Bauen mit System

Kosmetikinstitut mit Online-Shop

Es gibt Kosmetikfirmen, die ein fertiges Online-Shop-Konzept für den Warenverkauf anbieten. Doch welche Möglichkeiten hat eine Kosmetikerin, wenn sie unabhängig davon ein solches Portal betreiben möchte? Wir haben Robert Brandl, den Gründer eines Vergleichsportals für Homepage- und Online-Shop-Anbieter, dazu befragt.

Frage: Herr Brandl, warum haben Sie sich entschieden, ein Vergleichsportal für Homepage- und Online-Shop-Baukästen zu betreiben?
Brandl: Vor fast zehn Jahren wollte ich für mich selbst eine Website erstellen, was aber mit den damals verfügbaren Mitteln gar nicht so einfach war. Nach einiger Recherche bin ich aber auf die ersten Homepage-Baukästen gestoßen und war gleich Feuer und Flamme. Denn damit war es sogar für mich kinderleicht eine Homepage aufzubauen! Dieses Wissen habe ich dann auf einer Internetseite gesammelt, woraus letztendlich WebsiteToolTester.com entstand.

Frage: Braucht ein Unternehmer heutzutage Programmierkenntnisse und einen eigenen Server, um einen Online-Shop einrichten zu können?
Brandl: Nicht wirklich. Solange man keine komplexen Dinge umsetzen möchte, ist ein Baukastensystem normalerweise ausreichend. Die Standardlösungen sind inzwischen sehr umfänglich. Wer einen eigenen Shop programmiert oder programmieren lässt, der sollte schon sehr genau wissen, was er tut.

Frage: Wird der User bei der Erstellung seines Online-Shops systematisch angeleitet?
Brandl: Ja und nein. Es gibt zwar durchaus einen Einrichtungsprozess, allerdings deckt dieser nicht alle Eventualitäten ab. Jimdo löst das Thema der Erstellung äußerst gut, indem man hier direkt z. B. seinen Google- und Instagram-Account einbindet, wodurch sich Jimdo direkt Bilder für die Website ziehen kann. Die meisten Anbieter bieten auch eine gewisse Hilfestellung für rechtliche Dinge wie dem Impressum oder die Datenschutzhinweise. Das sollte man allerdings auch immer noch einmal von einem Experten prüfen lassen.

Frage: Gut geplant ist halb gebaut: Ist eine gute Vorbereitung wichtig, bevor man sich für eine bestimmte Online-Shop-Lösung entscheidet?
Brandl: Auf jeden Fall. Zum einen muss man sich Gedanken machen, wie der Online-Shop in den (vielleicht schon) bestehenden Internetauftritt passt. Am einfachsten ist es dann natürlich den Online-Shop der bereits bestehenden Website zu aktivieren, sofern verfügbar. Für WordPress-basierte Websites wäre das z. B. das WooCommerce-Plugin. Zum anderen muss man sich überlegen, wie man die Besucher auf seine Seite bekommt. Wer bereits viele Zugriffe auf seiner Website hat – sei es durch Suchmaschinen oder Social Media, der wird es um einiges leichter haben als eine Kosmetikerin, die im Netz noch gar nicht vertreten ist.

Frage: Kleine und mittlere Unternehmen haben in der Regel ein geringeres Budget für Investitionen. Sind die Kosten für Baukasten-Systeme vergleichsweise überschaubar?
Brandl: Für einen ganz einfachen Shop wie Jimdo oder Wix.com liegt man bei 15 bis 20 Euro im Monat (inklusive Domain). Für Shopify, WooCommerce oder Strato sollte man eher mit 30 bis 100 Euro im Monat planen. Bei den komplexeren Systemen steht dann natürlich auch die Frage im Raum, ob man die Erstellung und Einrichtung durch einen Experten durchführen lässt, wodurch nochmals Kosten von mehreren tausend Euro entstehen.

Frage: Wie verhält es sich mit kostenlosen Angeboten? Hier dürften Funktionsumfang und Support doch sicher limitiert sein, oder?
Brandl: Wer eine geschäftliche Website oder einen Online-Shop betreiben möchte, der sollte von kostenlosen Diensten eher Abstand nehmen. Denn dort platziert der Anbieter Werbung und es ist auch nicht möglich eine eigene Domain zu nutzen. Ein wenig anders ist es mit Open Source-Lösungen wie WordPress und WooCommerce. Diese sind grundsätzlich kostenlos, allerdings anders als bei Diensten wie Jimdo, Wix.com oder Shopify ist hier weder Hosting noch Support enthalten. Und das verursacht eben weitere Kosten.

