Berufsbekleidung 2.0

Jede Zeit hat ihre Mode – und ihre Möglichkeiten, mit (Berufs)Kleidung den Geist der Zeit auszudrücken. Lesen Sie hier, was ein junger und zugleich mit seiner Marke bereits etablierter Modedesigner Ihnen rät.

Berufsbekleidung Koch
Gabriel Franz Trauth
2015 gründete der studierte Modedesigner Gabriel Franz Trauth mit dem Unternehmer Marcel Hofmann „Trauth“. Beide haben es sich „zur Mission gemacht, mit ihren Produkten eine hochwertige Alternative zum klassischen Workwear-Angebot zu bieten“

Herr Trauth, Kleider machen Leute. Sehen Sie das auch so?

Absolut. Man kommuniziert mit Kleidung non-verbal – das passiert meistens unbewusst. Die Wirkung der eigenen Kleidung auf eine andere Person kommuniziert ja einen Zustand. Anzug, T-Shirt und Jeans, Jogginghose und natürlich auch Arbeitsbekleidung machen ja schnell klar, in welchem „Modus“ man sich gerade befindet. Ein klassischer Fall z. B. ist, bei einem Todesfall komplett schwarz zu tragen, um seine Trauer auch nach „außen zu tragen“. Verschiedene Marken oder Outfits repräsentieren auch ganze Sub- oder Jugendkulturen. Auch das zeigt ja auf, in welche „Schublade“ man bei einem Kennenlernen erst einmal gesteckt wird.

Es heißt, „normale“ Kleidung interessiere Sie nicht. Was interessiert Sie stattdessen?

Generell bedeutet „normale“ Kleidung ja bei jedem etwas anderes und ist somit sehr subjektiv bewertet und hängt vom kulturellen und zeitlichen Background ab. Die Jeans gilt z. B. heute als normale Alltagsbekleidung. Das war vor 100 Jahren noch nicht so – da war die Jeans eine Arbeiterhose, die man nicht auf der Straße oder zum Meeting anhatte. Berufsbekleidung sollte meiner Meinung nach nicht stigmatisieren, sondern den Träger bei der Arbeit wertschätzen und fördern. Unsere Mission bei Trauth ist es, dass Arbeitsbekleidung wieder mit Stolz getragen wird. Was meiner Meinung nach auch wichtig dabei ist: dem schwindenden Nachwuchs in der Gastronomie und anderen handwerklichen Berufen entgegenzuwirken. Darum achte ich bei allen Designs auf eine hochwertige Verarbeitung, angenehme Passform und zeitlosen Look.

Wie sind Sie persönlich in die Modebranche gekommen? Geht es Ihnen auch um eine Frage der Haltung?

Den Zugang zur Mode bzw. zur Schneiderei habe ich über meine Mutter bekommen, in frühen Jahren. Sie hatte mir für größere Festlichkeiten sogar Kinder-Smokings genäht. Neben Ästhetik-Verständnis und Handwerk war das schon für meine Mutter ein Ventil für Kreativität. Den Zugang zur Arbeitsbekleidung habe ich dann vor allem während des Modedesign-Studiums über meinen Vater gefunden. Mein Vater ist Winzer. Ja, ich stand ganz kurz vor der Entscheidung, Kommunikationsdesign zu studieren. Dann habe ich mich für Kommunikationsdesign im Bereich Mode entschieden. Ich hatte schon als Jugendlicher immer in der Gastronomie gejobbt und kannte mich aus. Mein Vater sagte immer zu mir: „Zieh dir doch einmal was Normales an“, aber was ist das: „normal“? Eine Jeans ist ja im Prinzip eine Arbeitshose. Es geht also auch darum, was man mit seiner Kleidung nach außen hin darstellt und ausdrückt. Und ich war von klein auf immer von Stoffen umgeben, meine Mutter hat viel – und mir alles – selbst genäht. So war meine Entscheidung sehr naheliegend.

Wie kommt eine (junge) Kosmetikerin an pfiffige Berufsbekleidung?

Die Arbeitskleidung sollte zu der Ästhetik passen, die man selbst verkaufen will. Die Person, die sie trägt, sollte sich nie verkleidet fühlen. Meine Tante war Kosmetikerin – und hat bei der Arbeit immer ihre normale Kleidung getragen. Dazu kann man stehen, wie man will, aber: Diese Haltung war auch authentisch. Bei uns kaufen z. B. einige Friseure ein, denen unsere Art zusagt. Wir beraten natürlich, in puncto Farben, Logo usw. Und wir haben fertige Teile, die auch in anderen Branchen als in der Gastronomie gut ankommen.

Nach welchen Kriterien sollte die Kosmetikerin ihre Berufskleidung aussuchen?

Ich finde, man sollte seine Arbeitskleidung mit Stolz tragen können. Deshalb ist es anzuraten, sie mit der Alltagskleidung darunter anzuprobieren: Fühle ich mich wohl – beim Stehen und beim Sitzen? Das ist eine wichtige Frage. Und: Stimmt die Passform? Ist genug Stoff verarbeitet, sodass ich ausreichend Bewegungsfreiheit habe? Wie viele Waschgänge hält die Textilie bei hohen Temperaturen aus? Gerade bei Berufsbekleidung empfehle ich ein zeitloses Design – in Farbe und Schnitt, es sollte für eine längere Tragezeit und nachhaltig eingekauft werden. In diesem Punkt muss man dem jeweiligen Hersteller vertrauen – und dem eigenen Geschmack.

Schließlich möchte man authentisch wirken – ganz so, wie man sich selbst und die Rolle versteht, die man damit ausfüllen möchte. Das führt auch zu einer Erkennbarkeit, die für den Endverbraucher – den Kunden der Kosmetikerin – relevant ist.

Das vollständige Interview lesen Sie in KOSMETIK international 11/2018.

Von | Fotos: Fotolia/Anton, Gabriel Trauth

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