Neue Verpackungstrends bei Kosmetikprodukten

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Neue Verpackungstrends bei Kosmetikprodukten

Wo früher noch Glanzfolie und Goldelemente bei Kosmetikverpackungen für Luxus und Hochwertigkeit standen, haben sich die Anforderungen an die Optik von Tiegeln, Tuben & Co. geändert. Nachhaltigkeit und Understatement sind die neuen Trends.

Ein Phänomen, das wir besonders von Besuchen in schwedischen Möbelhäusern kennen, ist, nur wegen Teelichtern hinzufahren und den Markt mit einer Rechnung von über 100 Euro wieder zu verlassen. Vieles kaufen wir spontan. Aus unterschiedlichen Studien ist mittlerweile bekannt, dass wir uns binnen Sekunden entscheiden, was wir kaufen. Doch warum schafft es das eine Produkt in unseren Warenkorb, während das Konkurrenzprodukt im Regal zurückbleibt?

Helle Farben und veränderte Haptik
Da es sich bei dieser Kaufentscheidung gerade bei für die Kundin noch unbekannten Produkten meist nicht um einen lang überlegten Kaufprozess handelt, muss das Auge über visuelle Reize angesprochen werden. Die entsprechende Verpackung eines Kosmetikproduktes zum Beispiel spielt dabei, laut wissenschaftlichen Untersuchungen, eine nicht unerhebliche Rolle. Und gerade in der Beautybranche ist der Trend der neuen Verpackungen erkennbar.

Wir haben fünf Kosmetikhersteller nach ihren neuen Verpackungskonzepten befragt und hier kommen ihre Antworten.
 

  1. Alexander Drusio, Geschäftsführer Dr. med. Christine Schrammek Kosmetik

    Wann fand der letzte Verpackungsrelaunch in Ihrem Unternehmen statt?
    Der Startschuss für unseren letzten großen Verpackungsrelaunch fiel 2016. Von der Idee des neuen Designs über die Umsetzung und Produktion der neuen Packmittel dauerte es dann ca. 6 Monate bis die ersten Produkte in den Regalen unserer Kund*innen standen. Abgesehen von großen Relaunches überprüfen wir bei jeder neuen Bestellung, ob sich etwas bei unseren Packmitteln verbessern lässt in punkto Funktionalität und Nachhaltigkeit. So iterieren wir auch bei Bestandsprodukten ab und an z.B. Primärgefäße, wenn es für den Kunden oder die Umwelt von Nutzen ist. Das Feedback unserer Kunden ist hierbei ausschlaggebend.

    Warum haben Sie sich entschieden, Ihre Verpackungen zu ändern?
    Als international agierendes Unternehmen beobachten wir sehr genau, was Verbraucher*innen weltweit fordern. Das Thema Nachhaltigkeit war bereits 2016 für uns von zentraler Bedeutung, so dass eine Umstellung aller Faltschachteln auf FSC zertifiziertes Papier den Ausschlag für den Relaunch gab. Im gleichen Zug haben wir das Design angepasst und unseren Verpackungen ein Facelift gegeben, das die Werte der Marke hervorhebt. Als Doktormarke aus der professionellen Kosmetik ist die Grundfarbe unserer Verpackungen natürlich weiß. Um aber den Verbraucher*innen eine schnelle Orientierung zu ermöglichen, sind alle Serien jeweils durch unterschiedliche Farbcodes gekennzeichnet. Unsere Marke vereint Tradition und Innovation – und das wird durch ein cleanes und zugleich modernes Design mit Hilfe von klaren Formen und Linien unterstützt.

    Was ist heute an Ihren Verpackungen anders als vorher (Farben, Materialien, Haptik)?
    Alle Sekundärverpackungen sind aus FSC zertifiziertem Material. Bei dem Relaunch haben wir uns zusätzlich auf den Wechsel von glänzenden zu matten Materialien entschieden, die eine hochwertige Haptik bieten, so dass mehrere Sinne gleichzeitig angesprochen werden. Die Packmittel der Body Science Serie erhielten zusätzlich ein Soft Touch Finish. Wenn man die Produkte in den Händen hält, bekommt man über die Haptik die Assoziation von einem weichen Hautgefühl.

    Welche Trends sehen Sie für die nächsten fünf Jahren im Bereich Verpackung (auch im Hinblick auf mangelnde Rohstoffe)?
    Weniger ist mehr. Bei unseren Produkten haben wir uns (schon immer) bewusst gegen eine Cellophanierung entschieden. Auch mit dem Wegfall von zusätzlichen Plastikspateln leisten wir einen Beitrag für die Umwelt. Wo immer möglich, verschlanken wir unsere Verpackungen, ohne an Qualität und Funktionalität zu sparen, um schon gleich am Anfang direkt weniger Verpackungsmenge in den Kreislauf zu bringen. Der Trend von recyclebaren Materialien gerade im Kunststoffbereich wird sich weiter fortsetzen und neue Technologien ermöglichen in Zukunft hoffentlich noch mehr wiederverwertbare Materialien.

