Gesichtsgymnastik

Gymnastik für das Gesicht

Auch wenn wir unsere Haut richtig und regelmäßig pflegen, zeigen sich irgendwann die ersten Fältchen. Nichts gegen Mimikfältchen: Sie geben dem Gesicht individuellen Ausdruck. Gesichtsyoga und Fitnesstrainings aber verzögern, neben ihrer positiven Wirkung auf das Innenleben, auch die Hautalterung.

Yoga ist, auch wenn man es nicht in spirituellem Licht sieht, ein Weg, sich selbst, seine Gefühle, seine innere Haltung und seine Energie intensiver wahrzunehmen. Yoga, aus dem indischen Kulturkreis und mehr als 5 000 Jahre alt, bedeutet „Gleichgewicht in allem“: Körper, Geist und Seele können durch spezielle Übungen in Balance gebracht werden. Uns interessieren die Gesichtsyoga-Übungen.
Gesichtshaut und -muskeln sind direkt miteinander verbunden. Die Muskeln spiegeln Gedanken und Gefühle; die innere Welt prägt Mimik und Ausdruck. Besonders im Augen- und Mundbereich zeigt sich die vorherrschende Gemütslage. Wenn aber die Gesichtsmuskeln regelmäßig trainiert werden, nimmt deren Spannkraft nicht so schnell ab. Die Mimik wird freundlicher, was wiederum die Stimmung positiv beeinflusst. Durch die enge Verbindung zur Gesichtsmuskulatur wird so auch die Haut, vor allem das subkutane Bindegewebe, besser durchblutet. Davon profitieren die elastischen Fasern; verbessert werden die Regeneration der Hautzellen und die Kollagenproduktion. Die Hautbarriere wird gestärkt und damit die Abwehrkräfte.

Gezielte Entspannungsübungen

Im Laufe des Lebens verlieren die ca. 20 mimischen Gesichtsmuskeln, die Hals- und Nackenmuskeln und die gesamte Körpermuskulatur an Spannkraft. Mit gezielten Kontraktionsübungen, mit Entspannungs- und Atemübungen aber kann man unschöne Mimikfalten vermeiden. Auch Kopf- und Nackenschmerzen, die durch angestrengt kontrahierte Muskeln entstehen, kann man auf diese Art loswerden. Der gleichmäßige, bewusste Wechsel von Spannung und Entspannung der Gesichtsmuskeln regt die Kollagenproduktion im Gewebe an, stärkt das subkutane Bindegewebe, regt die Mikrozirkulation, den Lymphfluss und die Zellregeneration an und schenkt der Haut bessere Spannkraft, Frische und Festigkeit. Ein weiteres Plus täglicher Übungen: Sie lernen, Ihren Gesichtsausdruck zu beherrschen. Bewusste Mimik macht es einfacher, sich nicht zu verraten.

Erstmal vor dem Spiegel

Anfangs wird es einfacher sein, vor einem Spiegel zu üben. Zunächst stellt man durch sanftes Ausstreichen den Kontakt zu sich selbst wieder her. Beginnen Sie mit der richtigen Kopfhaltung – für einen schönen Hals und ein wohlgeformtes Kinn. Spezielle Übungen lockern auch Nackenmuskulatur und Kaumuskeln.
Für die Nackenmuskeln:
Lassen Sie die Schultern nach unten sinken, richten Sie den Kopf auf, Blick geradeaus. Stellen Sie sich vor, der Kopf wird, ausgehend vom Scheitelpunkt, mit einem Seidenfaden aufrecht gehalten. Die Nackenspannung lässt nach, Kopf und Schultern werden ganz leicht. Mit jedem Ausatmen sinken die Schultern mehr nach unten, der Kopf wird noch leichter. Eine gute Kopfhaltung kann man auch mit einem Buch auf dem Kopf trainieren.
Für Hals und Mund:
Für ein straffes Platysma (Halshautmuskel) zieht man mit locker aufrechtem Kopf und geschlossenen Lippen die Mundwinkel nach außen und unten. Halten Sie die Spannung, lassen mit lautem Ausatmen wieder los und wiederholen Sie die Übung mindestens zehn- bis 20-mal. Kinn und Hals werden mit der Zeit straffer, der Busen hebt sich.

