Foto: stock.adobe.com/DragonImages

Pflege // 14.03.2024

Scalp Care – gezielte Pflege bei Kopfhautproblemen

Haarverlust und Kopfhautprobleme können für die Betroffenen hohen Leidensdruck bedeuten. Mit Ihrem Fachwissen als Kosmetikerin und einer Weiterbildung können Sie sich als Expertin für Scalp Care etablieren. Worauf es dabei ankommt, verraten die Dermatologinnen und Kosmetik-Expertinnen Dr. Christine Schrammek-Drusio und Christina Drusio.

Bei Pflanzen wird das Wachstum maßgeblich von der Qualität des Bodens bestimmt – ähnlich verhält es sich mit den Haaren. Daher sollte die Kopfhaut genauso sorgfältig gepflegt werden wie die Gesichtshaut.

Als Pflege-Expertin sehen Sie in der Kabine Kopfhautprobleme unmittelbar und können Ihren Kunden daher auch im Bereich Scalp Care wertvolle Lösungen anbieten. Leider wird Kopfhautpflege in der täglichen Pflegeroutine bislang vernachlässigt. Verwunderlich, denn bei Hautproblemen reagieren wir in der Regel auch sofort mit „Gegenmaßnahmen“.

Methoden gegen Haarausfall

Der Haarwachstumszyklus ist sehr lang, daher greifen Anwendungen folglich erst nach ca. drei bis sechs Monaten (oder länger). In den letzten Jahren haben sich eine Vielzahl von Behandlungsmethoden vor allem bei Haarausfall entwickelt. Verfügbar sind medikamentöse und operative Behandlungen, aber auch zahlreiche minimal-invasive Methoden.

  • Medikamente haben leider oft starke Nebenwirkungen, wie z. B. Finasterid (sexuelle Funktionsstörungen).
  • Operationen und einige minimal-invasive Behandlungsmethoden sind sehr schmerzhaft und/oder können zu langen Ausfallzeiten führen sowie kostenintensiv sein. Mesotherapie (mit „Vitamincocktails“ oder als Eigenblutbehandlung) wird gerne angewendet, allerdings ist die Studienlage sehr variabel.
  • Mit speziellen Kopfhautpeelings auf Basis von natürlichen Kräutern und deren anregender Wirkung lässt sich Haarausfall nachweislich mindern und kraftloses, dünnes Haar reaktivieren.

Behandlungs-Trend “Skinification”

Bei Haarproblemen greifen wir bislang eher zu Conditionern & Co., meist mit mäßigem Erfolg. Sie helfen nur kurzfristig, und nur von außen. Erfreulicherweise bekommt die Kopfhaut jedoch immer Aufmerksamkeit und wird zunehmend sorgfältig gepflegt. Der vor allem aus den USA kommende Trend Skinification spielt dabei eine wichtige Rolle. Er steht dafür, die Kopfhaut mit der gleichen Sorgfalt zu pflegen wie das Gesicht – und dafür, dass Wirkstoffe aus der Hautpflege (z. B. Ceramide, Hirse) der Kopfhaut und damit den Haaren ebenfalls guttun.

Kräftigender Pflege-Cocktail

Auch bei Scalp Care ist die Heimpflege sehr wichtig. Ergänzende Pflegeprodukte wie Haartonics werden unterstützend eingesetzt. Sie sind einfach in der Anwendung, täglich tagsüber oder über Nacht anwendbar. Mittlerweile gibt es bereits wirksame Produkte für diverse Kopfhautprobleme, die für Frauen und Männer gleichermaßen geeignet sind.

  • Anregende Scalp Tonics können z. B. Haarausfall entgegenwirken und die Haarproduktion unterstützen. Neben bekannten Stimulanzien wie Koffein und kräftigendem Biotin enthalten sie moderne Pflanzenstoffe, die die Kopfhaut anregen und somit die Aktivität der Haarwurzel verbessern.
  • Rosmarin ist ein Trend-Wirkstoff zur Pflege von Haaren und Kopfhaut. Neben seiner belebenden, erfrischenden Wirkung kann Rosmarin die Durchblutung der Kopfhaut anregen und so deren Nährstoffversorgung verbessern.
  • Proteine aus Erbsen oder aufwendig gewonnene Verbindungen aus Kurkuma haben sehr gut belegte Wirkungen, wenn es darum geht, den Ausfall der Haare zu mindern und ihr Wachstum zu verbessern. Teilweise sind diese auch in vitro erfolgreich gegen Minoxidil (Goldstandard der Medizin zur Behandlung von Haarausfall) getestet.
Grafische Darstellung von Haaren, die aus der Haut wachsen und pflegendes Tonic in Form von Kugeln
Tonics mit u. a. Koffein und Biotin können die Haarproduktion fördern
(Foto: stock.adobe.com/Anusorn)

Neuer Schwung für die Kopfhaut!

Den Fokus auf Vitalisierung und Regeneration legen Scalp Tonics zur Behandlung von reifer Kopfhaut und bei stumpfem, weniger vitalen Haar. Sie wirken der Alterung von Kopfhaut und Haaren entgegen, das Haar kann gesünder nachwachsen. Feuchtigkeitsbindende, regenerierende und belebende Stoffe wie z. B. Panthenol, Hirse und fermentiertes Reiswasser sind die Grundlage dafür.

  • Panthenol hat neben der Feuchtigkeitswirkung auch einen nachgewiesenen Anti-Frizz-Effekt.
  • Fermentiertes Reiswasser wird seit Jahrhunderten zum Waschen der Haare bei den Yao Frauen verwendet, deren Haar über zwei Meter lang werden kann und auch im Alter noch schwarz und glänzend ist. Das Geheimnis der Yao-Frauen ist eine alte Schönheitstradition: Sie verwenden ein selbst hergestellten Shampoo auf Basis von fermentiertem Reiswasser.
  • Durch den Einsatz von Aktivstoffen, die gezielt das Haarpigment schützen, kann zudem eine „Grey Delay“-Wirkung für reifes Haar erzielt werden. Wirkstoffe z. B. mit schwarzem Hafer erhöhen die Neutralisierung von freien Radikalen, die durch Umweltstress (UV-Strahlung, Pollution) entstehen. Durch oxidative Vorgänge werden Enzyme deaktiviert, die bei der Pigmentbildung eine Rolle spielen. Sterben sie ab, wird weniger bis kein Melanin mehr gebildet. Antioxidative und zellschützende Aktivstoffe können daher dem Ergrauen des Haares effektiv vorbeugen.

Dr. med. Christine Schrammek-Drusio, Christina Drusio (www.schrammek.de)