Mama hat’s drauf

Mama hat’s drauf

Mütter müssen vieles können, berufstätige Mütter noch viel mehr. Der Drahtseilakt zwischen Haushalt, Erziehung und Erfolg im Job ist manchmal aufreibend, aber machbar – mit einer guten Organisation und der richtigen Einstellung.

Wir sind eine „MamaplusJob“. Eine was? Ja genau … eine Mama in erster Linie, zu guter Letzt und immer. Und zwischendrin sind wir Unternehmerinnen, Ehefrauen, Freundinnen, Haushaltsfeen, Freizeitpsychologen und vieles, vieles mehr …
Als ich Mama wurde, erging es mir wie vielen – ich war fürs Erste überfordert. Zehn Tage nach der Geburt meines Sohnes erwies sich bereits die erste Kundin als ungnädig und verordnete mir statt Ruhe im Wochenbett zahlreiche textliche Änderungen auf ihrer Homepage. Ihr Verständnis für meine Situation als Neu-Mama kümmerte sie wenig. Sie forderte und ich lieferte ab. An jenem Abend – ich arbeitete vom Bett aus und mein Neugeborenes lag schlafend neben mir – wurde mir klar: „Jetzt bin ich nicht nur Mama, jetzt bin ich eine MamaplusJob.“

Täglicher Drahtseilakt


Als Selbstständige muss man funktionieren. Und zwar von der ersten Stunde an. Als Mamaplusjob sind wir verantwortlich für das Leben eines Kindes und die erfolgreiche Existenz eines Unternehmens – eine Frage der Balance und der perfekten Organisation. Um diesen täglichen Drahtseilakt zu meistern, gibt es einige Strategien und Gedankenspiele.
„Zeit ist Geld“ – dieses vielzitierte geflügelte Wort entspricht der Wahrheit. Als MamaplusJob ist es enorm wichtig, sich zu strukturieren und an Effizienz dazuzugewinnen. Die Familie braucht Zeit. Diese mit seinen Kindern zu verbringen ist sinnerfüllend. Gerade deshalb ist es wichtig, die Zeit im Institut so gewinnbringend wie nur möglich zu organisieren, um schlussendlich positiv zu bilanzieren. Wenn Sie im Kosmetikinstitut sind, sollten Sie den Kopf frei haben für die To-dos im Job. Umgekehrt ist es sinnvoll, sich während der Familienzeit ausschließlich darauf zu konzentrieren, ohne Telefonate, Nachrichten oder sonstige Zwischenrufe. Bleiben Sie konsequent in Ihrer Erreichbarkeit und trennen Sie zwischen beruflich und privat.

Spreu vom Weizen trennen

Jedes Unternehmen hat Posten im Angebot, die als nur wenig oder gar nicht ertragreich zu verbuchen sind. Analysieren Sie genau, welche Dienstleistungen in Ihrem Portfolio über das Jahr gerechnet einen unterdurchschnittlichen Ertrag abwerfen. Sie haben zwei Möglichkeiten: Entweder verabschieden Sie defizitäre Leistungen aus Ihrem Angebot oder Sie fahren mit den Preisen hoch. Behandlungen, die nur Zeit kosten, aber wenig einbringen, sind unternehmerisch gedacht ein Himmelfahrtskommando. Auch Leistungen, die nur sehr wenig in Anspruch genommen werden, sind wie ein großer Stein auf dem Erfolgsweg.
Dienstleistungen gelten generell als wirtschaftliches Stiefkind, denn die möglichen Margen sind geradezu niederschmetternd. Es führt kein Weg am Produktverkauf vorbei, wenn man erfolgreich sein will. Bedenken Sie bitte: Mit dem Verkauf eines Produkts erwirtschaften Sie wesentlich höhere Gewinne in wesentlich kürzerer Zeit. Wobei wir wieder beim Thema wären: Zeit ist Geld. Ein fokussierter Produktverkauf bringt Umsatz, Kundenbindung und Zeit. Mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Zeit. Punkt.

Falsche Kalkulation

In der Regel wird in der Kosmetik falsch bis gar nicht kalkuliert. Man passt sich der „Umgebung“ an, schaut also, was der Mitbewerber so verlangt oder welche Preise die Produktlieferanten vorschlagen. Weit gefehlt. Ein Behandlungspreis ist das Ergebnis einer sehr individuellen Kalkulation. Erlauben Sie sich hier keine Fehler. Nur eine gesunde und richtige Kalkulation Ihrer Leistungen wird auf lange Sicht Ihr Unternehmen bestehen lassen. Als MamaplusJob arbeiten Sie vielleicht weniger Stunden oder müssen manchmal gar die Segel für einige Tage komplett streichen. Genau deshalb ist es wichtig, nicht nur deckungsbeitragsgerecht, sondern gewinnbringend zu arbeiten. Scheuen Sie sich nicht vor einer Preiserhöhung.

