Ab ins Körbchen

Ab ins Körbchen

Er ist ein Leistungsträger, der im Verborgenen arbeitet: der Büstenhalter. Durch ihn soll die Brust gestützt, geformt und geschützt werden. Doch dafür muss der BH richtig passen – weiß unsere Expertin Jenny Trettin.

Frage: Sie haben sich mit Ihrem Unternehmen (www.doppel-d.eu) auf große Oberweiten spezialisiert. Was war hierfür Ihre Motivation?
Antwort: Meine eigene Erfahrung. Ich selbst bin ganz schmal, habe aber eine große Oberweite. Darunter habe ich sehr gelitten und mich selbst immer nur auf meine Brüste reduziert. Zudem war ich Leistungssportlerin und musste immer da­rauf achten, dass meine Brüste einen vernünftigen Halt hatten.

Wie gehen Sie bei der Beratung in Ihrem Fachgeschäft vor?
Wichtig ist es, der Kundin einfach zuzuhören, um zu erfahren, was sie eigentlich möchte. Ich mache sozusagen eine Bestandsaufnahme und dabei habe ich eine ganze Menge psychologische Arbeit zu leisten, weil die Frau sich mit ihrem Selbstbild auseinandersetzen muss.

Hier ist die Frage aller Fragen beim BH-Kauf: Wie ermittelt man die richtige Größe?
Wir messen tatsächlich nur eine Sache und das ist die Unterbrustweite. Diese Zahl muss jede Frau kennen. Die Brust wird dabei – wenn nötig – angehoben und dann wird an der unteren Ansatzstelle der Umfang gemessen. Wenn sich dabei z. B. eine Unterbrustweite von 87 Zentimetern ergibt, dann ist die Frau keine „90“, sondern eine „85“. Dieser Wert ist gesetzt und die Kundin sollte sich auf keinen Fall einen BH mit 90 Zentimetern oder größer „andrehen“ lassen. Die Unterbrustweite wählt man stets etwas kleiner, denn nur dann sitzt der BH richtig.

Wie geht es nach der Messung der Unterbrustweite weiter?
Jetzt kommt es auf den Schnitt des BH an. Ich muss den BH mit dem Körbchen finden, den die Brust vorgibt. Deshalb betrachte ich die Kundin ganz genau. Hat sie z. B. schmale Schultern, dann braucht sie einen BH, dessen Träger ganz in der Mitte sitzen, denn sonst rutschen sie weg. Als nächstes schaue ich mir den Brustansatz an – vorne wie seitlich.

Und der dürfte bei jeder Frau anders sein?
Richtig, bei jeder Frau ist der Ansatz anders. Bei mir beginnt er zwei Zentimeter unter dem Schlüsselbein, es gibt aber auch Frauen, deren Brust z. B. darüber ansetzt. Wenn ich das analysiert habe, schaue ich, welche Bügellänge die Brust umschließt, ohne dass der Bügel auf ihr aufliegt. Und schließlich habe ich noch den Mittelsteg zwischen den beiden Cups im Blick. Er muss zwischen den Brüsten direkt an den Körper ran, d. h. unterhalb des Brustansatzes an das Brustbein. Der Steg darf nicht auf der Brust aufliegen oder abstehen. Wenn das der Fall ist, dann bleibe ich bei der ermittelten Größe und hole mir stattdessen Büstenhalter mit einem anderen Schnitt, der einfach mehr Raum nach vorne gibt. Und plötzlich sitzt der BH.

Sie messen nicht die Oberbrustweite?
Nein, denn die Schwierigkeit dabei ist folgende: Meine Kundin trägt z. B. einen BH, der falsch sitzt. Dann befindet sich der breiteste/höchste Punkt der Brust durchaus mal weiter oben oder unten. Und ohne BH kann es dann noch ganz anders aussehen, wenn etwa das Brustgewebe schon deutlich abgesackt ist und die Brustwarze kurz über dem Bauchnabel sitzt. Folglich komme ich bei jeder Messung auf einen ganz anderen Wert.

Dann ist die Messung der Oberbrustweite so gesehen nicht praktikabel, oder?
Ja. Der Buchstabe für die Körbchengröße ergibt sich vereinfacht gesagt aus der Differenz zwischen Brustumfang und Unterbrustweite. Die Theorie besagt zwar, dass man so die richtige BH-Größe ermittelt, aber in der Praxis sieht das einfach ganz anders aus.

Hinzu kommt, dass die Größen seitens der Hersteller nicht vereinheitlicht sind. Erschwert das nicht eher eine schematisierte Ermittlung der richtigen BH-Größe?
Genau. Jede Marke hat einen anderen Schnitt und andere Bügel. Und deshalb muss ich auch individuell herausfinden, welcher Cup meiner Kundin passt.

Wie ist es mit den Trägern? Funktionieren schmale Träger eigentlich nur bei kleinen Brüsten und braucht man für große Brüste prinzipiell breite Träger?
Die meisten Frauen sind sich nicht darüber bewusst, dass der Halt vom Unterbrustband kommt. Man kann sagen, dass dieses etwa 80 Prozent der Tragkraft übernimmt, die Träger hingegen nur 20 Prozent. Ist das Unterbrustband zu weit, dann hat die Brust keinen Halt, rutscht nach vorne und das Unterbrustband am Rücken nach oben. Da hat die Frau dann zuviel Last auf der Schulter und wenn die Träger dann zu schmal sind, schneiden sie ein.

Kann das nicht auch zu gesundheitlichen Problemen führen?
Allerdings. Im Bereich der Träger verlaufen Nervenbahnen, die durch das Einschneiden beeinträchtigt werden können. Es kommt dann schon mal vor, dass Frauen ein Kribbeln im Arm verspüren und denken, sie hätten Herzprobleme. Dabei ist der schlecht sitzende BH der Übeltäter.

Ist es für Frauen mit kleinen Brüsten leichter, einen passenden BH zu finden?
Das würde ich so nicht sagen. Man muss bei jeder Frau die individuelle Brustform und die körperlichen Voraussetzungen betrachten. Hat die Frau eine sogenannte kleine Breitbrust, dann kann sie wirklich Probleme haben, ein passendes Körbchen zu finden. Diese Brust ist zwar klein, verteilt sich aber mitunter bis auf den Rücken. Ein Bügel-BH macht da in der Regel keinen Sinn, in einem BH ohne Bügel wird die Brust zumeist besser umschlossen und gestützt.

Von | Fotos: Shutterstock/Roman Stetsyk

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