Attraktiv trotz Hitze

Attraktiv trotz Hitze

Luftige und schöne Berufskleidung? Das wünschen sich auch Kosmetikerinnen im Spa und Institut. Die Hamburger Modedesignerin Sarah Laube spricht über Jeggins, Kasacks und Co.

Frage: Bei sommerlichen Außentemperaturen kommen Kosmetikerinnen im Rahmen ihrer Behandlungen zusätzlich ins Schwitzen. Die Berufskleidung sollte in diesem Zusammenhang verschiedene Kriterien erfüllen. Worauf ist zu achten?
Laube: Ob Tanktop, Kasack oder T-Shirt – die Kosmetikerin schwitzt in jedem Fall, egal welche Kleidung sie trägt. Man kann durch die sorgfältige Wahl des Materials aber dafür sorgen, dass sie sich so wohl wie möglich fühlt. Je nach Arbeitsfeld sind dabei unterschiedliche Rahmenbedingungen zu beachten. Grundsätzlich würde ich unterscheiden zwischen einer Tätigkeit in einem Kosmetikinstitut und im Spa-Bereich. Im Spa herrschen hohe Raumtemperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Reine Baumwolle hört sich gut an. Jedoch zieht sie zu viel Feuchtigkeit an und kommt schnell an ihre Grenzen. Deshalb würde ich hier ein pflegeleichtes Polyester-Baumwolle-Gemisch empfehlen. Ich persönlich bevorzuge 65 Prozent Polyester, 30 Prozent Baumwolle mit fünf Prozent Elasthan für eine gute Passform.

Frage: Was sollte man bei der Neuanschaffung von Berufskleidung noch beachten?
Laube: Auf der Kleidung landen Schweiß und Rückstände von Pflegeprodukten wie Massageöle und Make-up. Wir benötigen hier Kleidung, die man gut waschen kann, die aber auch eine gewisse Stabilität aufweist. Hier würde ich zu einem Kasack raten. T-Shirt-Ware oder Polohemden verlieren, bedingt durch den Jerseystoff, durch häufiges Waschen schneller an Form und Farbe als das Gewebe eines Kasacks.

Frage: Wenn ich es richtig verstehe, wären Kasacks im Spa somit Ihre persönliche Wahl?
Laube: Als Spa-Managerin hat man ein bestimmtes Budget für die Berufskleidung seiner Angestellten. Auf dieser Grundlage muss man folgende Überlegung anstellen: Bestelle ich nun T-Shirts, die bei starker Beanspruchung und häufiger Wäsche bei hohen Temperaturen nur wenige Monate halten, oder investiere ich in Kittel? Natürlich werden die meisten Mitarbeiter sich T-Shirts wünschen, weil ihnen Kasacks bei der ersten Anprobe zu steif, zu fest und zu warm erscheinen.

Frage: Gesetzt den Fall, dass sich der Spa-Manager dennoch für Kasacks entscheidet ...
Laube: Dann rate ich, lieber etwas mehr Geld in guten Stoff zu investieren, auf dem man Schweißflecken nicht so schnell sieht. Ich empfehle ein Baumwolle-Polyester-Gemisch. Eine Alternative wäre Tencel, eine aus Cellulose-Rohstoffen industriell hergestellte Faser, hautfreundlich und weich, mit hoher Atmungsaktivität und einem leicht kühlen Tragegefühl. Diese Faser transportiert mit am meisten Schweiß weg von der Hautoberfläche nach außen. Entsprechend der individuellen Kleidungsvorlieben der einzelnen Kollegin hat man die Wahl zwischen verschiedenen Modellen, die zwar unterschiedlich im Schnitt sind, aber dennoch eine gewisse Einheitlichkeit vermitteln. Bei den Oberteilen haben sich z. B. Modelle bewährt, die den Korpus bedecken und an den Armen luftig weit geschnitten sind. In einem solchen Modell hat die Kosmetikerin ausreichend Bewegungsfreiheit, während durch den großzügigen Armausschnitt genug Luft an die Haut kommt. Im Team gibt es vielleicht auch ältere oder füllige Kolleginnen, die ihre Oberarme lieber bedecken möchten. Diesen Damen kann man anbieten, unter dem Kasack ein T-Shirt zu tragen. Der Vorgesetzte hat die schwierige Aufgabe, für alle Angestellten Bekleidung zu wählen, die wirtschaftlich sinnvoll ist, in der sich die Angestellten gleichzeitig aber auch wohlfühlen.

