Aufräum-Wahn

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Chefredakteurin Silke Detlefsen sinniert über die fast schon allgemeinverpflichtende Tendenz zu einem „cleanen“ Leben.

Aufräum-Wahn

Marie Kondo Aufräum-Wahn
Die Kleidung falten, rollen und in eine Schublade "stellen": Nur einer von vielen Vorschlägen von Aufräum-Expertin Marie Kondo
Silke Detlefsen

Heutzutage werden „Aufräum-Queens“ gefeiert. Unter dem Motto „Ordnung macht happy“ durfte ich kürzlich in der Gala darüber lesen, dass Marie Kondo mit ihrem Aufräumkonzept einen weltweiten Trend ausgelöst habe. Sie hat zahlreiche Bücher geschrieben, gibt Seminare und erreicht mit ihrer Netflix-Serie nun noch mehr Menschen. Sie empfiehlt u. a., zuerst Kleidung, dann Bücher, Unterlagen, Kleinkram und Erinnerungsstücke zu entrümpeln. Shirts etwa solle man nach einem bestimmten System falten, rollen und dann hinstellen – für einen besseren Überblick im Schrank. „To kondo“ gelte im englischen Sprachbereich mittlerweile als Synonym für „aufräumen“.

Ist Ordnung wirklich das halbe Leben?

Ich klicke mich auf das Portal eines bekannten Online-Händlers. Das Angebot an Ratgebern zum Thema dort ist überwältigend: „Besser aufräumen – freier leben“, „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ oder „Das magische Aufräumbuch: Loslassen, Ordnung schaffen, durchatmen“ sind nur ein Bruchteil der Titel, die den Leser entsprechend auf Spur bringen wollen. Denn wie lautet ein japanisches Stichwort: „Die Unordnung im Haus entspricht der Unordnung im Herzen“? Da bin ich doch mal froh, dass ich nicht in mich hineinschauen kann! Ich glaube schon, dass eine gewisse äußere Klarheit innere Sortiertheit fördern kann. Aber ich behaupte ebenso: Wer nicht einigermaßen strukturiert im Kopf ist, der kann so lange Klamotten falten, wie er möchte. Ich bin skeptisch, ob daraus Fröhlichkeit erwächst. Aufräumfanatiker sind bei mir an der falschen Adresse.

Von | Fotos: Fotolia/anaumenko

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