In der (Stress-)Falle!

Stress ist nicht gleich Stress. Grundsätzlich ist er sogar wichtig, denn er lässt uns u. a. mehr Abwehrkräfte produzieren.

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Wenn von Stress die Rede ist, denkt man automatisch an etwas Ungesundes, Schädliches und krank Machendes. Dabei ist Stress grundsätzlich für uns wichtig, man begegnet ihm sogar überall in der Natur. Pflanzen produzieren bei Stress (Wachstum, Nährstoffmangel, Schädlingsbefall) mehr Abwehrkräfte, Tiere jagen besser und schützen sich schneller, wenn sie einen gewissen Stress verspüren. Für die Katze z. B. ist das Mäusefangen nicht nur Hunger, es ist Sport, Erfolg und Belohnung.
Parallelen zu solchen Stresssituationen gibt es auch beim Menschen. Stress spornt ihn an, gibt ihm Ehrgeiz, sorgt für Freude an der Arbeit und am Weiterkommen – ob privat oder beruflich. Stress hält fit und gesund – aber nur, solange das normale Maß nicht überschritten wird.

Positiver Stress beflügelt

Der gesunde Stress wird auch als Eustress bezeichnet, den Begriff hat der Begründer der Stressforschung Hans Seyle definiert. Das griechische „Eu“ steht für gut und findet sich in Worten wie Euphorie oder Euphonie wieder. Eustress beflügelt, er entsteht aus Vorfreude und Spannung auf ein hoffnungsvolles Erlebnis, wie beispielsweise das erste Date, die Geburt eines Kindes, die Prüfung, das Vorstellungsgespräch, eine Wettkampfsituation. Der krank machende Stress dagegen heißt Disstress. „Dis“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet  „schlecht“ oder „unangenehm“. Die Vorsilbe kennen wir beispielsweise von Dissonanz, Disharmonie, Dissens, Disput oder Diskussion. Einerseits wird laut Sehle der „gute“ Stress durch angenehme Stressfaktoren hervorgerufen.

Belastung für Körper und Seele

Andererseits durchlaufen Eustress und Disstress verschiedene Stadien der physischen und psychischen Belastung. Eustress motiviert und sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt oder man unterfordert ist. Disstress übersteigt jedoch die Bewältigungsmöglichkeiten, wirkt nicht mehr fördernd, sondern hemmend auf die Motivation. Die Leistungsfähigkeit sinkt, Schlaflosigkeit, Erschöpfung und Magen-Darm-Probleme sind die häufigsten Symptome für körperliche und geistige Überbelastung. Ursächlich sind negative Stressoren (Termindruck, finanzielle Sorgen, Krankheit etc.) sowie die Ausschüttung von verschiedenen Hormonen und Neurotransmittern. Unter Stresshormonen versteht man biochemische Botenstoffe, die die Anpassungsreaktionen des Körpers bei besonderen Belastungen bewirken. Zu ihnen zählen die Katecholamine und die Glukokortikoide, die in der Nebennierenrinde gebildet werden.

"Burnout-Syndrom"

Die Funktion der Stresshormone ist im Grunde das Freisetzen von Energiereserven des Körpers, um ihn auf eine bevorstehende Flucht oder Abwehrreaktion vorzubereiten, die als Stress-Situationen eingestuft werden, aber noch unter den normalen, den Eustress fallen. Lassen Sie mal los! Auf Dauer kann es durch Mehr- und Zusatzbelastungen zur Erschöpfung bis hin zum „Burnout-Syndrom“ kommen. Schalten Sie rechtzeitig einen Gang zurück! Vielfach handelt es sich auch um „selbstgestrickten“ Stress. Man ist von Perfektionismus besessen, will es allen recht machen, reißt sich geradezu um jeden Vereinsposten sowie um Ehrenämter und ist gierig nach Lob und Anerkennung. Dieser Stress ist vermeidbar, zumindest lässt er sich reduzieren und in vernünftige Bahnen lenken.

Anzeichen von Stress

Bringen Sie Ordnung in Ihr Leben und in Ihren Terminkalender. Sorgen Sie dafür, dass nach Anspannung eine Entspannung folgt – das kann leichter Sport sein wie Nordic Walking, Gymnastik, Schwimmen, eine Umgestaltung der Wohnung, Basteln, Malen, Musizieren oder sich mit Kindern beschäftigen – vieles eignet sich, um dem Stress zu begegnen. Schlafen Sie genug. Wer regelmäßig „Nachtschicht“ einlegt und nicht ausschlafen kann, wird auf Dauer aggressiv und reizbar. Auch das ist ein Anzeichen von Stress. Achten Sie auf einen gesunden Schlaf mit dem richtigen Schlafklima und dem richtigen Bett (Lattenrost, Matratze, saugfähige Bettwäsche ohne Synthetikmaterial). Denn ein guter Schlaf ist unabdingbar für die Erholung.

Auf die innere Uhr achten

Auch mit der richtigen Ernährung kann man dem Stress begegnen. Bei Prüfungsangst, schlechter Laune und Depressionen soll z. B. Serotonin helfen. Es gilt als „Glückshormon“ und „Wohlfühlhormon“ und erfüllt viele Aufgaben im Körper. Serotonin wird im Gehirn aus der Aminosäure Tryptophan gebildet. Es beeinflusst den Schlaf-Wach-Rhythmus, den Appetit, die Körpertemperatur, das Schmerzempfinden und vor allem die Laune. Serotoninmangel kann ängstlich machen, unsicher, gestresst, zickig, schlecht gelaunt und sogar depressiv. Tryptophan kommt vor allem in Schokolade und Bananen vor. Eine gesunde Mischkost ist stets die beste Lösung gegen Nährstoffengpässe und Unausgewogenheit. Unser Körper funktioniert im 24-Stunden-Takt.

Schlafmangel mit Folgen

Wissenschaftler nennen ihn den zirkadianen Rhythmus. Wer zu wenig schläft, lebt gefährlich und stirbt nachweislich früher: Stressfaktoren, hoher Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Bewegungsmangel fördern dieses Risiko noch. Der Mensch besitzt eine innere Uhr, die in ihrer Gesamtheit ein System von Regulatoren darstellt. Gene, Enzyme, Hormone und Botenstoffe spielen darin eine wichtige Rolle für Prozesse in den Zellen, Vorgänge im Stoffwechsel sowie in bestimmten Verhaltensweisen. Beruhigend und erholsam für das Nervenkostüm wirken Tees aus Johanniskraut, Baldrian, Lavendel, Hopfen und Melisse. Auch naturreiner Frischpflanzen-Presssaft, beispielsweise aus Haferkraut, liefert wertvolle Antistress-Substanzen.    

Den vollständigen Artikel lesen Sie in GUT zu FUSS 2/2017.