Lindern und verwöhnen

Lindern und verwöhnen

Als Expertin der Perinatalen Massage weiß Susanne Lauf, worauf es bei der Behandlung von schwangeren Frauen ankommt. Im Interview spricht sie über die Vorzüge der Massageform und über ihre bevorzugten Öle.

Frage: Bei welchen typischen Schwangerschaftsbeschwerden können Massagen Abhilfe schaffen?
Lauf: In diesem Zusammenhang ist z. B. das mit Schmerzen verbundene Karpaltunnelsyndrom im Bereich der Handwurzel zu nennen. Es tritt häufig während der Schwangerschaft auf und kommt durch Wassereinlagerungen zustande. Wenn man hier lymphabflussfördernd mit dem Arm arbeitet, kann man Abhilfe schaffen, jedoch nur vorübergehend, denn die Ursache, also die Schwangerschaft, bleibt. Es beruhigt die Mütter dann, wenn ich ihnen erkläre, dass die Beschwerden nur vorübergehend sind. Des Weiteren können auch Nervenschmerzen entlang der Pobacke sowie Beschwerden der Halswirbelsäule auftreten, beides sind Folgen eines veränderten Körpermittelpunkts. Bei auftretender Kurzatmigkeit kann man gut mit der Interkostalmuskulatur arbeiten. Häufig entstehen auch physiologische Wassereinlagerungen, die man mit bestimmten Massagegriffen behandeln kann. Gegen Ende der Schwangerschaft treten auch häufig Bein- und Fußschmerzen sowie Spannungskopfschmerzen auf.

Frage: Was zeichnet die Perinatale Massage aus?
Lauf: Bei dieser Behandlung wird generell in der Seitenlage massiert. An den Extremitäten, besonders an den Beinen, wird streichend lymphabflussfördernd mit weniger Druck gearbeitet, weil besonders in dieser Region unter der Schwangerschaft eine erhöhte Thrombosegefahr besteht. Hier werden im Vergleich zu anderen Massagen langsame und achtsame Griffe angewendet. Am Rücken, wo sich keine oberflächigen Venen befinden, kann ich natürlich tiefer arbeiten. Grundsätzlich sage ich der werdenden Mama, dass sie mir jederzeit Bescheid geben soll, ob etwas unangenehm ist oder ob sie mehr oder weniger Druck möchte.

Frage: Welche Massageformen können Sie darüber hinaus für Schwangere empfehlen?
Lauf: Neben der Perinatalen Massage sind Bestandteile von Lomi Lomi und der Esalen-Massage zu empfehlen. Grundsätzlich sollte man vorab eine entsprechende Fortbildung absolvieren.

Frage: Worauf sollte die Kosmetikerin, die Massagen für Schwangere anbietet, achten?
Lauf: Ich würde generell davon abraten, ohne eine Fortbildung schwangere Frauen zu massieren. Im Umgang mit Schwangeren ist es wichtig, dass man Risikoschwangerschaften erkennt, um die Massage möglicherweise abzubrechen und die Frauen bei Bedarf in medizinische Obhut zu schicken. Entsprechende Hinweise dafür stehen im Mutterpass und sollten im Anamnesegespräch berücksichtigt werden. Die Kosmetikerin sollte sich auskennen mit den angepassten Lagerungsbedingungen, z. B. sollte man Schwangere nicht länger als fünf Minuten auf dem Rücken lagern. Auch über die veränderte Anatomie sollte sie sich bewusst sein. Zudem ist es wichtig, dass sie Kenntnis darüber hat, welche Inhaltsstoffe in der Kosmetik fruchtschädigend sein können.

Frage: Gibt es spezielle Lagerungskissen und Liegen, die man für die Massage von Schwangeren einsetzen kann?
Lauf: Ja. Kosmetikerinnen, die erst für sich herausfinden möchten, ob die Schwangerenmassage etwas für sie ist, rate ich, zunächst mit preisgünstigen, speziell zugeschnittenen Schaumstoffblöcken zu beginnen. Später können sie sich dann professionelle Lagerungs-Sets zulegen.

Frage: Gibt es Körperpartien, die nicht massiert werden sollten?
Lauf: Ja, die gibt es. Massagen direkt auf dem knöchernen Teil des Kreuzbeins sollten z. B. vermieden werden, weil die gesteigerte Durchblutung eventuell zu einer Wehentätigkeit führen kann. Alternativ kann man gut in der Peripherie arbeiten. Auch auf Krampfadern sollte man nicht massieren. An den Beinen achte ich darauf, ob die Frauen eine große Ansammlung an Besenreisern haben, weil das einen Hinweis auf Probleme in den tieferliegenden Gefäßen geben kann, z. B. ein erhöhtes Thromboserisiko.

Frage: Bei welchen Erkrankungen, abgesehen von Indikatoren für Risikoschwangerschaften, raten Sie von einer Massage ab?
Lauf: Auf jeden Fall bei bestehenden Blutgerinnungsstörungen und bei Gebärmutterhalsschwäche. Im Fall von Diabetes würde ich die Mutter bitten, sich von ihrem Arzt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen zu lassen. Auch bei Frauen, die an Migräne leiden, bin ich vorsichtig, denn die Beschwerden könnten durch die Massage zunehmen. Des Weiteren massiere ich nicht bei pathologischen Ödemen am ganzen Körper sowie bei infektiösen Erkrankungen, weil man die Erreger verschleppen und sich möglicherweise selbst anstecken würde.

Frage: Kann eine Massage während der gesamten Schwangerschaft durchgeführt werden?
Lauf: Generell ja. Weil 90 Prozent der Fehlgeburten jedoch in den ersten drei Monaten stattfinden, würde ich aber immer bis zur 13. Woche warten. Bei einer Risikoschwangerschaft muss individuell entschieden werden, ab wann eine Massage angeboten werden kann.

Frage: Welche Öle bevorzugen Sie für die Massage von Schwangeren? Und gibt es auch Öle, von denen Sie in dieser Zeit abraten?
Lauf: Ich rate grundsätzlich von mineralischen Ölen ab. Für Schwangerschaftsmassagen bietet es sich an, Öle in Bioqualität zu verwenden. Besonders in Nordeuropa ist die Schwangerschaft etwas ganz Besonderes. Deshalb legen die Frauen großen Wert darauf, mit Bioprodukten behandelt zu werden. In diesem Zusammenhang sind alle Pflanzenöle für eine Massage geeignet. Vorsicht ist geboten, wenn man Pflanzenöle mit ätherischen Ölen versetzen möchte. Hier muss man Öle ausschließen, die gebärmutterzusammenziehende oder menstruationsfördernde Wirkung haben. Dazu gehören Rosmarin, Arnika, Zeder, Zimt, Pfefferminze und Palmarosa. Bedenken sollte man auch, dass Schwangere sehr geruchsempfindlich sind. Deshalb sollte man die Kundin immer erst am Öl riechen lassen, bevor man es anwendet. In meiner Praxis sind z. B. Orangen- und Rosendüfte derzeit besonders gefragt.

Zur Person:

Susanne Lauf ist ausgebildete Heilpraktikerin und Masseurin. 2006 absolvierte sie in den USA eine Zusatzausbildung zur Perinatalen Massage-Therapeutin und gründete im nordrhein-westfälischen Dülmen das „Mothers Delite – Institut für Perinatale Massage“. 2008 bildete sie sich weiter zur Perinatalen Massagespezialistin und gibt in diesem Zusammenhang auch Seminare.

Mehr zum Thema Schwangere im Kosmetikinstitut lesen Sie in KOSMETIK international, Ausgabe 6/2019

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