Frau Neusser, Sie haben selbst bei Gloria mitgemacht und in diesem Jahr den Award in der Kategorie „Lebenswerk“ gewonnen. Ihr Tipp: Mit welcher Einstellung sollte man an die Bewerbung herangehen?
Man muss wirklich Feuer fangen, das ist der für mich wichtigste Aspekt. Man muss brennen. Sonst wird man nicht den nötigen Esprit mitbringen, es bis zum Ende schaffen zu können. Der Funke muss irgendwo überspringen. In meinem Fall war das zufällig mein Geburtstag. Da hatte mich meine Lieferfirma dazu eingeladen, beim Gloria-Award 2016 dabei zu sein. Vor Ort habe ich gemerkt, was es mit einem macht, wenn man bei der Gala-Veranstaltung in der ersten Reihe sitzt, hoch auf die Bühne guckt und den anderen zujubelt. Ja, das ist für mich die Grundvoraussetzung: dass man für das brennt, was das Herz berührt.

Das reicht aber noch nicht für eine überzeugende Bewerbungsmappe, oder?
Der zweite Schritt ist, dass man sich dann hinsetzt und überlegt: Will ich das wirklich? Denn eine Bewerbung ist zweifellos mit Zeitaufwand verbunden. Das muss man vorher einplanen, das macht man nicht nebenbei in einer Stunde. In meinem Fall war es so, dass ich meine Geschichte aufschreiben wollte, damit sie mir erhalten bleibt. Das war mein größter Antreiber. Dass ich etwas fixiere, was später z. B. auch meine Kinder und Enkel lesen können und sagen: „Boah, war die Oma geil.“ Auf diese Weise habe ich die Geschichte recht zügig verfasst. Dabei habe ich auch schwierige Passagen meines Lebens nicht ausgespart. Mein Mann ist ja recht früh gestorben. Aber diese Momente, in denen ich – wie ich immer sage – unter dem Teppich gelaufen bin, gehörten genauso zu meiner Geschichte wie die Zeiten, in denen es einfach grandios und gut lief. Es war eine stetige Weiterentwicklung, das habe ich beim Schreiben gemerkt. Ich bin mit diesem Schreiben immer mehr zurückgekommen in meine eigene Geschichte, zu meinem Ursprung und ins Reflektieren: Was hat mein Leben bislang ausgemacht? Das war ja nicht nur das Kosmetikerinnen-Sein, sondern da war ja auch ich in der Rolle als Mutter, als Partnerin oder als Freizeitgestalterin.

Der schöne Effekt einer Gloria-Teilnahme kann also auch sein, dass man sich bereits im ersten Schritt bewusst macht, was man alles leistet. Das allein darf einen schon stolz machen.
Eigentlich wollte ich gerne die Zukunft noch ein bisschen besser machen, die Gegenwart genießen und stolz in die Vergangenheit zurückschauen. Das war eigentlich der Antreiber, warum ich mich um Gloria beworben habe. Ich lebe schon im Hier und Jetzt. Das lebe ich auch sehr bewusst in jedem Moment meines Lebens. Und trotzdem ist mir ganz klar, dass ohne das Gestern das Morgen nicht stattfinden kann. Soll heißen: Wenn ich nicht bei der Gloria 2016 den anderen applaudiert hätte, wäre mir nicht bewusst gewesen, dass ich das auch möchte.

Wir bekommen in jedem Jahr viele aufwendig gestaltete Mappen. Leider erreichen uns auch immer wieder sehr unpersönliche Einsendungen, die nicht über den ausgefüllten Bewerbungsbogen hinausgehen. Haben Sie Tipps für die Kollegen?
Ich würde immer wieder die Brille des anderen aufsetzen. Das mache ich oft. Und in dem Fall meiner Bewerbung habe ich mir die Brille der Jury angezogen. Das, was die Mitglieder zum Lesen bekommen, sollte sie schier vom Hocker fetzen. Das musste so sein, dass die Jury wirklich Lust auf meine Geschichte hatte – dass sie Spaß hatte, meine Unterlagen zu lesen. Ich habe mich immer wieder hinterfragt: Packt das mein Gegenüber? Ich habe meinen Text meinem Team vorgelesen; dabei hat meine älteste Mitarbeiterin angefangen zu weinen. Da wusste ich, ja es packt. Ich würde diese Bewerbung auch einmal einem Menschen meines Vertrauens zeigen und schauen, wie er reagiert. Es war mir wichtig, dass meine Bewerbung den Leser abholt und auch bewegt.

Bei Gloria 2018 werden Sie als Mitglied der Jury bei der Sitzung dabei sein. Worauf werden Sie besonders achten?
Ich persönlich achte sehr darauf, wie etwas abgegeben wird. Da hätte ich also schon einmal mein erstes Kriterium: Alles muss sauber und ordentlich sein und in einem schönen Rahmen präsentiert werden. Ein ästhetisches Aussehen ist sicher ein wichtiger erster Eindruck. Das ist genauso wie bei einem Menschen. Wenn ich den sehe, schaue ich auch: Wie sieht er denn aus? Auf Gloria bezogen trennt sich für mich auf diese Weise die Spreu vom Weizen: Wer hat sich Mühe gegeben? Oder wer hat seine Bewerbung einfach nur zusammengeknallt: alles in einen Ordner gesteckt, Briefmarke drauf und tschüss? Wie Sie gesehen haben, hatte ich ja ein Fotobuch mit einer passenden Kartonage gewählt, weil ich nicht wollte, dass Sie etwas Vergleichbares 30-mal auf Ihrem Tisch finden. Ich habe mir gedacht, wenn das alles eine schöne Farbe hat – dem Logo angepasst und dem Image entsprechend, dann ist das doch schon einmal sehr ansprechend. Für mich ist der erste Eindruck immer der Türöffner für Weiteres.

Aber natürlich kommt es letztlich vor allem auch auf den Inhalt und das Konzept an. Was empfinden Sie mit Ihrer Berufserfahrung hier als wichtig?
Ein Unternehmen muss wirtschaftlich arbeiten. Es gibt leider ganz viele in unserer Branche, die nicht entsprechend aufgestellt sind. Die Wirtschaftlichkeit muss man also ganz vorne – an erster Stelle betrachten. Es geht darum, dass sich ein Unternehmen nicht nur gerade so eben trägt, sondern dass es auch darüber hinaus geht. Ich hatte ja den Schwerpunkt bei meiner Bewerbung auf die Mitarbeiter gelegt, weil ich junge Leute fördern möchte und mein Wissen jungen Menschen auch gerne als Mentor weitergeben mag. Besonderes Engagement für andere ist mir wichtig. Das können junge Menschen sein. Ich freue mich aber auch über Aktivitäten, die unseren Berufsstand noch mehr festigen und darzustellen helfen, was wir als Kosmetikerinnen alles tun: Wir sind ja nicht nur Cremeverteiler, sondern quasi auch Psychologen und persönliche Begleiter – also viel, viel mehr. Ich muss sehen können, dass das Gegenüber mir zeigt: Ich mache etwas ganz Besonderes. Es reicht mir nicht, wenn ein Bewerber sagt, ich trage die Creme schön auf. Ich muss einen gewissen Esprit spüren können, dieses Brennen ...