Naturkosmetik im Trend

Naturkosmetik im Trend

Ein Rückgang im internationalen Naturkosmetik-Markt ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Die Branche ist auch weiterhin auf Wachstum programmiert, so unsere Autorin Karin Heinze.

Es gehört heute zum guten Ton: Bewusste Verbraucher achten auf die Spuren, die sie auf dem Planeten hinterlassen. Dazu passt der Anspruch von Naturkosmetik: „Sei gut zu dir und zur Erde, auf der du lebst.“ Und das ist ein wesentlicher Grund, warum sich Natur im Cremetiegel den Weg in die Badezimmer von Millionen Verbrauchern gebahnt hat – und weiter auf dem Vormarsch ist. Allein in den vergangenen zwei Jahren haben in Deutschland über zwei Millionen Kunden Naturkosmetik-Produkte ausprobiert. Ein Ende des Bio-Booms in der Kosmetik ist nicht abzusehen, denn Authentizität, Achtsamkeit und Natürlichkeit bilden den Gegenpol zur perfekten Schönheit der Selfie-Kultur im digitalisierten Zeitalter – so das Frankfurter Zukunftsinstitut.

Spitzenreiter in Europa

Die deutschen Konsumenten sind schon von jeher Naturkosmetik-Fans. Wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) analysiert, konnten die Produkte 2018 – wie im Jahr zuvor – über eine Million neue Käufer gewinnen. Das brachte einen Umsatzzuwachs von 5,9 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro für kontrollierte Bio- und Naturkosmetik. Wie auf der internationalen Naturkosmetik-Fachmesse Vivaness in Nürnberg bekannt gegeben wurde, erreichte das Segment Natur- und Biokosmetik einen Anteil von gut 9,2 Prozent am Gesamtmarkt. Rechnet man den Umsatz mit naturnaher Kosmetik (8,3 Prozent) ein, beansprucht grüne Kosmetik bereits 17,5 Prozent des 13,8 Milliarden Euro großen deutschen Marktes für Schönheits- und Körperpflege – das entspricht rund 2,4 Milliarden Euro. Deutschland ist Spitzenreiter in Europa und nach den USA zweitgrößter Naturkosmetik-Markt weltweit.

Wachstum in Europa

Zwei weitere europäische Länder zeigen, wie positiv sich Europa naturkosmetisch entwickelt. Frankreich verbucht seit Jahren ein steigendes Interesse der Konsumenten an Naturkosmetik-Produkten und ist nach Deutschland der zweitgrößte Naturkosmetik-Markt in Europa. Der Umsatz von geschätzt über 500 Millionen Euro – ein Zuwachs von etwa zehn Prozent und der Marktanteil von rund 4,5 Prozent – sind Ergebnisse, die sich sehen lassen können. Nach Angaben des Marktbarometers der Agentur Agence Bio haben 2017 vier von zehn Franzosen mehr Naturkosmetik als herkömmliche Kosmetik gekauft. Der Gesamtkosmetikumsatz in Frankreich beläuft sich auf 11,4 Milliarden Euro. Der Wunsch nach natürlicher Pflege ist auch in Italien ein Mega­trend. Die Hälfte der 2017 auf den Markt gekommenen über 3 700 Kosmetikprodukte fiel in die Kategorie „Grüne Kosmetik“ – stellt eine Studie des Kosmetikverbandes Cosmetica Italia fest und bestätigt damit den anhaltenden Trend zur Natur. Als die Makrotrends für die nächsten zehn Jahre benennt der Verband die Erwartung der Konsumenten, dass grüne Kosmetik mehr und mehr Bio-Inhaltsstoffe enthält, ethisch korrekt hergestellt und in umweltfreundliche Verpackungen abgefüllt wird.

Die Großen werden grün

Die Kosmetikindustrie greift den globalen Trend hin zu „Green & Clean“ auf und setzt zunehmend auf „Natural Beauty“. Das grüne Know-how kaufen sich die großen Marken mit der Übernahme klassischer Naturkosmetik-Hersteller ein. So haben in den vergangenen Jahren etliche Naturkosmetik-Pioniermarken weltweit den Besitzer gewechselt. Ein positiver Effekt ist auszumachen: Die Verfügbarkeit der Produkte hat dadurch stark zugenommen, nicht nur im stationären Handel, sondern insbesondere auch im E-Commerce. Als Problem für die großen Firmen erweist sich allerdings die Glaubwürdigkeit. Untersuchungen belegen, dass viele Naturkosmetikkäufer kleine oder mittelständische Unternehmen bevorzugen, die schon von Anfang an 100 Prozent Naturkosmetik anbieten. Es sei eine große Herausforderung für die Konzerne, die Akzeptanz der Verbraucher zu gewinnen, analysiert Amarjit Sahota, Gründer des spezialisierten Marktforschungsunternehmens Ecovia Intelligence. Doch setzen sie alles daran, ihr grünes Image aufzupolieren.

Naturkosmetik global erfolgreich

Jüngstes Beispiel ist der Bio-Ableger von Garnier. Diese bio-zertifizierte Range ist eine Partnerschaft mit der GoodPlanet Foundation des renommierten Filmemachers und Umweltschützers Yann Arthus-Bertrand eingegangen. Die Erfolgs-Story der Naturkosmetik ist global. Sahota bezifferte den weltweiten Umsatz mit Bio- und Naturkosmetik auf weit über zehn Milliarden US-Dollar. In Nordamerika allein beläuft sich der Umsatz auf rund fünf Milliarden Dollar. Bezeichnend ist, dass dieser Markt erst vor rund 15 Jahren Fahrt aufgenommen und bis heute nichts an Dynamik eingebüßt hat. Diverse Prognosen gehen davon aus, dass sich das aktuelle Volumen bis 2025 verdoppelt. Auch hier ist die junge Generation der Treiber. Zahlen der internationalen Marktforschungsgruppe Mintel Ltd. zeigen, dass das Wachstumspotenzial im größten Markt für Naturkosmetik noch längst nicht erschöpft ist. In einer Umfrage gab fast die Hälfte der befragten 18- bis 34-Jährigen an, dass sie Produkte mit natürlichen Inhaltsstoffen bevorzugt.

Kreatives Branchenpotenzial

Auf der internationalen Leitmesse Vivaness wurde wieder einmal das Innovationspotenzial der Naturkosmetik-Branche sichtbar: 155 Produktneuheiten von 284 Ausstellern sprechen für sich. Die Hersteller aus aller Herren Länder hatten jede Menge kreative Ansätze im Gepäck – von neuen Formulierungen und Ingredienzen über Maßnahmen zur Reduzierung des Carbon Footprints bis hin zu Zero-Waste-Konzepten und intelligenten Verpackungslösungen aus nachwachsenden Rohstoffen. Kreativität und Innovationskraft sind auch in Zukunft gefragt, selbst wenn der Trend zur Natürlichkeit der Branche in die Hände spielt. Interessante Ausblicke gibt diesbezüglich die Zukunftsstudie „Schöner.Leben.“ des Industrieverbandes Körperpflege und Waschmittel (IKW). Das Zukunftsinstitut Frankfurt kommt darin zu dem Fazit, dass „Aussehen und die Darstellung von Schönheit noch nie so wichtig und omnipräsent waren wie heute“. Darüber hinaus betonen die Trendforscher, das Schönheit individueller werde. „Echt“, so die Zukunftsstudie, sei das neue „Schön“, denn Natürlichkeit gewinne an Wirkung. Den Verfassern der Frankfurter Trendstudie zufolge müssten Marken authentisch und transparent sein, um das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen.        

Quelle: KOSMETIK international Ausgabe 4_19

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