Bewusstsein schaffen

In Rumänien haben sich jüngst Krankenschwestern, Ärzte und Bewegungstherapeuten organisiert, um die Bevölkerung für Diabetes und ihre Folgen zu sensibilisieren.

© Norina Gavan

Cluj-Napoca, zu Deutsch Klausenburg, befindet sich im Wes­ten der Region Siebenbürgen und ist nach Bukarest die zweitgrößte Stadt Rumäniens. Während das Zentrum von gotischen und barocken Museen und Kirchen geprägt ist, präsentiert sich Cluj-Napoca heute vor allem als junges Studentenzentrum mit zahlreichen Clubs und In-Treffs. Die Stadt befindet sich in vielerlei Hinsicht im Wandel. Auch aus der Perspektive der Fußpflegebranche werden in jüngster Zeit interessante und weitreichende Entwicklungen registriert, die Großes erwarten lassen.

Treibende Kraft

Norina Alinta Gavan beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit den Folgen von Diabetes. Besonderes Augenmerk legt sie dabei auf die Füße. Die promovierte Biochemikerin ist Mitglied in verschiedenen fachspezifischen Gremien, u. a. ist sie Gründungsmitglied und Generalsekretärin der „Society for Diabetic Neuropathy“. Darüber hinaus ist sie Gründungsmitglied und Vorsitzende der „Association for Podiatry“, die im März 2015 in Cluj-Napoca ins Leben gerufen wurde. „Derzeit hat die Vereinigung 72 Mitglieder, im Wesentlichen Krankenschwestern, Ärzte und Bewegungstherapeuten“, erläutert Gavan. Zu den Zielen der Organisation zählen die Förderung eines gesellschaftlichen Bewusstseins für das Thema Fußpflege in Rumänien, besonders unter Menschen mit Diabetes, sowie die Entwicklung eines akademischen Ausbildungssystems  für Podiatristen.

Werbung in eigener Sache

Seit Gründung der Organisation haben die Mitglieder bereits einige Projekte angestoßen. „Wir haben Fachartikel in medizinischen Zeitschriften sowie über die sozialen Medien veröffentlicht.“ Außerdem wurden Medizinstudenten an den Unis auf dem Gebiet der Podiatrie unterrichtet. „Bei jeder Gelegenheit bemühen wir uns darum, die rumänische Berufsbezeichnung ,podiatru’ publik zu machen, die in der rumänischen Sprache bisher nicht existiert hatte.“ Am 2. Mai 2017, dem „International Podiatrist Day“, organisierte die Vereinigung ein fachspezifisches Symposium, und im Juli dieses Jahr fand in Rumänien erstmals ein Podiatrie-Kongress statt mit Workshops und Fachvorträgen internationaler Dozenten. „Ich bin sehr zufrieden angesichts der großen Resonanz. Rund 450 Teilnehmer, darunter 178 Krankenschwestern, bildeten sich bei der Veranstaltung fort“, hebt die 51-Jährige hervor.
Besonders freut sich Norina Alinta Gavan über das erste in rumänische Sprache übersetzte Fachbuch „Book of pathology in biomechanics“ von Frank Bowling, das im vergangenen Jahr auf dem rumänischen Buchmarkt erschien.

Lehrplan für Podiatristen

Zuletzt erarbeitete ein Gremium aus Medizinern und Fußpflegespezialisten aus Großbritannien und Malta sowie Mitgliedern der rumänischen Podiatristenorganisation einen Ausbildungslehrplan. Im Oktober 2018 soll das akademische Ausbildungprogramm umgesetzt werden, hofft die Rumänin. Auf die Frage nach ihrer Motivation antwortet Norina Alinta Gavan: „In den vergangenen Jahren ist sowohl die Zahl an Diabetikern als auch an daraus resultierenden Nervenschädigungen und Amputationen rapide angestiegen. Von den rund 20 Millionen Rumänen sind etwa 2,3 Millionen Menschen von Diabetes bedingten Nervenschädigungen am Fuß betroffen. Daraus resultieren etwa 5 000 Amputationen im Jahr, die durch Prophylaxemaßnahmen vermieden werden könnten. Wir müssen die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren. Das ist unsere Mission.“ Dafür muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, davon ist Gavan überzeugt. Der Weg ist noch weit, doch die ersten Schritte sind getan.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in GUT zu FUSS 5/2017.