Europäischen Norm DIN EN 455 orientieren, die für Einweghandschuhe im medizinischen Bereich maßgeblich ist. Sie schreibt die Dichte des Materials, seine Reißfestigkeit sowie die Haltbarkeitsdauer des Produkts vor und definiert die Grenzwerte für Chemikalien, Puderrückstände, Proteine und Endotoxine. Gekennzeichnet sind genormte Einweghandschuhe u. a. durch ein Piktogramm mit der Bezeichnung „EN 455“ auf der Verpackung.

Auch der Kunde kann Latex-Allergiker sein

 

Nicht nur Kosmetikerinnen, Fußpfleger oder Naildesigner können auf Naturlatex allergisch reagieren, auch Kunden sind von einer solchen Sensibilisierung mitunter betroffen. Je nach Grad ihrer Allergie können sie bereits wegen Latexpartikeln in der Raumluft unter Atemproblemen leiden oder nach einem Kontakt mit Einweghandschuhen mit Rötungen bzw. Quaddeln auf der Haut reagieren. Deswegen empfiehlt es sich vor einer Behandlung abzuklären, ob der Kunde womöglich unter einer Latex-Allergie leidet. Darüber hinaus sollte der Behandler die Schutzhandschuhe nach jedem Kunden wechseln. Wenn das nicht möglich ist, sollte unbedingt eine sorgfältige Desinfektion der behandschuhten Hände erfolgen.

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