Weg mit alten Zöpfen

GUT zu FUSS |

Weg mit alten Zöpfen

Entscheidungen zu treffen, ist oft nicht leicht. Besonders dann nicht, wenn es um einschneidende Veränderungen geht. Nichts zu tun ist jedoch auch keine Lösung.

Quasi von Geburt an müssen wir Entscheidungen treffen. Wir müssen schreien, damit wir gefüttert und uns die nassen Windeln gewechselt werden. Unsere Reaktion darauf geschieht reflexartig. Diese Entscheidungen treffen wir natürlich nicht bewusst – wir schreien instinktiv.
Später im Leben gibt es tagtäglich viele kleinere und größere Entscheidungen zu treffen. Bei der Wahl der Kleidung und Schuhe oder bei der Nahrung tun wir uns nicht allzu schwer. Komplexer und dadurch komplizierter wird es, wenn wir spüren, dass unser eingeschlagener Lebensweg nicht mehr zu uns zu passen scheint. Vielleicht wollen wir auch endlich ein paar unserer Träume verwirklichen – die Lebenszeit ist nicht unendlich. Was uns also antreibt, sind unsere Wünsche. Manche sind einfach da – konkret und fassbar wie der Wunsch nach einer neuen Frisur. Die Erfüllung dieser Art von Wünschen fällt uns meist relativ leicht.
Schwerer wird es, wenn ein Wunsch sich erst langsam in uns zu regen beginnt, sodass wir ihn noch nicht recht erfassen können. Bei großen Wünschen und Träumen dauert die Bewusst-Werdung oft sehr lange. Wir spüren ein fast körperliches Unbehagen. Etwas stimmt nicht (mehr), aber wir wissen noch nicht, was das sein könnte.

Aufbruchstimmung?

Im Laufe des Lebens werden manche Wünsche immer klarer und greifbarer. Sobald wir sie mit einem Begriff benennen können, wird es Zeit, sich zu fragen, ob und wie wir uns diese Wünsche erfüllen wollen. Für einige Menschen ist diese Phase wie ein gespannter Bogen und sie schnellen als Pfeil davon: Jetzt mach‘ ich es! Für andere Menschen beginnt mit dieser Phase eine Zeit des Grübelns, der Aufbruchstimmung, der Mutlosigkeit, des wilden Aktionismus oder des Verzweifelns.
Machen wir uns nichts vor: Vor nichts hat der Mensch so viel Angst wie vor (vielleicht sogar einschneidenden) Veränderungen. Sie wirken bedrohlich, weil niemand weiß, wie sie sich auf unser Leben auswirken werden.
Sie hatten Ihre Praxis beispielsweise als medizinische Fußpflegepraxis geplant und umgesetzt. Nun bemerken Sie plötzlich, dass Ihr Kundenstamm sich zusätzliche Angebote wünscht, z. B. fernöstliche Massagen oder Haarentfernung mittels Sugaring. Diese Behandlungstechniken müssten Sie erst einmal erlernen, was mit einer nicht geringen Investition von Zeit und Kapital verbunden ist. Sie brauchen vielleicht eine neue Massageliege und Kabinen-Produkte, die ebenfalls nicht billig sein werden. Und niemand kann Ihnen garantieren, dass sich diese Investitionen auch lohnen werden. Die Stammkunden lassen aber nicht locker und fragen immer wieder nach. Diese Art von Wünschen, die von außen an uns herangetragen werden, nennt die Wissenschaft extrinsische Wünsche.

Aufs Bauchgefühl hören

Jetzt steht eine Entscheidung an: zu expandieren oder den Status quo beizubehalten. Einfach wird Ihnen eine solche Entscheidung sicher nicht fallen. Sie werden vielleicht eine Pro- und Contra-Liste erstellen, eine gute Freundin um ihre Meinung bitten oder nächtelang Kosten und Nutzen gegenrechnen. Wenn alle diese Listen und Rechnungen abgearbeitet sind, entsteht auf dem Papier ein Szenario, das Ihnen die Entscheidung erleichtern soll. Nur – geht das einfach so? Sollen Sie … oder sollen Sie nicht? An diesem Punkt spätestens sollten wir uns an unser Schreien als Baby erinnern. Wir haben instinktiv auf uns aufmerksam gemacht. Diesen Instinkt haben wir im Laufe des Lebens nicht verloren. Er wurde häufig nur zugeschüttet von rationalen Erwägungen, Normen und Glaubenssätzen. Wenn wir unseren Instinkt davon befreien, wird er zu einem guten Ratgeber. Man nennt ihn auch das Bauchgefühl.
Und wenn das Bauchgefühl uns rät, etwas Neues zu wagen, dann sollten wir Vertrauen haben und darauf hören. Wer zufrieden ist, lebt sicher ruhiger und friedlicher. Aber es besteht die Gefahr, etwas Großes und Lohnendes zu verpassen. Jede Veränderung ist natürlich auch mit Risiken verbunden. Wir können scheitern, Geld in den Sand setzen oder unser Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit verlieren.

