Sehnsucht nach Normalität

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Sehnsucht nach Normalität

Die Kosmetikschulen im ganzen Land leiden unter den Folgen der Pandemie-Krise.

Kirsten Gastrop-Dideban, langjährige Leiterin der Kosmetikakademie Karlsruhe, schildert im Interview, wie Schülerinnen und Lehrer an ihrer Schule mit der Situation umgehen.

Frage: Seit über einem Jahr hat uns die Corona-Pandemie im Griff. Wie waren die vergangenen Monate für Sie und Ihr Kollegium, und natürlich auch für die Schüler? Was hat sich verändert durch Corona?
Gastrop-Dideban: Es ist für uns alle eine sehr herausfordernde und schwierige Situation. Die vergangenen Monate waren gekennzeichnet durch nervenaufreibende Planungen, erschwerte Kommunikation intern mit den Schülerinnen und Lehrkräften sowie extern mit Kunden und Kosmetikfirmen. Die Politik der unklaren Lockdown-Strategie belastete den schulischen Ablauf. Durch den Lockdown war praktisches Üben nicht möglich, was jedoch den Kern unserer Ausbildung ausmacht.

Frage: Wie wurden Ihre Schülerinnen während des Lockdowns unterrichtet?
Gastrop-Dideban: Online-Theorieunterrichtseinheiten wurden in den vergangenen Wochen vorgezogen. Praxisunterricht fand keiner statt. Sogar die Ferienzeiten wurden geändert, um den Abschluss zur staatlich anerkannten Kosmetikfachkraft weiterhin zu gewährleisten.

Frage: Mit welchen Herausforderungen wurden die Beteiligten dabei konfrontiert (z. B. technische Ausstattung)?
Gastrop-Dideban: Die Herausforderungen für die Schülerinnen war enorm, teilweise fehlte es an der technischen Ausstattung wie z. B. an ordentlichen Laptops, stabilen Internetverbindungen und Druckern. Vor allem für die Schülerinnen mit Familie, die auf dem zweiten Bildungsweg eine Ausbildung zur Fachkosmetikerin absolvieren, war ein störungsfreies Mitverfolgen des Onlineunterrichts nur schwer möglich, da ihre Kinder ebenfalls zu Hause waren und via Home-Schooling unterrichtet wurden.

Frage: Welche Bereiche ließen sich online gut unterrichten, welche mussten auf später verschoben werden?
Gastrop-Dideban: Alle praktischen Übungen wie z. B. Behandlungsabläufe, Akne-Behandlungen oder Spezial-Behandlungen konnten überhaupt nicht durchgeführt werden. Da kann die digitale Technik noch so gut sein, das Üben am Menschen ist das A und O der Ausbildung und kann durch keinen virtuellen Unterricht ersetzt werden. Es handelt sich hier um einen „Handwerks“-Beruf. Die Qualität der Ausbildung hat trotzdem nicht gelitten und wird regulär absolviert, sofern wir können.

Frage: Wie sieht es 2021 mit Abschlussprüfungen aus? Können diese planmäßig stattfinden oder müssen sie verschoben werden?
Gastrop-Dideban: Die Bemühungen der Kosmetikschule müssen dahin gehen, dass die Schülerinnen einen regulären Abschluss erhalten und nicht benachteiligt werden durch die Corona-Pandemie. Wir gehen davon aus, dass keine Prüfung verschoben werden muss, sofern dies das Infektionsgeschehen zulässt.

Frage: Wie würden Sie die Stimmung unter Lehrern und Schülerinnen beschreiben?
Gastrop-Dideban: Die allgemeine Situation ist für die Lehrkräfte als auch die Schülerinnen sehr bedrückend und verunsichert ebenso alle unsere Firmenpartner und Kunden. Auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt beunruhigt sowohl die Schülerinnen als auch die Kunden.

Frage: Gehen Sie davon aus, dass der Schulbetrieb in absehbarer Zeit wieder zur Normalität zurückkehren wird oder hat sich durch Corona etwas verändert, das auch danach beibehalten wird, weil es sich bewährt hat? Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Gastrop-Dideban: Wir hoffen, dass wir baldmöglichst zur Normalität zurückkehren können. Da sich für alle Beteiligten das Konzept des Präsenzunterrichts bewährt hat, wird und muss dies so weitergeführt werden, hier werden keine Kompromisse gemacht. Online-Unterricht ist eine schöne Ergänzung, kann aber in keinster Weise den Praxisunterricht und die Arbeit am Menschen ersetzen. Die Rekrutierung von neuen Auszubildenden ist extrem erschwert, da Berufsmessen ausfallen und Präsenztermine kaum möglich sind. Online-Formate können das nicht ersetzen und auch nicht die Atmosphäre unserer Schule darstellen.

Frage: Können Sie den vergangenen Monaten etwas Positives abgewinnen?
Gastrop-Dideban: Die vergangenen Monate waren sehr schwierig. Durch den unermüdlichen Einsatz der Lehrkräfte ist es uns aber gelungen, den Online-Unterricht in vollem Umfang abzuhalten. Wir hoffen, dass sich die Pandemie-Lage beruhigen wird und wir unsere Ausbildungen bald wieder regulär abhalten können.

Von | Fotos: Kirsten Gastrop-Dideban

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