Keine Nebensache

Möchte man bleibende Deformationen am Kinderfuß vermeiden, sollte das modische Aussehen der Schuhe beim Kauf nicht im Vordergrund stehen.

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Modische Ugg-Boots, süße Lackpumps und quietschbunte Crocs – schon für die Kleinsten der Kleinen ist das Angebot an Kinderschuhen nicht nur vielfältig, sondern auch „trendy“. Doch selbst wenn die Schuhe noch so niedlich aussehen, den Füßen von (Klein-)Kindern tun sie nicht immer gut! Passform und Material müssen u. a. stimmen, damit sich Füße gesund entwickeln können und sie uns auch im Erwachsenenalter noch problemlos durch das Leben tragen. Nahezu alle Neugeborenen kommen mit gesunden Füßen auf die Welt. Lediglich bei zwei Prozent von ihnen zeigen sich Missbildungen wie zusammengewachsene Zehen, ein Klump- oder Sichelfuß. Doch bereits im Kindergartenalter lassen sich häufig erste Fehlentwicklungen feststellen. An deren Ende steht dann nicht selten eine Zehendeformation oder eine bleibende Veränderung der Fußgewölbe.

Plattfüße und O-Beine

Zunächst allerdings sind Plattfüße, wie übrigens auch O-Beine, bei Kleinkindern durch die beengte Lage im Mutterbauch ganz normal. In den ersten drei Lebensjahren sorgt ein dickes plantares Fettpols­ter, das die Füße „platt“ erscheinen lässt, für den Schutz des zum Großteil noch knorpeligen und damit weichen, verformbaren Fußskeletts. Unbedenklich ist in dieser Zeit auch, dass die Großzehen jetzt meist noch nach innen abweichen. Ab dem zweiten Lebensjahr bis hin zum Alter von fünf Jahren sind außerdem Senkfüße normal ebenso die Entwicklung der O-Beine hin zu X-Beinen. Ursache hierfür ist die anfangs noch zu geringe Stützkraft von Muskeln und Bändern.

Wichtige Vorsorge

Mit dem sechsten Lebensjahr sollten dann Muskulatur und Bänder allerdings so gekräftigt sein, dass sich „Fehlstellungen“ normalisiert und die Längs- und Quergewölbe der Füße ausgeprägt haben. Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt bzw. der Besuch bei einem Orthopäden sind allerdings dennoch empfehlenswert. So lassen sich eventuelle Fuß- und Beinfehlstellungen frühzeitig erkennen und gegebenenfalls durch Bewegungsübungen bzw. Krankengymnastik behandeln. Lediglich bei sehr ausgeprägten Knick-Senkfüßen können zusätzlich zeitweise orthopädische Einlagen zum Einsatz kommen. Vorbeugend wirkt hier regelmäßige spielerische Fußgymnastik. Übungen für Babys und Kleinkinder finden sich u. a. im Internet unter www.elternwissen.com. Dafür in das Suchfeld die Stichworte „Fitness für die Füße“ eingeben. Erst im Alter zwischen zwölf und 13 Jahren haben bei Mädchen dann die Füße ihre endgültige Form und Stabilität erreicht. Bei Jungen dauert diese Entwicklung in der Regel zwei bis drei Jahre länger.

Was Kinderfüße brauchen

Neben dem passenden Schuhwerk sind ausreichende Bewegung und ein normales Körpergewicht wichtig, damit sich Kinderfüße gesund entwickeln können. Mit diesen drei Faktoren sieht es in der Realität allerdings häufig nicht so gut aus. Im Rahmen des Forschungsprojektes „Kinderfüße – Kinderschuhe“ zeigte sich, dass von den dabei untersuchten Kindergartenkindern nur 24 Prozent eine gerade Großzehe aufwiesen. Als Ursache hierfür wurden zu kurze Straßen- und Hausschuhe festgestellt. Sind die Schuhe von Kindern zu klein, werden deren Füße anhaltend gestaucht und können sich, um der Stauchung auszuweichen, dauerhaft beugen. Hierdurch senken sich die Mittelfußköpfe ab, was eine Abflachung des Quergewölbes und damit einen Spreizfuß zur Folge hat.