Frage: Die meisten Anbieter von Online-Shop-Baukästen bieten eine Testversion an. Macht es Ihrer Ansicht nach Sinn, vor der Entscheidung verschiedene Anbieter einfach mal auszuprobieren?
Brandl: Auf jeden Fall. Durch den kostenlosen Test merkt man sehr schnell, ob einem der Website-Editor und die verfügbaren Designs gefallen oder ob man besser noch weitersucht.

Frage: Rücken wir doch unsere Zielgruppe in den Fokus: Welche Vorgehensweise empfehlen Sie einer Kosmetikerin, die neben ihrem Ins­titut noch einen eigenen Online-Shop aufbauen will, um z. B. Produkte oder Gutscheine im Internet zu verkaufen?
Brandl: Wie schon erwähnt: Ich halte es für sinnvoll, dass sie erst einmal versucht, den Online-Shop in ihrem bestehenden Website-System umzusetzen. Ist das nicht möglich, würde ich dann eher auf die simpleren Shop-Baukästen wie Jimdo oder Wix.com zurückgreifen. Für solch einen kleineren Shop sollten diese Systeme durchaus ausreichen.

Frage: Welche Grundfunktionen sollte unsere Zielgruppe mit einem Online-Shop-Baukasten einrichten können?
Brandl: Zu den Grundfunktionen zähle ich Bezahloptionen wie z. B. Kreditkarte und PayPal. Die Möglichkeit, Gutscheincodes für Rabatt-Aktionen herauszugeben, ist ebenfalls gut geignet, um das Geschäft anzukurbeln. Ansonsten müssen natürlich Dinge wie die Berechnung der Mehrwertsteuer reibungslos funktionieren.

Frage: Gibt es Erweiterungen, die für die Kosmetikerin sinnvoll sind, z. B. der Import der Bestelldaten in ein externes Buchhaltungssystem oder die Anzeige der Mindestlagerbestandsmenge?
Brandl: Wenn wir von mehreren täglichen Bestellungen reden, dann ist es auf jeden Fall sinnvoll, wenn die Bestelldaten in ein Buchhaltungsystem importiert werden können und sich somit auch Rechnungen erstellen lassen. Das ist im Grunde auch immer möglich – natürlich abhängig davon, ob die beiden unterschiedlichen Systeme kompatibel sind. Der Lagerbestand wird heutzutage von allen gängigen Online-Shops nachgeführt. Allerdings muss man natürlich beachten, dass „offline“-Verkäufe nicht automatisch vom Lagerbestand abgezogen werden.

Frage: Datensicherheit und Datenschutz sind zweifellos von großer Bedeutung. Ist es sinnvoll, dass der Server-Standort des Anbieters in Deutschland steht?
Brandl: Gesetzlich ist das nicht unbedingt vorgeschrieben und man würde sich damit schon ziemlich in seiner Auswahl beschränken. Wix.com und Shopify sind
z. B. in den USA gehostet. Aktuell gibt es dafür entsprechende Abkommen mit der Europäischen Union wie das EU-U.S. Privacy Shield, die die Datenverarbeitung in den USA erlauben. Theoretisch könnte sich das natürlich eines Tages ändern, aber persönlich würde ich meine Entscheidung nicht davon abhängig machen.

Frage: Und wie sieht es mit der Verschlüsselung der Daten aus?
Brandl: Die SSL-Verschlüsselung ist heutzutage eine Standardfunktion und zumindest für den Bezahlungsprozess auch gesetzlich vorgeschrieben.

Frage: Empfehlen Sie zusätzliche Zertifizierungen wie Trusted Shop oder Comodo Secure?
Brandl: Diese Zertifikate können sich positiv auf die Bestellungen auswirken, aber bei kleinen Shops würde ich das eher weiter hinten auf der Prioritätenliste sehen.

Frage: Seit dem 14. September 2019 gilt die neue EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 für das Online-Shopping. Sind die verfügbaren Baukästen-Systeme in dieser Hinsicht bereits auf dem neuesten technischen Stand?
Brandl: Die PSD2-Richtlinie bezieht sich auf einen besseren Schutz der Kunden beim Bezahlen im Internet. Da die Bezahlprozesse zumeist von externen Anbietern durchgeführt werden (z. B. Stripe oder PayPal), müssen die Online-Shops dafür eigentlich gar nichts umstellen, da dies automatisch passiert. Hier geht es eher darum, die Kunden darüber zu informieren, dass die Identität des Bezahlenden mitunter etwas umfangreicher geprüft wird.

Zur Person:
Robert Brandl ist seit jeher begeisterter Nutzer von Web-Tools. Im Jahre 2010 machte er sein Hobby zum Beruf und gründete WebsiteToolTester (www.websitetooltester.com), ein Vergleichsportal für Homepage- und Online-Shop-Anbieter, das er seit mehreren Jahren von Barcelona aus betreibt.

Der Beitrag ist erschienen in der Fachzeitschrift KOSMETIK international, Ausgabe 9/2019.

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