Multiresistente Keime

GUT zu FUSS |

Multiresistente Keime

Antibiotika gehören zu den größten Errungenschaften in der Medizin. Doch immer mehr Bakterien sind resistent gegen die Medikamente. Gibt es einen Ausweg?

Noch in den 1960er-Jahren ahnte wohl niemand, dass Bakterien jeden falschen Antibiotika-Einsatz als Entwicklungschance nutzen. Sie können ihren Stoffwechsel bestens an neue Lebenssituationen anpassen bzw. sich vor der für sie giftigen Wirkung von Antibiotika schützen. Das gelingt ihnen durch die Veränderung von Genen (Mutation) oder die Aufnahme von Genen weiterer Bakterien derselben oder einer anderen Art. Das heißt wissenschaftlich: horizontaler Gentransfer.
Vor allem, weil Antibiotika in der Humanmedizin leichtfertig verwendet und in der Veterinärmedizin großflächig eingesetzt werden – oft werden die Mittel in der Massentierhaltung schon prophylaktisch unters Futter gemischt – haben sich antibiotikaresistente Keime immer weiter verbreitet. Experten sprechen schon vom Ende des Antibiotika-Zeitalters und dem Beginn der Post-Antibiotika-Ära. Heute stehen Ärzte einigen Infektionen bereits machtlos gegenüber, deren Behandlung vor wenigen Jahren noch kein Problem darstellte.

Ein zu laxer Umgang

Sogar in den Fällen, in denen Antibiotika tatsächlich notwendig sind, wird manchmal der Resistenz zugearbeitet – durch eine mangelnde Therapietreue. Laut einer  DAK-Befragung beenden elf Prozent der Patienten die Antibiotika-Einnahme vorzeitig oder verringern die Dosis auf eigene Faust, weil sie sich wieder fit fühlen. Damit tut man den überlebenden Bakterien einen Gefallen: Sie können Resistenzen ausbilden und sich auch erneut vermehren. Das kann sich dadurch zeigen, dass es zu einem Rückfall kommt, der eine weitere Antibiotika-Therapie erfordert.
Eine ähnliche Schwachstelle im Umgang mit Antibiotika ist es, dass nicht eingenommene Präparate in der Hausapotheke aufbewahrt werden und man sie sich zu einem späteren Zeitpunkt bei ähnlichen Beschwerden selbst verordnet. Genauso ungünstig: die Versorgung von Verwandten und Freunden mit derlei Medikamenten. Antibiotika können ihren Sinn nur dann erfüllen, wenn die ärztliche Verordnung – also Dosierung, Einnahmezeitpunkte (damit die Wirkstoffkonzentration im Blut aufrechterhalten wird) und Dauer der Therapie – konsequent befolgt wird.

Infektion mit resistenten Keimen

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) stieg der Anteil der Erreger, die gegen alle Breitspektrum-Antibiotika unempfindlich sind, in den letzten fünf Jahren um 50 bis 200 Prozent. Infektionen mit resistenten Keimen verlaufen langwieriger und komplizierter. Schlimmstenfalls sind die Patienten nicht zu retten. In der wachsenden Antibiotikaresistenz von Bakterien sieht die WHO deshalb eine der größten Bedrohungen weltweit für die Gesundheit. Keime, mit denen ein funktionierendes Immunsystem leicht fertig wird, können für ein geschwächtes Abwehrsystem gefährlich werden. Selbst in Deutschland muss man dabei zusehen, wie jährlich rund 10 000 bis 15 000 Menschen an sogenannten nosokomialen Infektionen („Krankenhausinfektionen“) sterben. Die Betroffenen sind oft durch Alter, OPs oder chronische Krankheiten geschwächt und haben sich mit multiresistenten Bakterien infiziert, die gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent sind.

Verschärfte Situation

Multiresistente Erreger entstehen nicht in Krankenhäusern. Dort verschärft sich das Problem nur, weil hier viele kranke Menschen auf engem Raum versorgt werden. Multiresistente Keime werden häufig in ein Krankenhaus eingeschleppt und können dort von Mensch zu Mensch übertragen werden. So bringt etwa jeder dritte Fernreisende ESBL-bildende (Extended-Spectrum-Beta-Lactamase) Bakterien mit. Diese sind resistent gegen Penicilline, Cephalosporine jeder Generation und einige andere Antibiotika. Wird in einer Klinik die Händedesinfektion nach einer Maßnahme an einem Patienten, der Träger von multiresistenten Keimen ist, etwa nicht lückenlos durchgeführt – was bei der Überlastung des Klinikpersonals durchaus vorkommen kann, landen die gefährlichen Keime womöglich beim nächsten Patienten. Oder wenn durch Katheter oder Infusionsnadeln normalerweise harmlose, auf der Haut lebende resistente Bakterien ins Blut, in die Lunge oder andere Organe gelangen, können sie dort lebensgefährliche Infektionen verursachen. 

Problemkeime in der Fußpflege

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Bakterien (MRSA) sind keine Haupt-Problemkeime in der medizinischen Fußpflege bzw. der podologischen Praxis. Auch ein „normaler“ Staphylococcus aureus kann schwere Infektionen verursachen, die unbedingt zu vermeiden sind. Aus der Gruppe der multiresistenten Erreger ist MRSA in der podologischen Praxis aber sicher am problematischsten, da er Wundinfektionen verursachen kann. Besonders gefährdet sind infektionsanfällige Patienten. Für gesunde Menschen mit einer stabilen Immunabwehr und ohne offene Wunden ist der MRSA weniger von Bedeutung. Doch sie können Überträger sein. In den Rahmenhygieneplänen findet man die wichtigsten Hygienemaßnahmen, einschließlich des Personalschutzes. Hat man einen Patienten mit einem multiresistenten Keim behandelt, sind entsprechende Vorkehrungen zu treffen, damit man den Erreger nicht auf den nächsten Patienten überträgt. 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in GUT zu FUSS 6/2016.

Von | Fotos: Fotolia/jarun011

Ebenfalls für Sie interessant

Hitzestress für die Füße
GUT zu FUSS 01.07.2020
Reflexzonenmassage am Fuss
GUT zu FUSS 30.09.2019
Violette Vielseitigkeit
GUT zu FUSS 11.09.2019
Spiral-Prinzip
GUT zu FUSS 11.02.2019

Unsere Fachmagazine

KOSMETIK international - Fachzeitschrift über Kosmetik und Beauty für Kosmetik-Profis

KOSMETIK international

KOSMETIK international vereint redaktionelle Qualität mit dem Look eines Lifestyle-Magazins. Das Fachmagazin erscheint monatlich und informiert über Trends, Treatments, Styling, Hand- und Fußpflege sowie Wellness, Medical Beauty und Marketing – immer nah dran an Ihrer Realität. Neben Ihrem Business stehen auch Sie als Mensch im Fokus.

KOSMETIK international Suisse - Fachzeitschrift Kosmetik-Profis aus der Schweiz

KOSMETIK international Suisse

zeigt 6-mal im Jahr, was die Schweizer Branche der professionellen Kosmetik bewegt. Von Anti-Aging bis Zahnbleaching, von Augenbrauenstyling bis Zehennagelkorrektur. Außerdem in jeder Ausgabe: Aktuelles aus den Fachbereichen ästhetisch-plastische Chirurgie, Dermatologie und Medizin.