Unterentwickelte Motorik

Wird hingegen nur die Großzehe gestaucht, weicht diese dem Druck nach innen aus. Die Folge ist ein Hallux valgus. Um ausreichende Bewegung bei Kindern und Jugendlichen ist es im Zeitalter von PC, Internet und Fernsehen ebenfalls nicht gut bestellt. Unter der fehlenden Bewegung und damit Stimulation der Muskulatur leiden auch Knochen, Knorpel und Gelenke und in der Folge auch die Motorik. Untersuchungen zufolge können rund 25 Prozent der Kindergartenkinder z. B. weder auf einem Bein hüpfen noch rückwärtsgehen. Defizite in der Motorik wirken sich wiederum negativ auf die Entwicklung des Bewegungsapparates aus. Im wahrsten Sinne des Wortes erschwerend kommt hinzu, dass mangelnde Bewegung die Entstehung von Übergewicht fördert. Neben anderen gesundheitlichen Folgen belastet ein zu hohes Gewicht die Bänder und Muskulatur der Füße. Ist das Bindegewebe von Natur aus schwach, gibt das Fußskelett unter der Last nach. Die Längsgewölbe flachen ab, und es kommt zu einer X-Stellung der Ferse sowie des Unterschenkels. Ein solcher Plattfuß bildet sich vor allem dann aus, wenn bereits ein Knick-Senkfuß besteht, das heißt, eine Abflachung des Längsgewölbes, die mit einer nach innen wegknickenden Ferse einhergeht. Um die gesunde Entwicklung von Kinderfüßen zu fördern, gilt: Zeit lassen mit den ersten Schuhen! Denn kleine Füße entwickeln sich ohne Schuhwerk am besten.

Für stabile Fußgewölbe

Durch die ständige Anpassung der Füße an den Boden und an Unebenheiten werden die Muskeln trainiert. Eine optimal entwickelte Fußmuskulatur sorgt später für gut ausgebildete, stabile Fußgewölbe. Gegebenenfalls können weiche Lederschuhe oder Söckchen die Füße warm halten. Sogenannte Anti-Rutsch-Socken mit Gumminoppen sorgen dabei für Sicherheit. Wichtig ist auch: Kein frühzeitiges Stehen und Gehen des Babys erzwingen! Kann es sich von selbst hochziehen und ist es bereit dazu, sollte mit ersten Steh- und Gehversuchen begonnen werden. Läuft ein Kleinkind dann eigenständig und geht es nach draußen, sind feste Kinderschuhe angezeigt. Sie dienen jedoch nicht als Stütze, sondern zum Schutz vor Verletzung, Schmutz, Nässe und Kälte. Dennoch gilt für Kinder jeden Alters: So viel wie möglich barfuß laufen. Bei allen Kinderschuhen ist es unerlässlich, dass diese ausreichend Platz bieten und weder zu hart noch zu starr sind.

Füße prüfen

Bei kleinen und kleineren Kindern ist es besonders wichtig, die Passgenauigkeit der Schuhe regelmäßig zu überprüfen und auch die Füße auf Rötungen, Druckstellen oder gar Blasen hin zu kontrollieren. Denn Kleinkinder können weder zeigen noch sagen, „wo der Schuh drückt“, da ihr Nervensystem noch nicht so funktioniert wie bei Erwachsenen. Mit rund zehn Jahren ist die Reizleitung vollständig entwickelt. Dann erst sind Kinder in der Lage zu spüren, ob ihnen ihre Schuhe Schmerzen bereiten. Da Kinderfüße schnell wachsen, sollten Eltern von Ein- bis Dreijährigen die Passform der Schuhe alle sechs bis acht Wochen überprüfen. Bei Drei- bis Sechsjährigen empfiehlt sich dies alle vier bis sechs Monate, bei Kindern von sechs bis zehn Jahren alle fünf Monate. Wichtig auch: Damit die Füße von Kindern optimal abrollen können, sollten die Schuhe mindestens zwölf Millimeter länger sein als die längste Zehe. Zeigt sich nur noch ein Abstand von wenigen Millimetern, ist es Zeit neue Schuhe zu kaufen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in GUT zu FUSS 3/2017.