Unter Verdacht

Mykosen der Fußhaut und -nägel sind weit verbreitet – und ansteckend. Umso wichtiger, dass möglichst schnell konsequent behandelt wird.

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Welche Symptome lassen vermuten, dass es sich um eine Pilzinfektion handelt? Eine Fußpilzerkrankung, fachsprachlich Tinea pedis, kann sich folgendermaßen zeigen: mit einer Rötung und Juckreiz im Zehenzwischenraum eng aneinander liegender Zehen. Typisch für eine solche Interdigitalmykose können zudem auch eine Schuppenbildung und/oder eine aufgequollene, weißlich verdickte (mazerierte) Haut sein, die unter Umständen schmerzhaft brennt. Wichtig: Selbst bei starkem Juckreiz sollte der Betroffene keinesfalls kratzen. Denn durch die dabei entstehenden Läsionen der Haut kann sich die Mykose tiefer in das Gewebe ausbreiten.

Bakterielle Besiedelung

Zudem besteht hier das Risiko einer zusätzlichen bakteriellen Besiedelung. Und nicht zuletzt kann sich der Patient nach dem Kratzen über seine Finger weiter mit Pilzen infizieren. Bei der Befunderhebung ist außerdem daran zu denken, dass Juckreiz und Brennen bei einem chronischen Pilzbefall sowie bei Menschen mit (diabetischer) Polyneuropathie möglicherweise fehlen.
Ein gesunder Nagel zeigt eine farblose Nagelplatte, durch die das gut durchblutete Nagelbett rosa hindurchschimmert. Lediglich der Nagelmond (Lunula) erscheint sichelförmig in einer helleren Farbe, sofern er nicht von Nagelhaut über­deckt ist. Kommt es zu einer Onycho­mykose, die häufig zunächst an der Großzehe auftritt, sind folgende Veränderungen der Nagelplatte typisch:               

  • Glanz und Transparenz nehmen ab.
  • Es zeigen sich weiß-gelbliche oder gelb-bräunliche Flecken bzw. Streifen.
  • Im fortgeschrittenen Stadium kann die gesamte Nagelplatte verfärbt sein.
  • Rauigkeit und/oder Rillenbildung                
  • Splitterungen und/oder Brüchigkeit                
  • bröckelige Nagelsubstanz                
  • teilweise oder später vollständige Onycholyse (Ablösung der Nagelplatte vom Nagelbett)                
  • Formveränderungen und/oder Wachstumsstörungen.                
  • Auch das den Nagel umgebende Gewebe kann durch die Infektion schmerzhaft entzündet sein. Typisch sind auch die Eintrittsstellen, von wo aus der Erreger den Nagel infiziert, und dessen Ausbreitung. Entsprechend werden Nagelmykose-Formen unterschieden:
  • Am häufigsten dringt der Pilz vom Hyponychium sowie dem umgebenden Gewebe in die Unterseite der Nagelplatte ein. Von dort aus wandert er entgegen der Wachstumsrichtung hin zum Nagelbett sowie zur Nagelmatrix. Diesen Fall bezeichnet man als „Distolaterale subunguale Onychomykose“ (DLSO). In der Folge entwickelt sich eine Hyperkeratose unter der Nagelplatte, die sich dadurch gelblich verfärbt und angehoben wird. Da die Pilze das Keratin enzymatisch auflösen, können sich gasgefüllte Hohlräume bilden, die als streifig-flächige Weißfärbungen durch die Nagelplatte hindurchscheinen. Eine weißliche Sprenkelung, die die gesamte Oberfläche der Nagelplatte betreffen kann, ohne dass deren Struktur verändert ist, deutet darauf hin, dass sich das Pilzwachstum auf die Nageloberfläche beschränkt. Dies wird als „Superfizielle weiße Onychomykose“ (SWO) bezeichnet. Zeigt sich ein ausgeprägtes Fehlwachstum des Nagels (Dystrophie), ist er farblich komplett verändert, besteht eine massive subunguale Hyperkeratose oder ist die Nagelplatte gar zerstört, dann kann es sich um das „Endstadium“ einer  massiven Pilzinfektion handeln: die  „Totale dystrophische Onychomykose“ (TDO). Eine chronische Entzündung des Nagelwalles kann auf eine Infektion mit Hefe (Candida)-Pilzen hinweisen, vor allem wenn die Nagelplatte eine unregelmäßige Struktur aufweist und sich auf Höhe der Entzündung Querrillen gebildet haben. Ursache ist eine infektionsbedingte Schädigung der Nagelmatrix.                
  • mangelnde Hygiene
  • kleinere Verletzungen anhaltender Druck auf das Gewebe – sei es durch zu enges Schuhwerk oder durch eine Fehlstellung von Fuß oder Zehen
  • aufgeweichte Haut durch ein feucht-warmes Klima in den Schuhen und Strümpfen oder durch Schweißfüße
  • eine verminderte Durchblutung der Füße, beispielsweise im Fall einer lymphatischen Abflussstörung oder bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) sowie einer Diabetes-bedingten Gefäßveränderung (diabetische Mik­ro- und Makroangiopathie). So ist das Mykose-Risiko für Diabetiker um rund 40 Prozent höher als bei stoffwechselgesunden Menschen. 