Wangen modellieren

Für einen schönen Mund und zur Milderung der Nasolabialfalte ist ein fröhliches, breites Lächeln im Wechsel mit einem süßen Kussmund die beste Übung. Um die Wangen zu modellieren, werden sie abwechselnd eingesaugt und aufgeblasen. Ausatmen durch die halb geschlossenen Lippen.
Für die Stirn:
Zur Entspannung der Stirn und zur Glättung von Stirnfalten werden die Augenbrauen zusammengezogen und wieder losgelassen. Auch möglich: Brauen nach oben ziehen, Augen aufreißen und loslassen. Das hilft auch gegen Krähenfüße. Zehn- bis 20-mal wiederholen.
Für müde, traurige Augen gibt es ein ganzes Programm mit speziellen Akupunkturgriffen, Übungen aus dem Augen-Qi Gong und Augen-Yoga. Hier zwei Übungen für eine glatte Stirnpartie und klare Augen.
Erste Stirnübung:
Legen Sie die Daumenkuppen an die äußeren Enden der Brauen, die Kleinfingerkuppen zwischen die Brauen, die übrigen Fingerkuppen an den Haaransatz. Ziehen Sie die Brauen mit tiefem Ausatmen nach oben außen, halten die Spannung, lassen wieder los, atmen Sie wieder ein und mit dem Ausatmen ziehen Sie die Brauen zusammen, halten ein wenig und lassen mit dem Ausatmen wieder los. Drei- bis fünfmal wiederholen. Zweite Stirnübung:
Langsam und gleichmäßig ein- und ausatmen, dann die Handballen unter die Brauen legen und diese seitlich nach oben drücken, gleichmäßig weiteratmen. Dabei versuchen Sie nach unten zu schauen und die Brauen zusammenzuziehen. Spannung halten, mit tiefem Ausatmen loslassen, Hände vom Gesicht nehmen. Wird drei- bis fünfmal wiederholt.
Auf die Übungen folgt jeweils eine kurze Stirnmassage mit kreiselnden Fingerspitzen.

Augenmuskulatur kräftigen

Für die Augen:
Zur Kräftigung der Augenmuskulatur legen Sie die Rückseiten von Daumen und Zeigefingern auf Ober- und Unterlider, Mittelfinger auf die Stirnmitte. Beide Augen weit öffnen, gleichmäßig und tief atmen, Augenlider nach oben und nach unten auseinander und mit den Mittelfingern die Stirnhaut nach oben ziehen. Spannung halten, dabei zuerst geradeaus schauen, dann nach oben, nach unten, ausatmen, loslassen, drei- bis fünfmal wiederholen. Zum Abschluss „palmieren“: Hände aneinander warm reiben, auf die Augen legen und ins Dunkel schauen. Die Augen je dreimal rechts und links herum kreiseln.
Mit geöffneten Augen nach oben, nach unten, nach rechts und nach links schauen, dann nach links oben und nach rechts unten und umgekehrt, jede Richtung dreimal, dann „palmieren“. Zum Schluss mit den Fingerspitzen die äußeren Augenwinkel sanft kreiselnd massieren, während der gesamten Übung gleichmäßig tief ein- und ausatmen.

Sanfte Massage zum Schluss

Mit folgenden drei Übungen können Wangen-, Mund- und Halspartie gekräftigt und gestrafft werden:
Gleichmäßig ein- und ausatmen, Kopfhaltung und Blick locker geradeaus, dann mit dem Ausatmen je ein lautes A, E, I, O und U formen, dreimal wiederholen, abschließend ein breites Lächeln.
Langsam und gleichmäßig atmen, einen Stift mit den Lippen halten, durch die Nase einatmen, nach dem Ausatmen für fünf Sekunden den Atem anhalten, weiteratmen, während der Stift zwischen den Lippen gedreht wird. Das Kinn nach vorne schieben und etwas anheben, die Wangen mit leichtem Lächeln nach oben schieben, zwei Sekunden halten und mit tiefem Ausatmen Stift rausnehmen, entspannen, lächeln und so oft wie möglich wiederholen.
Gleichmäßig durch die Nase einatmen und für fünf Sekunden einhalten, tief ausatmen. Lippen nach innen rollen und einen Löffelstiel mit den Lippen festhalten, mit der Unterkiefermuskulatur den Löffel etwas anheben, dabei die Wangen mit leichtem Lächeln nach oben ziehen, ca. drei Sekunden halten, loslassen. So oft es Spaß macht wiederholen, zum Schluss laut lachen oder gähnen.