Frage: Und wenn die Wahl auf T-Shirts fällt?
Laube: Grundsätzlich lässt sich die Qualität eines T-Shirt nicht mit der eines Kasacks vergleichen, da man T-Shirts nur bis 40 Grad Celsius waschen sollte. Luftige und atmungsaktive Hängerchen aus T-Shirt-Stoff sind in diesem Bereich eine attraktive Idee. Sie sind im Vergleich zum Kasack preisgünstiger, ergeben aber mit einem tollen Gürtel einen modernen und gepflegten Look. Meistens gibt es kein Kleidungsmodell, in dem sich alle wohlfühlen. Dafür sind die Vorlieben und Proportionen zu unterschiedlich. Meiner Meinung nach spricht aber nichts dagegen, verschiedene Varianten zu kombinieren. Wichtig ist nur, dass man als Kunde erkennt, dass die Modelle zusammen eine Einheit bilden.

Frage: Wie ist die Situation im Kosmetikinstitut?
Laube: Hier liegen die Rahmenbedingungen etwas anders. Die Luftfeuchtigkeit und die Raumtemperatur sind geringer. Dennoch ist das individuelle Schwitzverhalten auch hier ein Thema. Erfahrungsgemäß wählen Kosmetikerinnen im Institut nach wie vor gern weiße Kasacks. Sie sehen ordentlich aus und erinnern an das klinisch saubere Ärzte-Image, das vielen Kosmetikerinnen wichtig ist. Ein weißes T-Shirt würde hier nicht ins Bild passen. Ich empfehle daher einen Kasack aus einem Baumwolle-Polyester-Gemisch oder aus Tencel. Viele Naturkosmetikerinnen wünschen sich auch Oberteile aus zertifizierter, reiner Baumwolle. Dieses Gewebe muss allerdings gebügelt werden.

Frage: Welche Art Unterwäsche würden Sie an heißen Tagen unter der Berufskleidung empfehlen?
Laube: Hier tendiere ich zur atmungsaktiven und schnell trocknenden Mikrofaser. Grundsätzlich würde ich auch immer ein Unterhemd unter der Berufskleidung tragen, egal, ob das nun ein T-Shirt oder ein Kasack ist. Ein schweißnasses Oberteil fühlt sich auf der Haut unangenehm an. Das Unterhemd kann den Schweiß aufnehmen, und wenn es feucht ist, kann man es einfach wechseln.

Frage: Was empfehlen Sie bei der Wahl der Arbeitshosen?
Laube: Früher waren Hosen aus einem Baumwolle-Polyester-Gemisch üblich, die wie Jeans aussahen. Diese sind meiner Meinung nach mittlerweile überholt. Heute geht der Trend klar in Richtung Jerseyware. Viele Kosmetikerinnen im Spa wie auch im Kosmetikinstitut tragen Jeggins aus Jersey. Diese haben den Vorteil, dass sie sich jeder Bewegung anpassen. Sie sehen ordentlich aus und fühlen sich auch bei sommerlichen Temperaturen gut an. Wenn die Jeggins unten etwas weiter geschnitten sind, wird die Haut auf diesem Weg zusätzlich angenehm belüftet. Eine noch luftigere Alternative an heißen Tagen sind knöchelfreie Jeggins, mit denen man einen Kasack aus festerem Material gar nicht mehr als so warm empfindet. In Kombination mit einem Kleidchen oder einem Kasack sind Jeggins sowohl für Frauen mit besonders weiblichen Proportionen als auch für schlanke Frauen geeignet.

Frage: Haben Sie abschließend noch einen Tipp, wie man Schweißflecken auf Arbeitskleidung am effektivsten zu Leibe rückt?
Laube: Ich bin ein großer Fan von Fleckenvorbehandlungen. Wenn ich entsprechende Flecken habe, trage ich ein Fleckenmittel auf, lasse es etwas einwirken und ab damit in die Waschmaschine. Bei hartnäckigen, muffigen Gerüchen in Textilien helfe ich mir mit einem antibakteriellen Hygienespray.

Zur Person: Sarah Laube ist als Modedesignerin in Hamburg tätig. Nach einem Modedesignstudium in der Hansestadt arbeitete sie mit Haute-Couture-Designern in London und Paris zusammen. Dann richtete sie sich neu aus und stellte fortan den Menschen in den Mittelpunkt ihres Interesses. 2006 gründete sie ihr Unternehmen pure Berufsbekleidung. „Es ist wichtig, dass sich Kosmetikerinnen in ihrer Kleidung wohlfühlen, denn nur so können sie das Wohlbefinden auch an ihre Kunden weitergeben.“

Weitere Artikel zum Thema Schwitzen lesen Sie in KOSMETIK international Ausgabe 7/2019.

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