    Von Haut zu Nagel

    In vielen Fällen geht einer Onychomykose auch eine Infektion der Fußhaut voraus. Die Fußnägel sind jedoch insbesondere dann pilzgefährdet, wenn:                
  • die Nagelplatte durch anhaltende Feuchtigkeit aufgeweicht ist,  
  • sie sich splittrig, brüchig oder verletzt zeigt. Ist etwa das Nagelhäutchen (Kutikula) durch eine unsachgemäße Pediküre verletzt bzw. sind die Nägel zu kurz geschnitten, können die Pilze über den (minimalen) Hautdefekt bzw. am Übergang vom freien Nagelrand zum Nagelbett (Hyponychium) eindringen.                
  • anhaltender Druck auf die Fußnägel durch zu enges oder festes Schuhwerk einwirkt,                
  • altersbedingte Nagelveränderungen vorliegen, z. B. ein stark verlangsamtes Wachstum der Nägel. Wenn der Verdacht auf eine Hautmykose besteht, die Symptomatik aber nicht extrem stark ausgeprägt ist und es sich nicht um einen Risikopatienten wie einen Diabetiker oder Menschen mit pAVK handelt, kann die Behandlung mit einer antimykotischen Salbe erfolgen. Tritt jedoch trotz konsequenter, lokaler Anwendung nicht innerhalb weniger Tage eine Besserung ein, sollte der Patient einen Dermatologen aufsuchen. Im Fall verdächtiger Nagelveränderungen ist eine Abklärung durch den Dermatologen erst recht anzuraten. Denn eine Onychomykose ist nicht nur langwieriger in der Behandlung, sie kann den Nagel zudem vollständig zerstören und auf andere Nägel übergreifen. Hinzu kommt, dass der Arzt entsprechend des Erregernachweises entscheidet, ob ein Schmalspektrum- oder Breitspektrum-Antimykotikum zum Einsatz kommen muss. Denn auch wenn ein Fuß- bzw. Nagelpilz meist durch Fadenpilze (Dermatophyten) hervorgerufen wird, so ist gleichzeitig eine Besiedelung mit Hefe- und (seltener) Schimmelpilzen möglich. Darüber hinaus wird im Fall einer schweren (Onycho-)Mykose unter Umständen die Einnahme eines verschreibungspflichtigen Antimykotikums erforderlich.

    Juristischer Aspekt

    Nicht zuletzt sind Sie auch rechtlich auf der sicheren Seite, wenn Sie Ihrem Kunden einen Arztbesuch anraten und dies in Ihren Patientenunterlagen dokumentieren. Das gilt insbesondere dann, wenn es sich um einen Risikopatienten handelt. Denn bei dieser Klientel kann jede Infektion schwere Folgeschäden nach sich ziehen

Den vollständigen Artikel lesen Sie in GUT zu FUSS 1/2017.