Selbstoptimierung

Frau weibliche Figur

Der Mega-Trend Selbstoptimierung nimmt immer zwanghaftere Züge an, findet unsere Autorin Jenny Ospelt. Sie plädiert für mehr Körperakzeptanz – und einen feinfühligeren, wertschätzenderen Umgang mit den Kunden im Spa.

Schönheitsideale sind einem stetigen Wandel unterworfen. Im früheren Epochen, in denen Lebensmittel nicht ganzjährig uneingeschränkt zugänglich waren, galt häufig ein fülliger Körper als Zeichen des Wohlstands, große Brüste, Bauch und breite Hüften standen für Fruchtbarkeit. Es gab aber auch immer wieder Zeiten, in denen eine schlanke Linie angesagt war. Ganze Generationen von Mädchen und Frauen unterwarfen ihren Körper diesen wechselnden Idealen, schnürten ihre Taille in sprichwörtlich atemberaubende Korsagen oder hungerten sich mühselig Pfunde runter. Heute herrscht das Schönheitsideal „Fit & Healthy“ vor. Ganz konkret bedeutet das: schlank und trainiert mit großen Brüsten.

Diese knackige Zusammenfassung macht deutlich, wie absurd das ganze Theater ist. Denn geht man davon aus (und da sind sich alle Gesundheitssysteme der Welt einig), dass jeder Mensch eine ganz bestimmte Statur beziehungsweise Kons­titution mitbringt, an der sich nicht grundlegend etwas ändern lässt, wird schnell klar, wie unglücklich all’ diejenigen sein dürften, die es einfach nicht hinbekommen, dem aktuell vorherrschenden Schönheitsideal zu entsprechen. Und genau hier tut sich ein milliardenschwerer Markt auf, der uns Detox-Kuren, Diätpülverchen und Online-Fitness-Kurse beschert.

Ernährung als Lifestyle

Allerdings haben sich die Zeiten seit Kohlsuppe und FDH verändert. Mittlerweile haben die meisten Menschen verstanden, dass Diäten fast immer Hand in Hand mit dem Jojo-Effekt daherkommen und unterm Strich nicht funktionieren.Aus diesem Grund haben sich die Diäten der heutigen Zeit als Clean Eating, Raw ’til Four, High Carb Low Fat oder Paleo verkleidet (die Aufzählung könnte unendlich weitergeführt werden). Ernährung gehört heutzutage zum Lifestyle. Was sich seit der Kohlsuppe allerdings nicht verändert hat: Es regnet nach wie vor Verbote. Pasta? Ungesund. Smoothie Bowl? Gesund. Cornflakes? Ungesund. Avocado? Gesund. Jedes hippe Ernährungskonzept arbeitet mit „guten“ und „bösen“ Lebensmitteln beziehungsweise mit „gesunden“ und „ungesunden“. Und sobald wir es mit Verboten zu tun haben, spricht man offiziell von einer Diät.

Der Druck sozialer Medien

Hinzu kommt der nicht zu unterschätzende Einfluss sozialer Medien, die den Druck auf den Einzelnen enorm verstärken. Vor allem Instagram vermittelt wie kaum eine andere App ein verzerrtes Bild der Realität. Man könnte meinen, die Welt bestünde ausschließlich aus schlanken, jungen Frauen mit großen Brüsten, wallendem Haar und makelloser Haut, die ihre Tage ausnahmslos an den weißesten Stränden oder in den angesagtesten Restaurants verbringen. Solche Bilder sorgen im Übermaß nicht unbedingt für die besten Gefühle, denn wir neigen dazu, unser eigenes Leben mit dem Lifestyle zu vergleichen, der uns von außen präsentiert wird.

Selbst wer keinem dieser Accounts auf Instagram folgt, bekommt die Werbung für den Juice Cleanse als Anzeige in den Feed gespült, läuft auf dem Weg zur Arbeit an der Werbetafel der neuen Fitnessstudio-Kette vorbei, auf der eine leicht bekleidete Frau ihr Sixpack zeigt, und wird im Supermarkt mit zuckerreduzierten Produkten konfrontiert. Denn Fett und Kohlenhydrate sind die Bösewichte von gestern. Der größte Feind im Jahr 2018 heißt Zucker. Also springen uns Bücher wie „Zucker, der heimliche Killer“ oder „Die 40 Tage Zuckerfrei Challenge“ ins Auge, wenn wir uns am Bahnhofskiosk nur schnell die Tageszeitung schnappen wollen, bevor wir in den ICE hüpfen.

Smoothie versus Croissant

Wir werden unentwegt bombardiert mit diesen Messages und es lohnt sich, mal einen Tag lang ganz bewusst darauf zu achten. Angefangen von den Facebook-Werbeanzeigen, die sich besonders perfide unter die Beiträge unserer Freunde mischen, bis hin zur Kollegin, die nur noch selbstgemachte Smoothies trinkt und einem das eigene Schokocroissant madig macht.

So viel also zu der problematischen Gesamtsituation. Aber schlagen wir an dieser Stelle doch mal den Bogen zur Beauty- und Wellness-Branche. Die Mehrzahl der Menschen sucht Spa, Kosmetikinstitut oder Wellnesshotel auf, um sich zu entspannen. Um mal runterzukommen. Den alltäglichen Stress hinter sich zu lassen. Allerdings macht die Selbstoptimierung auch vor diesen Refugien nicht halt. Im Folgenden sollen beispielhaft einige Punkte aufgezeigt werden, die in vielen Spas und Wellnesshotels dafür sorgen können, dass die Gäste sich nicht angenommen fühlen.

Abwarten und einfühlen

In den meisten Spa-Menüs gibt es ein Anti-Cellulite-Treatment. Fakt ist: So gut wie jede Frau hat Cellulite. Und während die eine kein Problem damit hat, möchte die andere etwas daran ändern. Darum sollten Sie als Behandler solche vermeintlichen „Problemzonen“ nicht direkt ansprechen, sondern abwarten, wie die Kundin damit umgeht. Und bei Bedarf auf erkennbaren Wunsch hin kompetent Auskunft geben, welche Ihrer Treatments hier hilfreich sein können. Und nicht ohne Not Sprüche raushauen wie: „Sie sollten unbedingt mal unser Anti-Cellulite-Treatment ausprobieren!“

Auch bei den Gesichtsbehandlungen verhält es sich oft nicht besser. Im Alter gut auszusehen bedeutet nicht zwangsläufig, faltenfrei zu sein. Wie grandios wäre es für alle Beteiligten, wenn wir uns stattdessen auf ein besseres Hautbild, ein umwerfendes Hautgefühl oder die absolute Tiefenentspannung fokussieren?

Den vollständigen Artikel lesen Sie in KOSMETIK international 09/2018.

Von | Fotos: Fotolia/tanyaden

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