Eine positive Sicht der Dinge

Ich persönlich empfinde es immer als herablassend, wenn man bei Kindern und Job von „Belastung“ spricht und bei Frauen, die beruflich wie familiär engagiert sind, sogar von einer „Doppelbelastung“ die Rede ist. Punkt eins: Ein Kind ist ein Geschenk und keine Belastung. Und Punkt zwei: Ein Job ist eine durchaus positive Herausforderung und tolle Chance, die uns Frauen in der Gesellschaft stark macht. In dem Moment, in dem man alles als Belastung sieht, hat man bereits verloren. Auf die richtige Einstellung kommt es an. Es ist legitim, manchmal den Kopf hängen zu lassen. Und es ist normal, dass alles manchmal zu viel wird. Wenn man sich jedoch in dem Gefühl der Schwere suhlt, dann wird es natürlich belastend, und zwar auf Dauer.

Selbstmitleid oder stark bleiben

Sie alle kennen schlaflose Nächte. Am nächsten Morgen hat man zwei Möglichkeiten: Entweder, man tut sich selbst leid, trauert um die verlorenen Stunden des Schlafes und der Tag wird zum Fiasko. Oder man entscheidet sich bewusst dafür, stark zu bleiben, durchzuhalten, den Tag zu meistern. Eine Frage der inneren Einstellung eben. Man muss den Dingen im Leben nicht mehr Drama verschaffen als nötig.
Als MamaplusJob ist es notwendig, sich zu Hause wie auch im Betrieb klar zu strukturieren. Es ist unumgänglich, seinen Mitarbeiterstab mit Kompetenzen auszustatten. Vielleicht ist es notwendig, mit Checklisten oder einem sogenannten Marshallplan zu arbeiten. Nach dem Motto: Jeder kontrolliert jeden. Die Folge daraus wird jedoch sein, dass das Team verantwortungsvoll arbeitet und der Qualitätsstandard auch an Tagen während Ihrer Abwesenheit erhalten bleibt. Besprechen Sie sich mit Ihrem Team regelmäßig und stellen Sie gemeinsam ein Qualitätsmanagement auf die Beine.

Straff getaktete Termine

Ihre Mitarbeiter sind ein unverzichtbarer Teil des Ganzen. Wenn Sie im Institut sind, müssen Termine straff getaktet werden. Chronische Zuspätkommer, die den Tagesablauf gefährden, müssen entweder gemieden oder erzogen werden. Als Kosmetikerin sind Sie nicht automatisch der Lebensberater Ihrer Kunden. Ihre Energiereserven als MamaplusJob müssen Sie schonen. Ziehen Sie daher eine klare, professionelle Grenze zwischen Ihnen und den Sorgen Ihrer Kunden. Es ist ohnehin ratsam, dass bei geringerer möglicher Arbeitszeit die Kundenstruktur überdacht wird. Überlegen Sie auch hier, welches Kundensegment eventuell nicht mehr zu Ihrem Unternehmen passt.
Dieses reale Leben hält auch zu Hause genug für uns bereit. Um als MamaplusJob auch den Haushalt unter Dach und Fach zu bekommen, ist es wichtig, sich helfen zu lassen. Ich plädiere ja immer für eine Putzfrau. Nicht jeder kann sich das leisten oder will sich jemand ins Haus holen. Dann muss jedoch die Technik unterstützen. Es gibt mittlerweile einige wirklich gute Geräte, die uns Frauen Arbeit abnehmen oder diese zumindest erleichtern, von Saugrobotern bis zu selbstkochenden Küchenmaschinen.

Männer an den Herd

Ratgeber-Queens à la Marie Kondo erklären zu Recht, wie man durch einfache Hacks den Haushalt besser organisiert und uns wieder mehr Zeit zum Leben bleibt. Außerdem: Auch Männer können putzen! Teilen Sie sie ein. Der Haushalt sowie die Kindererziehung ist schon lange nicht mehr Sache alleine der Frauen. Misten Sie mal richtig aus. 75 Prozent von dem ganzen Kram, den wir in unseren Schränken horten, brauchen wir im Grunde genommen nicht. Und wenn weniger rumliegt, muss weniger aufgeräumt werden.

Respekt für unsere Leistung

Eine MamaplusJob ist im Grunde genommen der absolute Leistungsträger in der Gesellschaft. Wir agieren aus dem Hintergrund heraus, aber unser Beitrag ist unbezahlbar und verdient uneingeschränkte Wertschätzung. Es ist an der Zeit, dass wir MamasplusJob uns vernetzen und uns gegenseitig unterstützen. Zollen wir doch einfach mal Respekt für das, was wir schaffen – auch allen anderen, die im gleichen Boot sitzen, ohne Wenn und Aber. Wir dürfen mit Stolz präsentieren, dass wir Power, Leidenschaft, Herz und Liebe für Familie und Beruf in uns vereinen.
Der Beitrag ist erschienen in der Fachzeitschrift KOSMETIK international, Ausgabe Januar 2020.

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