Blickpunkt Bindegewebe

Faszien Bindegewebe

Sich dem Bindegewebe zu widmen, ist derzeit aktueller denn je. Denn Faszien sind ein angesagtes Gesprächsthema. Sie werden in Kursen gerollt und in den Medien diskutiert. Ein guter Zeitpunkt, die Bindegewebsmassage zu beleuchten.

Das größte zusammenhängende Ganze im Körper ist unser Bindegewebe. Eigentlich unfassbar, was da alles in unserem Organismus passiert. Dieses elementare, komplexe System des Bindegewebes bildet und umfasst alle Organe, es umschließt sie und beschützt sie mit aller Kraft. Das detailliert beschreiben zu wollen, würde wohl ein dickes Buch füllen. Also versuche ich nur, einen kurzen Überblick zu geben.

Jeder kleinste Platz im Organismus wird ausgefüllt mit einer Zellflüssigkeit, in der Zellen frei herumschwimmen. Diese Zwischenzellflüssigkeit ist in ihrer Zusammensetzung identisch mit dem Meerwasser. Die salzige Flüssigkeit beherbergt verschiedenste Zellen, die sich unterschiedlich ausbilden können, woraus dann das Bindegewebe entsteht. Das Gerüst für die Entwicklung des gesamten Körpers wird von Geburt an in dieser salzigen Flüssigkeit entwickelt.

Unser Bindegewebe umhüllt alle Organe und alle Körperteile. Auch die kleinsten Muskeln und Bänder werden eingehüllt und ummantelt mit dieser Substanz. Alle Körperorgane stehen in Verbindung mit allen Zellen – das sorgt für Beweglichkeit. Die Zellen können die Wände versorgen, Verbindungen schaffen und jederzeit wichtige Aufgaben übernehmen. Das Bindegewebe mit all seinen Zellen verbindet quasi alle Systeme miteinander.

Ein Beispiel: Jeder einzelne Muskel, egal ob er klein oder groß ist, wird je nach Beschaffenheit, innen und außen, immer mit der Flüssigkeit ernährt. Was nicht an Ort und Stelle gehört, wird ausgeleitet. Jeder Teil, z. B. die Gelenke, werden von Ablagerungen befreit. Gesundes Gewebe ist in der Lage, alle Stoffwechselendprodukte und Giftstoffe zu entfernen, die dort nicht hingehören. Sie werden über die Zwischenzellflüssigkeit abtransportieren. „Schlackenstoffe“ werden durch das gesunde Gewebe aus den Gelenken, aus den Muskeln, aus allen Ecken – und somit aus dem Körper entfernt. Das ist Stoffwechselarbeit: Alle verbrauchten Zellen sollen raus – und neue rein. Das Bindegewebe hat die große Aufgabe, alles im Gleichgewicht zu halten. Ist das Bindegewebe nicht im Gleichgewicht, das Störfeld zu groß und das Bindegewebe überfordert, wird aus der guten Zellzwischenflüssigkeit eine dicke, klebrige Masse, die die Organe belastet.

Die Balance beibehalten

Viele Erkrankungen sind oft nur die Auswirkung einer vorangegangenen Störung im Gewebe. Der Lebensfluss wird gehemmt. Und: Alles Leben fließt. Bei Wunden wird eine Verletzung durch Narbengewebe verschlossen. Netzartiges Bindegewebe umschließt die Wunde. Nur durch lockeres, bewegliches Bindegewebe kann der kranke Organismus wieder ins Gleichgewicht kommen. Über 70 Prozent der Zwischenzellflüssigkeit muss beweglich bleiben, ansonsten kann das kranke Gewebe in der verdickten Flüssigkeit nicht wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Wenn im Wasserhaushalt zu wenig Flüssigkeit vorhanden ist, lagern sich Fremdstoffe ab; in der Folge ist kein Weitertransport möglich. Das Fettgewebe sammelt sich an verschiedenen Körperteilen an und hemmt den Abtransport. Durch seine Dehnbarkeit ist das Bindegewebe der ideale Wasserspeicher. Ist die Wasserspeicherkapazität im Organismus erschöpft, kommt es zu Wasseransammlungen im Gewebe. Der Körper schafft es nicht diese Wasseransammlungen zu entfernen. Dann benötigt das Bindegewebe Unterstützung. Aus diesem Grund wurde die Bindegewebsmassage entwickelt. Was ist dabei wichtig?

  • Dem Organismus viel Flüssigkeit anreichen: Dadurch kann man den Wasserhaushalt wieder in Balance und zum Fließen bringen.
  • Die Herz- und auch Nierenaktivitäten kräftigen.
  • Für eine Verteilung der Nährstoffe im Körper sorgen: durch den Abtransport der Schadstoffe (Wasserstauungen) und eine Stärkung des Immunsystems über Mineralstoffe.
  • Die Bindegewebsmassage als Selbstmassage täglich anwenden – durch Einreiben der gestauten Körperteile. Mit Bewegung sorgt man zudem für eine Auflockerung des gestauten Gewebes. Der aus der Balance geratene Organismus profititiert von Aktivitäten sowie der Zufuhr von Sauerstoff, Nährstoffen und Wasser. Ohne das Bindegewebe wäre der Körper haltlos, schwach und funktionsuntüchtig.

Massage des Bindegewebes

Bei Verklebung des Gewebes (Myogelosen) kann man durch die Bindegewebsmassage eine Verbesserung erreichen – eine wertvolle Technik für den Wellness- und Physiotherapie-Bereich! Die Methode wurde 1950 von Elisabeth Dicke entwickelt. Manuell wird die Bindegewebsmassage fast immer mit dem Mittelfinger und dem Ringfinger durchgeführt. Um den Zugreiz auf das Gewebe auszuüben, müssen die Massagefinger fest auf der Haut haften. Je nach der Stellung der ziehenden Finger – also abhängig davon, ob sie flach oder steiler gegen die Körperoberfläche aufgesetzt werden, ergibt sich im bearbeiteten Gewebe eine oberflächlichere oder eine tiefergehende Wirkung. Man massiert erst die oberflächlichen und danach die tieferen Muskelschichten. Der Fingerzug mit Druck auf das Gewebe löst die Anspannungen.

Die Bindegewebsmassage wird auch sehr gerne im Kopfbereich angewendet (siehe auch S. 53). Für viele Kunden sorgen die „Anhakstriche“ dort für eine sofortige Erleichterung.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in KOSMETIK international 05/2019.

Von | Fotos: Fotolia/Printemps

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