Vergangenheit loslassen

Beim Thema Risiko wird uns schnell mulmig. Wir denken an Gefahren oder an Negatives, das uns zustoßen könnte. Aber wir vergessen oft, dass in einer Veränderung auch eine große Chance liegen kann. Wenn Sie sich – um beim obigen Beispiel zu bleiben – nun tatsächlich ausbilden lassen, Investitionen tätigen und mit großem Enthusiasmus Ihre neuen Angebote „leben“, können Neukunden, die Sie nicht erobert hätten, wenn Sie bei Ihrem „alten“ Angebot geblieben wären, zu Ihnen finden. Dafür lohnt sich ein solches Wagnis allemal. Als selbstständige Unternehmerinnen leben wir ohnehin täglich mit Risiken. Wir könnten krank werden, unser Kundenstamm könnte schwinden, die Konkurrenz könnte uns übertreffen – damit müssen wir rechnen und diese Risiken haben wir beim Sprung in die Selbstständigkeit einkalkuliert.

Etwas Mut gehört dazu

Warum also bei der Erweiterung des Angebotes zögern? Das größte Risiko ist nicht der Sprung ins kalte Wasser – es ist die spätere Reue, nicht gesprungen zu sein! Im umgekehrten Fall kann die Entscheidung für oder gegen etwas allerdings viel schwieriger werden. Wenn Sie z. B. spüren, dass Ihre Fußpflege- oder Ihre Podologiepraxis nicht mehr zu Ihnen passen könnte. Jahre haben Sie darauf verwendet, die Praxis zu dem zu machen, was sie jetzt ist. Jahre, die Ihnen, auch persönlich, viel gegeben haben mögen, die Sie in Ihrer Entwicklung weiter gebracht haben. Und plötzlich ist da ein undefinierbares Gefühl, dass das alles nun nicht mehr stimmig sein könnte. Wenn Sie die Entscheidung gegen Ihre Praxis und für eine neue Richtung getroffen haben, heißt es wirklich: Alte Zöpfe müssen abgeschnitten werden.
Wenn Sie neu starten wollen, müssen Sie die Vergangenheit loslassen. Das ist kein einfacher Prozess. Ihre Kunden werden Ihre Entscheidung vielleicht nicht verstehen und Sie umstimmen wollen. Vielleicht ist auch Ihre Familie nicht restlos von Ihren Plänen überzeugt. Rechnen Sie auf jeden Fall mit einer emotional heftigen Übergangsphase. Ihre getroffene Entscheidung sollten Sie aber nicht zurücknehmen, wenn sich in Ihrem Inneren alles stimmig anfühlt. Im Nachhinein werden Sie feststellen, dass Sie in solch herausfordernden Zeiten über sich hinauswachsen können – und werden.

Steigen Sie ab!

Die Dakota-Indianer haben einen sehr treffenden Spruch für solche Situationen: „Wenn du bemerkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig‘ ab!“ Wir alle sollten uns nicht durch negative Glaubenssätze wie „Für diesen Schritt bin ich doch viel zu alt!“, „Das kann ich ja doch nicht!“ oder „Das habe ich doch schon immer so gemacht!“ von interessanten neuen Wegen (oder auch Umwegen) fernhalten lassen! Egal wie die Pferde, sprich Lebens­umstände, heißen mögen – steigen Sie von toten Pferden ab und wenden Sie sich mit Ihrer ganzen Energie den lebendigen zu!

Von | Fotos: Fotolia/InterStilist

Ebenfalls für Sie interessant

Violette Vielseitigkeit
GUT zu FUSS 25.02.2019
Spiral-Prinzip
GUT zu FUSS 11.02.2019
Flexibel bleiben
GUT zu FUSS 28.01.2019
Konflikte besser lösen
GUT zu FUSS 18.01.2019

Unsere Fachmagazine

KOSMETIK international - Fachzeitschrift über Kosmetik und Beauty für Kosmetik-Profis

KOSMETIK international

KOSMETIK international informiert monatlich über den Bereich der angewandten Kosmetik (inkl. Aus- und Weiterbildung), Hand- und Nagelpflege sowie Naildesign, Fußpflege, Permanent Make-up, Wellness und Visagismus. Auch Bereiche wie Marketing und Verkauf kommen nicht zu kurz. 

HAND & NAILS - Fachzeitschrift über Hand- und Nagelpflege sowie Naildesign

HAND & NAILS

ist die renommierte Fachzeitschrift für den Nagelprofi. Zehn Ausgaben im Jahr informieren umfassend über alle Bereiche der Hand- und Nagelpflege sowie über Naildesign. Auch angrenzende Bereiche wie Beauty, Fußpflege, Wellness und Gesundheit werden behandelt. 

KOSMETIK international Suisse - Fachzeitschrift Kosmetik-Profis aus der Schweiz

KOSMETIK international Suisse

zeigt 6-mal im Jahr, was die Schweizer Branche der professionellen Kosmetik bewegt. Von Anti-Aging bis Zahnbleaching, von Augenbrauenstyling bis Zehennagelkorrektur. Außerdem in jeder Ausgabe: Aktuelles aus den Fachbereichen ästhetisch-plastische Chirurgie, Dermatologie und Medizin. 

GUT zu FUSS - Fachzeitschrift für Fußpfleger und Podologen über medizinische sowie kosmetische Fußpflege

GUT zu FUSS

Alle zwei Monate beschäftigt sich die GUT zu FUSS mit den Gebieten medizinische sowie kosmetische Fußpflege. Die Themen reichen von wellness-bezogenen Anwendungen über Möglichkeiten der Prävention bis hin zur akuten Behandlung von Problemen.