    Haben Sie Belege/Studien darüber, dass ein Verpackungsrelaunch den Abverkauf ankurbeln kann?
    Inwiefern die Abverkaufszahlen durch den Relaunch gestiegen sind, können wir nicht genau belegen. An erster Stelle steht bei uns auch nach wie vor, die Qualität, Hygiene und Sicherheit für die Anwender*innen. Die Packmittel sind diesem hohen Gut untergeordnet. Ich bin dennoch überzeugt, dass Verpackungen, die zusätzlich die Markenwerte transportieren, den Verbraucher*innen einen leichteren Zugang zur Marke ermöglichen und damit zum Gesamterfolg positiv beitragen.

  2. Hildegard Braukmann

    Wann fand der letzte Verpackungsrelaunch in Ihrem Unternehmen statt?
    Mai 2021 haben wir unsere Kosmetik-Institut Serie Professional relauncht. Im September 2021 haben wir dann unsere Serie Essentials ,die auch im Handel erhältlich ist, relauncht.

    Warum haben Sie sich entschieden, Ihre Verpackungen zu ändern?
    Wir stehen mit unserem 1500 Kosmetik- Institut Partnern und Handelspartnern im engen Austausch und wissen welche Bedürfnisse und Wünsche unsere Kunden haben. Dadurch reagieren wir auf Trends und Entwicklungen am Markt und optimieren dahingehend unsere Produkte stetig. Ein verbessertes Design stärkt das Erscheinungsbild von Hildegard Braukmann (Imageverbesserung), weckt Interesse (Neukundengewinnung) und stärkt die Kundenbindung existierender Zielgruppen, da die optimierte Verpackung ein besseres Nutzenerlebnis bietet.

    Was ist heute an Ihren Verpackungen anders als vorher (Farben, Materialien, Haptik)? Bei unserer Essentials Serie haben wir uns für nachhaltige Verpackungsmaterialien entschieden und  leuchtende Farben im Kontrast mit schlichtem Weiß.

    Welche Trends sehen Sie für die nächsten fünf Jahren im Bereich Verpackung (auch im Hinblick auf mangelnde Rohstoffe)? Nachhaltige Verpackungen, alternative Rohstoffe

  3. Alessandro
    Wann fand der letzte Verpackungsrelaunch in Ihrem Unternehmen statt?
    2019- Hand & Nagel
    2020- Fuss

    Warum haben Sie sich entschieden, Ihre Verpackungen zu ändern?
    Modernisierung und Vereinheitlichung der Packmittel
    Verwendung von Airless Spendern (100%ige Restentleerung & Hygiene)
    Verbesserung der Übersichtlichkeit in Bezug auf Produktinformationen
    Rezepturverbesserungen (Kein Mikroplastik, keine Silikone, keine Tierversuche, etc)
    Steigerung der Nachhaltigkeit
    Fokussierung vegan
    Verwendung von FSC Materialien
    Einsatz recycelfähiger Kunststoffe
    Vereinheitlichung Duft

    Was ist heute an Ihren Verpackungen anders als vorher (Farben, Materialien, Haptik)?
    Tubenmaterial- Recycelfähig und matt (alt: Glänzend & Heißfolie silber)
    Faltschachtelmaterial- FSC & matt mit Prägung (alt: Gläzend & Heißfolie silber)

    Welche Trends sehen Sie für die nächsten fünf Jahren im Bereich Verpackung (auch im Hinblick auf mangelnde Rohstoffe)?
    Klimaneutrale Packmittel
    Umstellung von Präsentationsdisplays von Kunststoff auf Pappe

