Alles Garantie?

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Reparatur Defekt

Um die Begriffe „Garantie“ und „Gewährleistung“ ranken sich viele Rechtsirrtümer. Auch die Abgrenzung zwischen Verbraucher- und Unternehmerrechten ist oft unklar. Hier gibt‘s Profitipps!

Es ist für Sie als Unternehmerin immens wichtig zu wissen, wer wann gegenüber dem Händler oder Hersteller einen Anspruch auf Reparatur oder Neubeschaffung hat. Garantie und Gewährleistung zu verstehen, ist von ganz praktischer Bedeutung. Denn gerade im Bereich der apparativen Beauty-Behandlungen kann es immer mal vorkommen, dass ein Gerät plötzlich streikt, Einzelteile kaputt gehen oder dass das technische Hilfsmittel nicht so arbeitet, wie es soll. Behandlungsgeräte und Inventar sind teuer. Ausfälle führen zu Umsatzeinbußen. Ein Gerät, das während der Behandlung streikt, trübt die an sich einwandfreie Dienstleistung und im schlimmsten Falle das Wohlfühlmoment des Kunden. Das hat wiederum Einfluss auf die Zufriedenheit mit Ihrem Angebot.

Umgangssprachlich wird bei einer kaputten Sache oft gefragt, ob sie noch „Garantie“ hat. „Das haben wir erst seit einem Jahr, da ist noch Garantie drauf!“, lautet ein gängiger Ausspruch, nachdem ein Defekt festgestellt wurde. Dabei bestehen zwischen Garantie und Gewährleistung große Unterschiede und auch die einzuhaltenden Fristen zur Geltendmachung des Mangels können stark variieren.

Gesetzlich definiert

Die Gewährleistung ist vom Gesetzgeber vorgegeben. Grundsätzlich sind Verkäufer verpflichtet, dem Käufer die Sache frei von Mängeln zu übergeben. Ist die Kaufsache doch nicht einwandfrei, kann sich der Käufer auf die Gewährleistungsansprüche aus

§§ 433 ff. BGB berufen. Das Gesetz beschreibt hier sehr gut, wann eine Kaufsache überhaupt „mangelhaft“ ist, aber natürlich kommt es immer auf den Einzelfall an, in welcher Form der Mangel vorliegt.

Ist die Sache mangelhaft, greifen die Rechte des Käufers auf

  • Nacherfüllung,
  • Schadenersatz,
  • Rücktritt und
  • Minderung.

Liegt ein Mangel vor, so kann der Käufer nach seiner Wahl zunächst entscheiden, ob er die kaputte Sache reparieren lassen will oder ob er die Auslieferung einer neuen verlangt. Aber Achtung: Dies gilt so uneingeschränkt nur bei einem Verbrauchsgüterkauf. Das bedeutet, der Käufer hat die Sache als Verbraucher gekauft und es bestehen keine Berührungspunkte zu einer gewerblichen oder selbstständigen, beruflichen Tätigkeit. Geht Ihnen also Ihre LED-Lampe oder ihr neu erstandener Fräser kaputt, haben Sie diese Arbeits­utensilien in Ihrer Eigenschaft als Unternehmer, also zur gewerblichen Nutzung gekauft. Im B2B-Verkehr gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Einschränkung der Gewährleistungsrechte, doch dazu später mehr.

Reparatur oder Neuware

Grundsätzlich gilt es, dass der Verbraucher das Wahlrecht zwischen Nacherfüllung und Neulieferung hat – und zwar dann, wenn sich innerhalb von sechs Monaten seit Übergabe der Sache ein Mangel zeigt. Es wird zugunsten des Verbrauchers vermutet, dass solch ein Mangel schon bei der Übergabe vorlag, das Produkt also von Anfang an mangelhaft war. Sind die sechs Monate verstrichen, kann der Verbraucher den Mangel trotzdem noch geltend machen. Hierfür hat er insgesamt zwei Jahre ab Übergabe der Sache Zeit.

Umgekehrte Beweislast

Sind die sechs Monate verstrichen, so muss der Käufer darlegen, dass der Mangel schon bei Übergabe vorlag, die Sache also nicht erst nach Übergabe, durch Nutzung, also „durch den Käufer selbst“ kaputt gegangen ist. Nach den sechs Monaten wechselt die sogenannte Beweislast vom Unternehmer auf den Verbraucher. Achtung: Beim Kauf gebrauchter Ware kann die Gewährleistungsfrist auch gegenüber Verbrauchern vertraglich auf bis zu ein Jahr verkürzt werden!

Die Garantie dagegen ist ein freiwilliges Versprechen. Sie ist eine zusätzlich zur gesetzlichen Gewährleistungspflicht ausgesprochene, freiwillige und frei gestaltbare Dienstleistung, meist eines Herstellers gegenüber dem Kunden. Sie hat nichts mit der Gewährleistung zu tun und wird auch als „Haltbarkeits- oder Funktionsversprechen“ bezeichnet. Sie kann inhaltlich stark variieren und dient im Wettbewerb dazu, den Kunden mit zusätzlichen Versprechungen von der Ware zu überzeugen. Garantien sind also auch Marketingmittel, die insbesondere im US-Markt sehr weit verbreitet sind. Sie kennen vielleicht Aussagen wie: „Nicht zufrieden? Geld zurück, trotz Verbrauch“ oder „Zufriedenheitsgarantie – 100 Tage testen. 100 Prozent Geld zurück, wenn Sie nicht zufrieden sind.“

Die individuell ausgesprochene Garantie kann die gesetzlich vorgeschriebenen Gewährleistungsrechte nicht umgehen, aushöhlen oder verkürzen. Die Garantie ist „on top“ zu verstehen – und selbstverständlich ist kein Hersteller gezwungen, eine Garantie auszusprechen. Wenn ein Händler oder Hersteller keine Garantie ausgesprochen hat, haben Sie auch keinen Anspruch darauf. Schauen Sie dann lieber, ob die gesetzlichen Gewährleistungsrechte greifen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in HAND & NAILS 11+12/2018.

Von | Fotos: Fotolia/22091967

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