Der Prellbock in uns

Ein Leibwächter hat den Auftrag, jemanden zu beschützen. Doch unser innerer Bodyguard ist dabei manchmal etwas zu eifrig – weiß unsere Autorin Gaby Marquardt.

© Tyler Olson

Fast jeder Mensch sabotiert sich auf die eine oder andere Art und Weise selbst. Dabei handelt er z. B. gegen seine Überzeugung oder misst seinen Bedürfnissen und Wünschen keine Bedeutung bei. Dies zu erkennen ist der erste Schritt zur Veränderung. Doch wer oder was hält uns eigentlich immer davon ab, das zu tun oder zu erkennen, was wir wirklich wollen?
Dahinter steckt oft eine Art innere Instanz, der in erster Linie unsere Sicherheit und ein niedriges Stresslevel am Herzen liegt. Ist uns dieser Teil – nennen wir ihn mal „Bodyguard“ – eher unbekannt oder nicht angemessen trainiert, dann neigen wir dazu, uns selbst das Leben schwer zu machen. Dabei stellen wir uns mit aller Macht jeglichen Veränderungen entgegen, was natürlich „nur“ zur Gewährleistung unserer persönlichen Sicherheit geschieht.

Nicht konsequent genug

Vielleicht haben Sie ja schon einmal den Versuch unternommen, so richtig durchzustarten und endlich Ihre großen Ziele und Vorhaben umzusetzen. Und womöglich ist dieser misslungen und Sie sind nach kurzer Zeit wieder genau da angekommen, wo Sie angefangen haben.
Doch warum blieben Ihre Bemühungen erfolglos? Vermutlich sind Sie beim Verfolgen Ihrer neuen Ziele nicht „drangeblieben“ und haben deshalb alle positiven Veränderungen Schritt für Schritt wieder aufgegeben. Jetzt ärgern Sie sich darüber und machen sich womöglich sogar Selbstvorwürfe wegen mangelnder Disziplin oder Willenskraft. Doch ganz offensichtlich hat Ihnen Ihr innerer Bodyguard „dazwischengefunkt“.

Selbstblockade

Dieser Widerstand beruht zu einem großen Teil auf unseren Glaubenssätzen und unserer Selbsteinschätzung. Außerdem kann die Aussicht auf Erfolg auch durchaus beängstigend sein. Im Fall einer solchen Selbstblockade verknüpft unser Unterbewusstsein mehr negative als positive Konsequenzen mit dem bisher Erreichten. Und dadurch werden all unsere Erfolge unnötig abgewertet. Doch wir sehnen uns nach Glück, Erfolg, einer tollen Beziehung oder viel Geld, aber etwas tief in uns scheint da komplett anderer Meinung zu sein.
Genau dieser innere Bodyguard bewertet die Situation als bedrohlich und schaltet auf Alarm. Die Stressanfälligkeit steigt, Selbstzweifel und Ängste kommen auf.

Sich selbst verstehen

Wenn wir unser Potenzial nutzen, Ziele erreichen, etwas Neues lernen oder uns in eine bestimmte Richtung verändern möchten, dann ist es wichtig, dass wir uns selbst nicht im Weg stehen. Eine solche Blockade verhindert dauerhaft ein selbstbestimmtes Leben. Aus welchen Gründen tun wir es aber dennoch? Besonders unsere Prägung hält uns davon ab, unsere Ziele zu erreichen. Es sind häufig Glaubenssätze unserer Familie und somit das kollektive Erbe aus dem Denken vergangener Generationen. Nicht wenige Erwachsene sind heute noch stark von diesen Denkstrukturen geprägt. Doch die Welt verändert sich so rasant, dass wir mit dieser Ausstattung kaum mehr hinterherkommen.

Fähigkeiten nutzen

In früheren Zeiten war es eher üblich, das Potenzial des Einzelnen einzuschränken und ihn am Lernen und der individuellen Weiterentwicklung zu hindern. Gesellschaftliche Konventionen waren immens wichtig, die Menschen hatten in ein vorgegebenes Raster zu passen. Heute sieht das etwas anders aus. Die meisten Menschen lernen gerne dazu, wollen ihre Fähigkeiten nutzen, sich selbst verwirklichen und etwas aus ihrem Leben machen. Doch die uns prägenden Anschauungen sind immer noch vorhanden. Sie scheinen überholt zu sein und passen vermeintlich nicht mehr in die komplexe Welt von heute. Doch wie äußert sich dieses Empfinden? Nehmen wir an, Sie haben bereits einen Plan geschmiedet, der Sie zu einem selbstgesteckten Ziel führen soll. Und Sie sind tatsächlich auch schon dabei, die ersten Schritte zu tun.

Durch Zweifel ausgebremst

Doch dann überfällt Sie ganz plötzlich ein überwältigendes Bedürfnis nach Schlaf, Sie haben einen Blackout oder sehen sich mit weiteren Wünschen und anderen Bedürfnissen konfrontiert, die Ihnen jetzt viel wichtiger erscheinen. Kennen Sie eine solche Reaktion? Hier machen sich Ihre Zweifel und Ängste bemerkbar, die Sie letztlich ausbremsen. Mit viel Effizienz Durchsetzungskraft, Beharrlichkeit oder Willensstärke sind Tugenden, die ohne unseren inneren Bodyguard nicht bestehen können. Doch wir sollten unseren Bewacher unbedingt trainieren, damit er nicht auf jeden noch so kleinen Reiz anspringt und uns unnötigerweise blockiert. Wichtig ist es, das eigene Bewusstsein dafür zu schulen, wann wir uns selbst sabotieren oder ausbremsen. Achten Sie doch mal darauf, wenn Sie sich schlechter fühlen oder weniger Kraft haben, was Sie vorher gedacht haben oder just in diesem Moment denken.

Seien Sie stiller Beobachter

Wenn Sie das nächste Mal nicht ganz so konsequent an Ihrem Fortkommen arbeiten und sich mit aufkommenden Ängsten und Zweifeln konfrontiert sehen, dann stellen Sie sich Ihrem inneren Einflüsterer. Nehmen Sie die Rolle des stillen Beobachters ein und forschen Sie doch einmal genauer nach: Bin das wirklich ich? Oder beeinflussen mich alte Glaubenssätze und Prägungen? Immer wenn wir etwas tun, was uns und unsere Talente fordert, werden wir es auch mit Selbstzweifeln und Ängsten zu tun bekommen. Das ist völlig normal, man muss es nur wissen. Zerreißen Sie also weder Ihren Plan noch geben Sie Ihr Wunschziel auf. Gehen Sie stattdessen einfach Schritt für Schritt weiter auf das Ziel zu. Lernen Sie den Bodyguard in Ihrem Inneren zu akzeptieren und zu respektieren. Trainieren Sie ihn regelmäßig, damit er Sie nicht im Übermaß behütet. 

Den vollständigen Artikel lesen Sie in GUT zu FUSS 2/2017.