    Haben Sie Belege/Studien darüber, dass ein Verpackungsrelaunch den Abverkauf ankurbeln kann?
    Nein. Wir verfügen lediglich über eigene Erfahrungswerte. Im Zuge unserer Relaunches haben wir Packungsgrößen optimiert, Texturen ohne Mikroplastik, Silikone und Mineralöle lanciert, auf klimaneutrale Packmittel umgestellt, die Kommunikation über das Packmittel optimiert, etc. Die Akzeptanz der Verbraucher ist gestiegen, neue Zielgruppen konnten erreicht werden und die Verkäufe konnten deutlich gesteigert werden.
  4. Babor
    Das Ziel: Bis 2023 sollen alle BABOR Verpackungen zu 80 % recyclefähig sein und der Verbrauch von Virgin-Plastik wird verglichen mit 2018 um 30 % reduziert.
    Der Weg: Schon heute verwendet BABOR in seinen Paketen keine Füllstoffe aus Plastik und setzt auf FSC zertifiziertes Papier, wann immer es zum Einsatz kommt. Momentan konzipieren Packmittelentwickler erste Packagings aus Recyclaten, verzichten wann immer möglich auf die Cellophanierung der Produkte und überdenken die Versandkartons.
  5. Sothys
    Wann fand der letzte Verpackungsrelaunch in Ihrem Unternehmen statt? Neben vielen kleineren Relaunches war der letzte große Relaunch eines ganzen Produktbereiches 2014, dort wurden alle Verpackungen der dekorativen Kosmetik erneuert. 2022 wird die Körperpflege komplett umgestellt – sowohl die Umverpackung, als auch die Behältnisse selbst (Tiegel, Flakons etc.). Im Frühjahr wird es eine neue Bio-Serie geben, die nicht nur nachhaltig verpackt ist, sondern auch mit dem NGO Plastic Bank zusammenarbeitet. So wird jedes Kilo Plastik, das zur Herstellung der Verpackungen benutzt wird, durch das Sammeln des identischen Gewichts an Plastikmüll kompensiert. Darüber hinaus hilft jedes gesammelte Kilo Plastikmüll den lokalen Recycling-Akteuren, indem ihnen Zugang zu einem regelmäßigen Einkommen, zum Gesundheitswesen und zu Bildung gegeben wird.

Warum haben Sie sich entschieden, Ihre Verpackungen zu ändern?
Nachhaltigkeit ist in der DNA der Familie Mas – der Inhaberfamilie der Marke SOTHYS – ein fester Bestandteil. Das Unternehmen verfolgt seit 75 Jahren die Idee einer nachhaltigen Kosmetik, die Haut und Umwelt respektiert. SOTHYS hat sich aufgrund seiner Überzeugungen zu einer ethischen und verantwortungsbewussten Vorgehensweise verpflichtet, die schon bei der eigenen Forschung und Entwicklung beginnt (Stichwort „Grüne Chemie“). Eine ökologisch-verantwortliche Produktion, die Auswahl von recycelbaren Materialien für die Verpackungen und der Schutz von Natur und Tieren sind dann nur folgerichtig.

Was ist heute an Ihren Verpackungen anders als vorher (Farben, Materialien, Haptik)?
Die Umverpackung aus Pappe wird zu 100 % aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern gewonnen, für die Bedruckung wird teilweise Pflanzentinte verwendet. Es wird auf kurze Lieferwege geachtet: 98% der Verpackungen stammen aus Europa. Zum Teil werden keine Beipackzettel beigelegt, sondern diese werden auf die Innenseite der Verpackung gedruckt, um Papier zu sparen. Auf PVC wird seit Jahren bewusst verzichtet, stattdessen wird recyceltes Material (z.B. PET) verwendet. Das verwendete Material ist leichter als vorher, wobei der Design-Fokus beibehalten wird. Das Volumen von Geschenksets und Kartons wird generell reduziert. Sothys entwickelt immer mehr Verpackungen, die einfacher zu recyceln sind, d.h. Verpackungen aus einem Material oder Elemente, die trennbar sind, um das Recyceln zu erleichtern. Ganz konkret am Beispiel der Körperpflege sind die Tiegel und Flaschen nun statt weiß braun (recyceltes PET) und wurden auch von der Form verändert.

Welche Trends sehen Sie für die nächsten fünf Jahren im Bereich Verpackung (auch im Hinblick auf mangelnde Rohstoffe)?
Nachhaltigkeit, Verpackungen von europäischen Lieferanten, auch lokale Anbieter. Verstärkte Zusammenarbeit mit NGO`s wie der Plastic Bank.

Haben Sie Belege/Studien darüber, dass ein Verpackungsrelaunch den Abverkauf ankurbeln kann?
Wir erkennen den Effekt bei unseren Relaunches, denn in allen letzten Relaunches konnten wir Umsatzzuwächse generieren. Das hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen: Ein Verpackungsrelaunch kommt immer auch im Zusammenhang mit Rezepturverbesserungen, daher hat das Produkt eine verbesserte Leistung und erzielt eine hohe Aufmerksamkeit. Außerdem besitzt die neue Verpackung eine höhere Attraktivität durch ihr zeitgemäßeres Design und die nachhaltigen Materialien.
 

 

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