Die innere "Löwin" wecken

Die Übung „Die Löwin“ trainiert Stirn, Augenpartie, Wangen, Mundbereich, Hals und Nacken. Dabei reißen Sie die Augen weit auf, schieben den Unterkiefer leicht nach vorn, strecken die Zunge weit heraus und halten diese Spannung ca. fünf Minuten, loslassen, lächeln.
Und weil zu lächeln immer guttut, schließen Sie die Augen und gehen mit Ihrer Aufmerksamkeit ins Herz. Atmen Sie mehrmals tief und gleichmäßig ein und aus, und lassen Sie aus dem Grund des Herzens ein sanftes, inneres Lächeln auf dem Gesicht entstehen. Halten Sie es, so lange Sie mögen. Machen Sie die Augen auf und betrachten Sie sich mit diesem Lächeln. Zum Schluss Wangen und Mundpartie mit sanften Kreiselungen massieren. Die Atmung soll mit den Bewegungsabläufen immer im Einklang sein. Wer das täglich übt, dem wird es zur Selbstverständlichkeit. Das Atmen passiert automatisch, aber die Atmung ist stör- und steuerbar. Auf diese Weise lässt sich das Gefühlsleben harmonisieren. Regelmäßige Atemübungen wirken sich auf die Normalatmung aus.

Gegen Schlafstörungen

Für die Nasenatmung:
Nase zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen, durch das rechte Nasenloch einatmen, das linke zuhalten, wieder öffnen, durch das linke ausatmen, dann beide Nasenlöcher zuhalten, Atem anhalten, nun durch das linke Nasenloch ein-, durch das rechte ausatmen, beide Nasenlöcher zuhalten, jeweils bis vier zählen. Diese Übung kann das Nervensystem beruhigen und bei Schlaflosigkeit helfen.
Die wichtigste Yoga-Atmung ist die Vollatmung, bei der Bauch-, Brust- und Flankenatmung kombiniert werden. Zuvor aber sollten die einzelnen Regionen als Teilatmung getrennt beatmet werden, um alles bewusster zu spüren. Die Vollatmung beginnt im Bauch, dann weiten sich Rippen (Flankenatmung) und Brust bis hoch in die Schlüsselbeine. Beim Ausatmen verläuft die Atemwelle umgekehrt.
Das Trainingsprogramm für das Gesicht kann mit den Atemübungen abgeschlossen werden. Darüber hinaus kann man Lymphdrainage, Akupressur oder Shiatsu anbieten oder auch „Mudras“, die Fingerhaltungen aus dem Yoga. Sie können auf verschiedene Gewebe und die Funktion der inneren Organe wirken. Es gibt Mudras, die gegen Akne helfen oder auch beim Abbau von Übergewicht.

Energie fließen lassen

Auch mit speziellen Energiegriffen kann das Face-Training sinnvoll beendet werden. Sie beruhen auf dem japanischen Heilprinzip des Yin Shin Yjutsu, eine Art Energieströmen. Zu diesem Spezialthema hier zwei Griffe, die strahlend frische Augen machen sollen:
Die Finger der rechten Hand hinten auf die linke Schädelbasisseite legen, die Finger der linken Hand unter den rechten Wangenknochen, dann umgekehrt; je drei bis fünf Minuten halten, nach Belieben wiederholen.
Die rechte Hand in die linke Achselhöhle legen und die linke mit dem Handrücken auf die Stirn, Energie fließen lassen, dann umgekehrt, einige Male wiederholen. So schenken Sie Ihrer Kundin Entspannung und zaubern ein Lächeln in ihr Gesicht, das sie in den Alltag begleitet.
Den gesamten Beitrag lesen Sie in der Fachzeitschrift KOSMETIK international 12/19.

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